Lange hatten sie es hinausgeschoben. Sie liebten ihr Häuschen. Sechzig Jahre lang war es ihr Zuhause gewesen. Seit mehr als zehn Jahren lebten sie allein, weil die Kinder geheiratet hatten und ausgezogen waren. Jetzt wollten sie in die Zweizimmerwohnung im nahe gelegenen Altenstift umziehen.
Von Peter Josef Dickers
Literarisches – Die Entscheidung war ihnen nicht leichtgefallen. Vielleicht war es nicht ihre Entscheidung, sondern ihrer Kinder. „Was wollt ihr mit dem großen Haus? Ihr müsst renovieren. Wer versorgt euch, wenn ihr nicht mehr könnt?“
Nur den Schrank im Schlafzimmer konnten sie mitnehmen. Darin würden sie einige Habseligkeiten unterbringen können. Die vier waren Türen abschließbar, beruhigend für sie in der neuen, fremden Wohnung.
Der Flur auf der ersten Etage glich einem Warenlager. Sohn und Schwiegertochter hatten ganze Arbeit geleistet. Allen alten Krempel hatten sie ausgemistet. Was hatten die Eltern nicht alles aufbewahrt. Unglaublich. Oma tat es in der Seele weh, als sie die Tragetasche auf dem Krempelberg entdeckte. Die war so praktisch gewesen, wenn sie einkaufen ging. Als sie nachts wach wurde, schlich sie in den Flur. Hoffentlich wurde keiner wach. Schnell entdeckte sie die Tasche und ging zu dem Schrank mit den vier Türen. Die Tasche war gerettet. Hinter der ersten Tür links wollte sie demnächst ihre privaten Utensilien unterbringen. Sie nahm den Schlüssel an sich und ging ins Bett.
Als Opa neben sich ruhige Atemzüge hörte, stand auch er leise auf. In seinem Werkzeugkasten fehlten nur ein paar Schraubenzieher. Für den Müll waren sie zu schade. Die rechte Schranktür war für ihn reserviert. Dahinter verschwanden die Werkzeuge.
An Schlaf war nicht zu denken. Sobald der Eine im Bett war, schlich die Andere in den Flur und rettete, was zu retten war. Die vier Türen wunderten sich, was hinter ihnen alles verschwand Als am Morgen die Möbelpacker den Schrank aufladen wollten, waren die Schlüssel nicht auffindbar. Der Transport war schwierig. Oma und Opa beobachteten genau, ob alles den Weg ins Freie fand. Dankbar waren sie, dass niemand gemerkt hatte, was in der Nacht geschehen war. Der Umzug fiel ihnen viel leichter. (opm)


Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.
„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.




