Akropolis – Auf den Spuren der Götter

In Athen verbindet sich griechische Kultur mit modernen Einflüssen. Wer zumindest stundenweise fliehen möchte vor dem pulsierenden Treiben in den Straßen, der kann hoch oben über Athen wandeln in der Geschichte, wo die Akropolis, das Wahrzeichen der griechischen Hauptstadt, fast einen Blick auf göttliche Spuren zulässt.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Athen/Griechenland – Häufig ist nicht bekannt, dass es nicht nur die eine Akropolis gibt, denn die Wortbedeutung, die mit Burgberg zu übersetzen ist, wurde im Lauf der Geschichte für eben alle diese Burgen und Festungen genutzt, die hoch oben auf einem Hügel als strategischer Punkt gegen Feinde dienten. Wer von der Akropolis spricht, der wähnt sich allerdings bereits in Athen auf einer Höhe von 156 Metern über der Stadt. Mit einem grandiosen Blick über die Umgebung, wandern täglich Touristen zum Platz der Götter, den die UNESCO im Jahre 1986 zum Weltkulturerbe ernannt hat.

Ob die Götter sich hier tatsächlich einmal niedergelassen haben? Wer weiß das schon, allerdings wurde das Gebiet im Laufe der Geschichte für viele Dinge genutzt, denn Siedungsspuren weisen darauf hin, dass der Hügel bereits in der Jungsteinzeit bevölkert war. Der große, der Stadtgöttin Athene geweihte Burgberg war ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. Sitz des Königs, wobei erst ein Jahrhundert später die Pelargikon oder Pelasgische Wehrmauer errichtet wurde um eine Quelle zu schützen und damit die Wasserversorgung im Falle einer Belagerung sicherzustellen. Erst in der Zeit des demokratischen Athens wurde der Tempelbezirk ausgebaut und die Verteidigungsfunktion der Stadtfestung geriet immer mehr in den Hintergrund. 448 v. Chr., nach dem Sieg über die Perser, wurde Athen unter Perikles zum Zentrum der hellenischen Welt und die Akropolis sollte zum Zeichen der neuen Macht werden.

Foto: Rheinischer Spiegel

Nachdem die Perser bei der Einnahme der Stadt die Haupttempel der Akropolis zerstört hatten, begannen die Baumeister Iktinos, Mnesikles sowie Kallikrates unter der Leitung des Bildhauers Phidias mit einer neuen Gestaltung, die der Akropolis ein völlig neues Gesicht gaben. Ebenfalls der Haupttempel wurde neu gestaltet und ein Parthenon unter freiem Himmel entstand, um den Göttern den Blick auf die Opferhandlungen zu ermöglichen. Zum zweitgrößten Tempel der Anlage wurde das Erechtheion an der Nordseite des Hügels, welches nicht nur verschiedenen Göttern geweiht wurde, es sollte zudem ein Geschenk an die mythischen Helden der Stadt sein. Benannt wurde das Bauwerk nach König Erechtheus, der hier einst in seinem Palast gelebt haben soll. Hier stand zudem der heilige Ölbaum, der die Athener durch die Göttin Athene erhalten haben sollen. Das ursprüngliche Geschenk, weshalb die Stadt ihren heutigen Namen trägt ist längst Vergangenheit, doch auch heute steht hier ein Ölbaum und erinnert an die Begebenheit.

Im Westen des Hügels bietet sich ebenfalls der kleinste Tempel der Anlage für einen Besuch an. Der Niketempel, der „ungeflügelten“ Siegesgöttin geweiht, wurde allerdings erst nach Perikles und gegen seinen Wunsch errichtet.
Obwohl der Burghügel unter Perikles seine Schönheit erhielt, fügten sich in römischer Zeit weiter Bauten in das bestehende Bild ein. Im Jahr 267 wurde die Akropolis, ebenso wie im Mittelalter, erneut als Festung genutzt, zwei Bastionen entstanden, die mit einer Toranlage verbunden wurden. Im 6. Jahrhundert hielt der christliche Glaube seinen Einzug auf dem Hügel und der Parthenon-Tempel wurde nicht nur in eine christliche Marienkirche umgewandelt, ebenfalls bauliche Eingriffe zerstörten die ursprünglichen Stücke. Lange behielt die Akropolis ihre Bedeutung als Festung und der christliche Einfluss blieb, mit dem Parthenon als Athener Bischofskirche. 1456, mit der Eroberung der Osmanen, erhielt das Parthenon eine neue Nutzung. Ein Minarett wurde gebaut und eine Moschee entstand. Bis zu diesem Zeitpunkt als Kirche genutzt, wurde das Erechtheion zu einem Harem umfunktioniert.

Foto: Rheinischer Spiegel

Die Akropolis kam nicht zur Ruhe und so stand sie über zweihundert Jahre später erneut im Mittelpunkt eines Kampfes. Schwere Zerstörungen unter der Belagerung der Venezianer im Jahr 1687 entstanden nicht nur durch den Beschuss, ebenso die Explosion des türkischen Pulvermagazins beschädigte die Gebäude sehr. Was dann noch stand, fiel dem britischen Botschafter in Konstantinopel Lord Elgin zum Opfer, der ab 1801 große Teile nach London bringen ließ. Erst mit dem Erreichen der Unabhängigkeit Griechenlands wurde der Tempelberg zur archäologischen Stätte erklärt und der Bereich von den Gebäuden bereinigt, die nicht aus den Ursprüngen der Antike stammten. Die Moschee, die heute nur noch auf Gemälden bekannt ist, verschwand ebenso wie fränkische und byzantinische Bauten – eine Bereinigung der Geschichte, die nicht überall auf Gegenliebe stieß. Nachdem ab 1930 regelmäßige Restaurierungen vorgenommen wurden, konnte 2009 am Fuße der Akropolis das Akropolis-Museum eröffnet werden.

Geöffnet ist der Tempelberg von April – Oktober täglich von 8.00 bis 20 Uhr und von November – März täglich von 8.00 – 17.00 Uhr. Aufgrund der hohen Nachfrage in den Sommermonaten empfiehlt es sich vorab eine Eintrittskarte zu erwerben und einige Stunden Zeit für die Besichtigung einzuplanen. Der Eintrittspreis variiert je nach Sommer- oder Winterzeit, es gibt aber zudem die Möglichkeit die Akropolis an verschiedenen Tagen kostenlos zu besuchen, aktuelle Informationen stellt die Seite http://odysseus.culture.gr bereit. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel

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