Drei Jahrzehnte Herzblut – Staffelübergabe bei den Oberbebericher Schützen

Mit einem emotionalen Zeremoniell, das von tiefer Dankbarkeit geprägt war, hat die St. Hubertus-Bruderschaft Viersen-Oberbeberich 1893 e.V. am Samstag ihren langjährigen Präsidenten Hans-Willi Pergens aus dem Amt verabschiedet.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming

Viersen-Oberbeberich – Nach 15 Jahren an der Spitze und insgesamt rund 30 Jahren Vorstandsarbeit endete am Wochenende im Oberbeberich eine prägende Phase der Vereinsgeschichte. Hans-Willi Pergens, der die Bruderschaft mit viel Leidenschaft und Herzblut begleitet hatte, trat einen Schritt zurück, den Schützen bleibt er glücklicherweise erhalten. Die Nachfolge hatte die Mitgliederversammlung bereits am 5. März geregelt: Stefan Lilienweiß, zuvor ein Jahrzehnt lang Vizepräsident, übernimmt die Ehre die altehrwürdige Bruderschaft zu führen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Der eigentliche Abschied vollzog sich jedoch nicht in nüchterner Versammlungsatmosphäre, sondern in einem über Stunden sorgfältig gestalteten Ablauf, der den Charakter eines öffentlichen Bekenntnisses zum Vereinsleben trug. Ausgangspunkt war die Pfarrkirche St. Peter, wo ein Wortgottesdienst den Tag eröffnete. Der Liturgiekreis, dessen Entstehung maßgeblich auf Pergens zurückgeht, gestaltete die Feier und verlieh ihr jene Form, die sich über Jahre hinweg zu einem festen Bestandteil des Bruderschaftslebens entwickelt hat.

Hans Lennertz, Ehrenpräsident der Bruderschaft, stellte bereits zu Beginn klar, dass der Anlass nicht als Abschied im engeren Sinne verstanden werden solle. Vielmehr gehe es darum, einem Mann Dank und Anerkennung auszusprechen, der über Jahrzehnte hinweg mit großem persönlichem Einsatz die Geschicke des Vereins geprägt habe. Lennertz zeichnete das Bild eines Funktionsträgers, der mit „Herzblut, Energie und der nötigen Portion Sturheit“ Entwicklungen angestoßen und den heutigen Zustand der Bruderschaft maßgeblich mitgeformt habe. Zugleich würdigte er die Rolle der Familie, die Pergens über viele Jahre hinweg den nötigen Rückhalt gegeben habe. „Wir sagen Danke und nicht Tschüss, auch weil wir hoffen und wissen, dass du uns erhalten bleibst und weiterhin für uns, für deinen Verein aktiv sein wirst; vielleicht ein bisschen ruhiger, nicht mehr so zeitaufwendig wie bisher und sicher mehr in der Position eines weisen Beobachters. Also quasi wie ein Präsident im Ruhestand mit mehr Zeit zum Kritisieren aber ohne die ganze Verantwortung“, unterstrich Lennertz.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Auch der scheidende Präsident selbst nutzte den Rahmen des Gottesdienstes, um seine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Besonders hob er die Unterstützung seiner Familie hervor, die ihn während seiner gesamten Amtszeit begleitet habe. Seine Worte ließen erkennen, dass er die Entwicklung der Bruderschaft als gemeinschaftliche Leistung versteht, getragen von zahlreichen Mitstreitern.

Im Anschluss an den kirchlichen Auftakt setzte sich ein Festzug in Bewegung, der durch die Sektion führte und von zahlreichen Gästen begleitet wurde. Neben langjährigen Weggefährten nahmen auch Vertreter befreundeter Vereine und Organisationen teil. Für die musikalische Gestaltung sorgten der Musikverein Herongen sowie das Bundesschützen- und Tambourcorps „Mit vereinten Kräften“ Wickrath.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ein zentraler Moment des Tages spielte sich an der Hubertuskapelle ab, die seit vielen Jahren unter der Patenschaft der Bruderschaft steht. Vor dieser Kulisse nahm Lennertz erneut das Wort und ließ die jahrzehntelange Tätigkeit von Pergens Revue passieren. Seine Ausführungen zeichneten das Bild eines Vorsitzenden, der es verstanden habe Weitsicht mit Bodenständigkeit zu verbinden und den Verein auch in schwierigen Zeiten auf Kurs zu halten. Dabei wurde nicht nur auf Erfolge verwiesen, sondern auch der Blick auf die Gegenwart gerichtet. In den Ansprachen fand das Gedenken an zwei kürzlich verstorbene Mitglieder, Ulrich Hüpkes und Danny Letzner, seinen Platz.

Den Abschluss des öffentlichen Teils bildete der Große Zapfenstreich am Ehrenmal, der die Verbindung von Tradition und Gemeinschaft sichtbar machte. In dieser Formensprache, die fest im Brauchtum verankert ist, spiegelte sich das Selbstverständnis der Bruderschaft. In seiner späteren Rede ging Pergens ausführlicher auf die Entwicklung des Vereins ein. Er beschrieb die vergangenen Jahre als eine Phase, in der es gelungen sei, die Bruderschaft trotz gesellschaftlicher Umbrüche und äußerer Herausforderungen stabil zu halten. Insbesondere die Zeit der Corona-Pandemie habe gezeigt, wie tragfähig der Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft sei. Der Mitgliederbestand habe gesteigert, das Vermögen ausgebaut und die Stellung im Gefüge der Stadtgesellschaft gesichert werden können.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Gleichzeitig machte Pergens deutlich, dass er seinen Rückzug nicht als vollständigen Abschied versteht. Vielmehr sprach er von einer „Staffelübergabe“, die einen Rollenwechsel markiere, ohne die Verbindung zur Bruderschaft zu lösen. Er kündigte an, weiterhin aktiv zu bleiben und insbesondere seinem Nachfolger beratend zur Seite zu stehen. Auch auf überörtlicher Ebene werde er Funktionen wahrnehmen, die ihn weiterhin mit Viersen und der Bruderschaft verbinden.

Mit Blick auf die Zukunft richtete er persönliche Worte an Lilienweiß. Er bezeichnete ihn als „richtigen Mann zur richtigen Zeit“ und erinnerte an die langjährige Zusammenarbeit, die bereits zahlreiche Projekte hervorgebracht habe. Der Wechsel an der Spitze sei daher nicht als Bruch, sondern als Fortsetzung einer gemeinsamen Entwicklung zu verstehen. „Ich habe weiterhin Funktionen auf überörtlicher Ebene, aus denen heraus ich natürlich auch Beberich und Viersen verbunden bin. Und ab August trage ich nochmals das Silber als Schützenkönig. Melanie und Ingo, Marc und Maja sowie Iris und ich nebst den anderen Majestäten aus der Schützenjugend freuen uns darauf, mit Euch zu feiern. Insofern ist das heute allenfalls ein Abschied aus dem Amt bzw. aus einer Rolle.
Ich freue mich dennoch über die Wertschätzung, die ich beeindruckt anehme und den schönen Effekt hat, Euch alle hier anzutreffen“, so Pergens.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

„Lieber Stefan, ich glaube, dass Du der richtige Mann zur richtigen Zeit bist. Als wir damals als Team gestartet sind – Du als mein Stellvertreter – da war unser erstes Projekt eine mobile Schießanlage. Jetzt wird Dein erstes Projekt der Start des neuen Festzeltes sein. Wir haben, wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, vieles gemeinsam bewegt. Und selbst, als Du eine Pause vom Amt brauchtest, hast mich Rat und Tat unterstützt.
Ich bin froh, dass Du den Mut und den Ansporn hast, jetzt Präsident zu sein. Ich sage Dir: Es ist viel Arbeit – das weißt Du – aber es ist ein schönes Amt. Und Du weißt: mit meiner Unterstützung und meiner Loyalität kannst du fest rechnen.
Dir und allen Mitgliedern des Vorstandes sowie Hans Lennertz, der aus der Rolle als Ehrenpräsident heraus für die kommende Zeit nochmals aktiv einsteigt, alles Gute und viel Erfolg! Ich bin ganz sicher: Das wird klappen!“

Dass diese Kontinuität gewollt ist, wurde auch am Abend im Vereinsheim deutlich. Dort versammelten sich Mitglieder und Gäste zu einem festlichen Ausklang, bei dem die Bedeutung des Tages in zahlreichen Redebeiträgen nochmals hervorgehoben wurde. Die Ernennung von Pergens zum Ehrenmitglied und Ehrenpräsidenten unterstrich die besondere Wertschätzung, die ihm innerhalb der Bruderschaft entgegengebracht wird.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Zugleich richtete sich der Blick nach vorn. Das Vertrauen in den neuen Präsidenten und den gesamten Vorstand wurde mehrfach betont. Lilienweiß, der die internen Strukturen seit Jahren kennt, steht für einen Übergang ohne Brüche. Seine Wahl gilt vielen als Garant dafür, dass die Bruderschaft ihren eingeschlagenen Kurs fortsetzen kann. Bei Musik, Gesprächen und gemeinsamer Feier setzte sich das fort, was die Bruderschaft über Jahrzehnte getragen hat: ein starkes Gemeinschaftsgefühl, das sich nicht allein in formalen Ämtern ausdrückt, sondern im gelebten Miteinander. (sk)