Ein Abend der leisen Töne und großen Klänge in St. Cornelius

Ein feiner Winterabend legte sich über Dülken, als sich die neugotische Kirche St. Cornelius gestern, am Vorabend des dritten Advents, mit erwartungsvollem Murmeln füllte. Warmes Licht schimmerte durch die hohen Fenster, der Duft von Tannengrün und Kerzen mischte sich mit der leisen Spannung eines besonderen Anlasses.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Leo Dillikrath

Viersen-Dülken – Mehr als 400 geladene Gäste hatten Platz genommen, draußen verfolgten zahlreiche Besucherinnen und Besucher das Geschehen auf einer Großleinwand vor der Kirche. Das traditionelle Adventskonzert der nordrhein-westfälischen Landesregierung hatte den historischen Stadtteil in einen festlichen Mittelpunkt verwandelt – live übertragen vom WDR im Fernsehen und im Hörfunk auf WDR 3.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Gastgeber des Abends waren Ministerpräsident Hendrik Wüst und WDR-Intendantin Dr. Katrin Vernau, die erstmals seit ihrer Ernennung in dieser Funktion zu dem Konzert eingeladen hatte. Beide begrüßten die Gäste in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche, deren Architektur dem musikalischen Geschehen einen würdigen Rahmen verlieh. Die Atmosphäre war von Ruhe und gleichzeitiger Erwartung geprägt, als die ersten Töne erklangen und der Alltag für einen Moment in den Hintergrund trat.

Musikalisch spannte das Programm einen weiten Bogen durch Epochen und Stilrichtungen der Weihnachtsmusik. Die Nordwestdeutsche Philharmonie aus Herford, geleitet von ihrem Chefdirigenten Jonathan Bloxham, eröffnete den Abend mit festlichem Klang und präziser Eleganz. Unterstützt wurde das Orchester vom WDR Rundfunkchor unter der Leitung von Simon Halsey, von den Knaben der Wuppertaler Kurrende, dirigiert von Lukas Baumann, sowie vom Chor der Pfarrei St. Cornelius und Peter. Gemeinsam entfalteten sie ein vielschichtiges Klangbild, das von großer Geschlossenheit und feinen Nuancen lebte.

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Zu den musikalischen Höhepunkten zählten bekannte Werke der klassischen Weihnachtsliteratur. Aus Georg Friedrich Händels „Messias“ erklang die Arie „Rejoice greatly, O daughter of Zion“, die mit leuchtender Klarheit und jubelnder Energie dargeboten wurde. Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium war mit dem machtvollen Eingangschor „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“ vertreten und erfüllte den Kirchenraum mit festlicher Pracht. Auch orchestrale Klassiker fanden ihren Platz: Peter Tschaikowskys „Nussknacker“ brachte mit dem Marsch und dem Tanz der Rohrflöten tänzerische Leichtigkeit und farbige Klangbilder in den Abend, während Leroy Andersons „Sleigh Ride“ ein augenzwinkerndes, beschwingtes Finale eines Programmbogens bildete.

Als Solistinnen des Abends standen zwei international renommierte Künstlerinnen im Mittelpunkt. Die Sopranistin Jeanine De Bique verlieh den Vokalwerken mit ihrer warmen, zugleich strahlenden Stimme besondere Ausdruckskraft. Ihre Interpretation verband technische Präzision mit emotionaler Tiefe. Trompeterin Tine Thing Helseth setzte glanzvolle Akzente, ihr klarer, silbriger Ton fügte sich mühelos in das orchestrale Gesamtbild ein und verlieh den festlichen Passagen besondere Leuchtkraft. An der Orgel war Giovanni Solinas zu hören, der nicht nur begleitete, sondern mit einer eindrucksvollen Improvisation über das Weihnachtslied „Adeste fideles“ einen besonderen Moment der Andacht schuf.

Zwischen den musikalischen Beiträgen trat Schauspieler Martin Brambach an das Pult. Mit ruhiger Präsenz und feinem Gespür für Sprache trug er weihnachtliche Texte vor, darunter Johannes Hildebrandts „Das Wichtigste an Weihnachten“, Auszüge aus Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ sowie Heinz Erhardts nachdenklich-humorvolle Erinnerungen „Weihnachten 1944, als ich keinen Urlaub bekam“. Die Texte setzten bewusste Kontrapunkte zur Musik, mal heiter, mal besinnlich, und gaben dem Abend zusätzliche Tiefe.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Durch das Programm führte die WDR-Moderatorin Susanne Wieseler, die mit zurückhaltender Moderation den roten Faden des Abends spannte. Ihre An- und Abmoderationen ordneten die einzelnen Programmpunkte ein, ohne den musikalischen Fluss zu unterbrechen. So entstand ein harmonisches Zusammenspiel aus Musik, Wort und Raum.

Ministerpräsident Hendrik Wüst nahm in seiner Ansprache Bezug auf die Bedeutung der Adventszeit als Moment des Innehaltens und der Gemeinschaft. Er erinnerte an ein ereignisreiches Jahr 2025, an politische Weichenstellungen, an die Kommunalwahlen und an die FISU World University Games in Nordrhein-Westfalen, die das Land international sichtbar gemacht hatten. Gleichzeitig betonte er die verbindende Kraft gemeinsamer Erlebnisse, wie sie ein solches Konzert ermögliche. Die Adventszeit, so klang es an, sei eine Einladung, Mitmenschlichkeit und Zuversicht neu zu entdecken.

Auch Dr. Katrin Vernau unterstrich die Rolle des WDR als kultureller Vermittler und als Brücke zwischen Bühne und Publikum. Die Live-Übertragung brachte das Konzert weit über die Mauern der Kirche hinaus in die Wohnzimmer des Landes. Wer keinen Platz im Inneren gefunden hatte, konnte das Geschehen draußen auf dem Dülkener Weihnachtstreff verfolgen, wo sich trotz der winterlichen Temperaturen zahlreiche Menschen versammelt hatten.

Als die letzten Töne verklungen waren, lag ein Moment gespannter Stille über dem Raum, bevor sich lang anhaltender Applaus erhob. Die Kombination aus großer musikalischer Qualität, literarischen Beiträgen und der besonderen Atmosphäre der Kirche hatte den Abend geprägt. Eine Wiederholung der Übertragung ist für den Heiligabend angesetzt: Am 24. Dezember wird das Konzert am Morgen im WDR Fernsehen ab 8:45 Uhr erneut ausgestrahlt und bietet damit die Möglichkeit, die festlichen Stunden aus St. Cornelius noch einmal zu erleben. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath