Am ersten Advent war die Kreuzkirche im Klangrausch

Schon lange vor Konzertbeginn füllte sich die Evangelische Kreuzkirche in Viersen mit gespannter Erwartung. Das gedämpfte Stimmengewirr mischte sich mit dem leichten Hall des Kirchenraums, in dem Kerzenschein und die frühen Schatten des ersten Adventsabends eine besondere Atmosphäre schufen.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Hobby Fotografie Sebastian Janssen

Viersen – Zu Gast war an diesem Abend die Kempener Big Band und als die rund zwanzig Musikerinnen und Musiker schließlich Platz nahmen, senkte sich eine atemlose Ruhe über das Publikum – ein Auftakt, der bereits erahnen ließ, dass dieser erste Adventssonntag ein außergewöhnlicher musikalischer Abend werden würde.

Mit der Konzertüberschrift „A wonderful christmas time“ holte die traditionsreiche Formation aus Kempen das Publikum unmittelbar in eine Welt aus festlichen Klangfarben. Die klassisch besetzte Big Band, gegründet 1981 und seit 1991 unter der Leitung des Trompeters und Komponisten Markus Türk, präsentierte nicht nur bekannte Weihnachtstitel, sondern auch eigene Werke und anspruchsvolle Jazz-Arrangements, die den sakralen Raum auf besondere Weise erfüllten. Die Mischung aus sattem Big-Band-Sound, fein austarierten Soli und präziser Ensemblearbeit zeigte, wie souverän sich die Band über die Jahre entwickelt hat.

Foto: Hobby Fotografie Sebastian Janssen

Beim eröffnenden Programmteil verbanden sich beschwingte Arrangements traditioneller Weihnachtssongs mit warmen Klangfarben der Gitarren und einer rhythmischen Leichtigkeit, die unmittelbar zum Mitwippen einlud. Klassiker wie „White Christmas“ oder „Hark! The Herald Angels Sing“ erhielten eine neue Lebendigkeit. Bekannte Stücke – kraftvoll, ohne Pathos, und zugleich getragen von einem Gefühl adventlicher Ruhe. Immer wieder reagierte das Publikum mit sichtbarer Freude, staunend über das Zusammenspiel, das trotz seiner Komplexität von einer spürbaren Leichtigkeit geprägt war.

Für eine ungewöhnliche Note sorgte an diesem Abend das Fehlen des jungen Sängers Ilyas Adjana, der krankheitsbedingt pausieren musste (wir wünschen gute Genesung). Die Band fing die Gesangspartien kurzerhand instrumental auf – allen voran Markus Türk, dessen Trompete mit geschmeidigem Ton die Vokallinien übernahm. Die Flexibilität der Musiker verlieh mehreren Stücken einen unverwechselbaren Charakter, der vielen Zuhörenden noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Zwischen energiegeladenen Passagen und lyrischen Zwischentönen spannte sich ein musikalischer Bogen – so zählten zu den emotionalsten Augenblicken des Abends die Darbietungen religiöser Weihnachtslieder.

Die Kempen Big Band steht seit Jahrzehnten für musikalische Exzellenz, aber ebenso für gesellschaftliches Engagement. Mit Benefizkonzerten, die sie teils selbst organisiert oder in Kooperation mit Partnern wie dem Lions Club Kempen oder dem Arbeitskreis Fremde Willich gestaltet, konnten allein in den vergangenen neun Jahren mehr als 50.000 Euro für wohltätige Zwecke gesammelt werden. Unterstützt wurden unter anderem „Tajik Aid“, „Espace Masolo“ in Kinshasa, der Viersener Verein „Löwenkinder“ sowie zahlreiche Projekte zur Flüchtlingshilfe. Dass sozialer Einsatz und künstlerischer Anspruch hier selbstverständlich zusammengehören, zeigte sich auch an diesem Abend: Die Musizierenden begeisterten nicht nur mit ihrem Können, sondern mit spürbarer Freude und einem Miteinander, das sich unmittelbar auf das Publikum übertrug.

Als die letzten Töne verklangen, blieb für einige Sekunden Stille – jene ehrfürchtige, fast meditative Stille, die nur entsteht, wenn ein Konzert Herz und Raum gleichermaßen bewegt hat. Dann brach Applaus los, ein Dankeschön für einen Adventsabend voller Musik, Wärme und für das Gefühl, Teil eines besonderen Moments gewesen zu sein. Wer nicht dabei war, dem sei die Webseite der Kempen Big Band empfohlen, auf der man sich auf für einen Newsletter mit aktuellen Informationen anmelden kann. (sk)

Foto: Hobby Fotografie Sebastian Janssen