Ein Ausflug mit Panoramablick – Der Skywalk schwebt über dem Tagebau Garzweiler

Mittlerweile ist der Tagebau Garzweiler längst kein Geheimtipp mehr, wenn es um ein besonderes Ausflugsziel geht. Ob Picknicken am Rande des Braunkohlegebietes oder ein Stopp während einer Fahrradtour – hier treffen Befürworter und Gegner aufeinander, Fotografen eröffnen sich ungewöhnliche Motive und Liebende genießen den romantischen Blick auf die Sterne vor der emotional diskutierten Kulisse. 
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Garzweiler/Niederrhein Zwischen Bedburg, Grevenbroich, Jüchen, Erkelenz und Mönchengladbach erstreckt sich der Braunkohle-Tagebau Garzweiler, der 1983 aus dem Zusammenschluss der Abbaufelder Frimmersdorf-Süd und Frimmersdorf-West entstanden ist. Die Abbaugeschichte reicht bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück. Die Fläche teilt sich auf in zwei Abschnitte und betrifft heute ein rund 100 Quadratkilometer großes Gebiet im Bereich der ursprünglichen Trasse der Autobahn A44.

Geologen schätzen, dass Garzweiler II rund 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle aufweist, die sich in der Niederrheinischen Bucht aus großen Wäldern und Mooren entwickelt hat. Bis zu 100 m mächtige Braunkohleflöze befinden sich auf dem Gebiet, welches sich durch langanhaltende Senkungsbewegungen in den letzten 30 Millionen Jahren auszeichnet. Von dem Abbau sind zwölf Dörfer betroffen, die dem Tagebau zum Opfer fielen, rund 7.600 Menschen mussten eine neue Heimat finden. Durch die Absenkung des Grundwassers kommt es zudem zu einer Schädigung der Feuchtgebiete, durch die Sümpfungsmaßnahmen sind weit über den Tagebau hinaus auch die Bruchwälder im Naturpark Maas-Schwalm-Nette bedroht. Um die Folgen zu mildern, wird mit großem Aufwand Ersatzwasser mit Hilfe von Rohrleitungen und Sickergräben in dieses Gebiet gepumpt.

Geologen schätzen, dass Garzweiler II rund 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle aufweist, die sich in der Niederrheinischen Bucht aus großen Wäldern und Mooren entwickelt hat. Foto: Rheinischer Spiegel

Aktuelle Planungen umfassen die Nachfolgelandschaft ab dem Jahr 2100, so soll das entstandene Loch im westlichen Teil des Tagebaus zu einem See umgestaltet werden. Bereits ab 2030 sollen über 70 Jahre hinweg in jedem Jahr rund 60 Millionen m³ Wasser aus dem Rhein in das Gelände geleitet werden. Mit einer Fläche von bis zu 190 m Tiefe und 23 Quadratkilometern wird das Wasservolumen bundesweit nur vom Starnberger See und dem Bodensee übertroffen werden. In die Diskussionen ist zudem der Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes oder der Bau eine Großflughafens auf dem wieder verfüllten östlichen Abbaugebiet eingeflossen.

Mittlerweile ist der Tagebau Garzweiler längst kein Geheimtipp mehr, wenn es um ein besonderes Ausflugsziel geht. Ob Picknicken am Rande des Braunkohlegebietes oder ein Stopp während einer Fahrradtour – hier treffen Befürworter und Gegner aufeinander, Fotografen finden besondere Motive und Liebende genießen den romantischen Blick auf die Sterne.
Hierzu bietet sich der Aussichtspunkt Jackerath in der Nähe der Autobahnanschlussstelle Jackerath an, der mit dem Skywalk am südlichen Ende des Tagebaus einen Panoramablick in das Abbaugebiet zulässt. Auf dieser Fläche befindet sich der Verteilfächer, ein Materialumschlagplatz für das abgebaggerte Erdreich. Zudem verlässt an diesem Sammelpunkt die abgebaggerte Kohle den Tagebau auf Fließbändern zu den Kraftwerken. Ein weiterer Aussichtspunkt wurde in Hochneukirch am nördlichen Ende des Braunkohlegebietes nahe der Autobahnanschlussstelle Mönchengladbach-Wanlo geschaffen. (nb)

Mittlerweile ist der Tagebau Garzweiler längst kein Geheimtipp mehr, wenn es um ein besonderes Ausflugsziel geht. Foto: Rheinischer Spiegel