Die Ki Ka Kai a war mit Standing Ovations im Rausch der fünften Jahreszeit

Mit einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm und zahlreichen Ehrengästen hat die Karnevalsgesellschaft Ki Ka Kai a 1902 e.V. Boisheim am gestrigen Freitagabend ihre traditionelle Galasitzung im Bürgerhaus Dülken ausgerichtet. Es war die letzte Sitzung dieser Session und bis auf den letzten Platz besetzt. Kein Wunder, war der Abend doch ein rauschendes Fest zum Höhepunkt der 5. Jahreszeit.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker, Leo Dillikrath und Martin Häming

Dölke/Bossem – Der Saal war voll bis in die letzte Reihe, die Luft vibrierte von Trommelwirbeln und Schlagern — ein Abend, der mehr als eine Sitzung war: er war ein Sammelsurium aus Tradition, Überraschungen und lauter Lebensfreude.

Unter funkelnden Lichtern eröffnete das Moderatorenpaar Marko Dillikrath und Jonas Günter die Galasitzung mit einem Doppel, das Tempo und Herzlichkeit gleichermaßen in den Rhythmus des Abends brachte. „Wenn man in diese funkelnden Gesichter schaut, weiß man, warum wir das alles machen“, hallte es in den großen Saal des Dülkener Bürgerhauses, und das Auditorium dankte mit langanhaltendem Applaus.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Schon der Einzug setzte ein erstes Ausrufezeichen: Voran marschierte die vereinseigene Formation Blech Beat, gegründet aus den Reihen der Ki Ka Kai a-Mitglieder, deren kraftvolle Bläserklänge den Saal erzittern ließen. Das Boisheimer Prinzenpaar Franz-Herbert I. und Elke I. erhielt stehende Ovationen, die auch das Nachwuchs-Dreigestirn — Prinzessin Lina I., Bäuerin Emma I. und Jungfrau Abelina I. — genossen. Die kleinen Tollitäten gingen mit königlicher Gelassenheit durch einen straffen Ablauf von Verbeugungen, Schunkelnummern und ernsthaften Amtspflichten in dieser Session — und erinnerten zwischendurch daran, warum Nachwuchsförderung in der fünften Jahreszeit so wichtig ist.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Bevor Tanz und Musik die Bühne eroberten, stand zunächst ein besonderer Moment auf dem Programm, auf den das Scheinferwerlicht gerichtet war. Für seine langjährigen Verdienste erhielt Frank Steffens den „Narr von Europa in Silber“ – überreicht durch Frank Gramberg, Regionalpräsident des Regionalverbandes Linker Niederrhein der Föderation Europäischer Narren.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

In der Laudatio wurde sein Weg nachgezeichnet: Aufgewachsen im Schatten der Herz-Jesu-Kirche als „Dölker Jong“, führte ihn sein beruflicher Weg früh hinaus in die Welt. Doch 2011 kehrte er zurück und ließ sich neben der Gaststätte „Zum Gockel“ nieder – einst Vereinslokal der Ki Ka Kai a. 2012 trat er dem Verein bei, wurde Prinzenführer mehrerer Tollitäten, übernahm 2017/18 Verantwortung, als Präsident Dillikrath selbst das Prinzenspiel gestaltete, und bildete 2019/20 mit Annabelle das Prinzenpaar der Gesellschaft. Ab 2023 stand er zwei Jahre selbst als Präsident an der Spitze des Vereins. Heute begleitet er als Prinzenführer das Kinder-Dreigestirn – darunter seine eigene Tochter Abelina I.

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Wie lebendig diese Familienidee ist, zeigte sich auch auf der Bühne. Die Kindertanzgarde Minnies und Kids wirbelten mit ansteckender Energie über das Parkett. Fantasievolle Choreografien und strahlende Gesichter begeisterten das Publikum. Im späteren Verlauf des Abends folgten die Gardeteens – jene Gruppe, aus der das aktuelle Kinder-Dreigestirn hervorgegangen ist. Die tänzerische Qualität, gepaart mit jugendlicher Frische, ließ keinen Zweifel daran, dass hier eine Generation heranwächst, die das Brauchtum weitertragen wird.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Musikalisch heizte anschließend die Band SO!LALA ein. Seit 1991 auf den Bühnen des Karnevals unterwegs, präsentierte die Formation moderne Arrangements kölscher Hits, zu 100 Prozent live. „Runter von den Stühlen!“, forderte die Band und das Publikum folgte. Zwischen Mitsing-Passagen und stampfenden Rhythmen wurde das Bürgerhaus endgültig zum Tollhaus.

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Feinsinniger, aber nicht minder pointiert, präsentierten sich die „eineiigen Kusängs“ von Zwei Hillije. Bernd Löhr (Ukulele) und Wolfgang Löhr (Gitarre) zelebrierten die Kunst des kölschen Krätzchens – mit Wortwitz, leiser Ironie und augenzwinkerndem Klamauk. Geschichten vom „Wunder vun Müngersdorf“ und musikalische Anekdoten verwandelten sich in charmante Zwiegespräche. Ihre Version von „Sommer, Sonne, Herzinfarkt“ – einst Punkrock, nun Krätzchen – bewies eindrucksvoll ihre kreative Handschrift.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Dazwischen schoben sich die vereinseigenen Gardeteens. Bereits ab zwei Jahren können Kinder bei den Gardeminis erste tänzerische Erfahrungen sammeln, ab sechs Jahren bei den Gardekids, ab zehn bei den Gardeteens. Altersgerechte Trainingszeiten und unverbindliche Probetrainings sollen neue Tänzerinnen und Tänzer ansprechen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Einen Kontrast setzte Comedian Thorsten Bär. Der Gewinner des RTL Comedy Grand Prix 2018 und des NDR Comedy Contest betrat die Bühne mit der Energie eines Derwischs. Mit Parodien von Persönlichkeiten wie Jogi Löw oder Udo Lindenberg und seiner Paraderolle als „UWE! – Der Kreisligatrainer“ sorgte er für Lachsalven. Spontane Interaktionen mit dem Publikum machten seinen Auftritt zu einem lebendigen Schlagabtausch. „Karneval ist wie Kreisliga – Hauptsache, alle geben alles“, witzelte Bär unter tosendem Applaus.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Traditionsbewusst präsentierte sich die KG Rote Husaren Manheim 1975 e.V., die seit 1975 das karnevalistische Brauchtum pflegt. Mit ihrer Darbietung – geprägt von Disziplin, Uniformen in leuchtendem Rot und synchronen Marschelementen – setzten sie einen klassischen Akzent im Programm.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ein visuelles Spektakel folgte mit der Jongleurin Viola Schley. Die staatlich geprüfte Berufsartistin, ausgebildet an der Berliner Zirkusschule DIE ETAGE und der Staatlichen Artistenschule Berlin, tauchte den Saal nach einer mitreißenden akrobatischen Einlage – für die sie sich kurzerhand Bürgermeister Christoph Hopp als helfende Hand auf die Bühne geholt hatte – in Dunkelheit.

Dann zerschnitten leuchtende LED-Poi die Schwärze. Mit fließenden Bewegungen zeichnete sie Lichtmuster in die Luft, die wie schwebende Gemälde wirkten. Atemlos verfolgte das Publikum jede Drehung, jeden Wurf, jede perfekt getimte Figur.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Den finalen musikalischen Paukenschlag setzte das Konfetti Kommando. Die 2025 gegründete Formation aus dem Raum Koblenz-Rhein-Mosel vereint erfahrene Musiker mit über hundert Jahren Bühnenerfahrung. Mari (Vocals), Chris (Gitarre), Christian (Drums), Micha (Bass) und Stefan (Keys) lieferten ein Feuerwerk aus modernen Karnevalshits und traditionellen Mitsing-Klassikern.

Handgemachte Musik, kraftvolle Stimmen und eine sichtbare Spielfreude rissen die Jecken ein letztes Mal von den Sitzen. Als nach Mitternacht die letzten Takte verklangen, hing in der Luft hing noch immer das Echo von Liedern, Lachen und donnerndem Applaus, nun geht der Karneval auf die Straßen … und es wird eine richtig sensationelle Zeit, nee, watt is et schön in unserem Veedel … (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming