Ein stiller Fluss zwischen Wiesen und Kultur: Ein Spaziergang durch die Niersniederung

Am zweiten Weihnachtsfeiertag haben wir euch eingeladen die Süchtelner Höhen zu durchwandern. Wie wäre es heute mit einem weiteren winterlichen Spaziergang, der damit lockt den Blick für die stille Schönheit der heimischen Landschaft zu schärfen.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Wer heute frische Luft sucht, kann entlang der Niers wandern und sich von der Ruhe eines typischen Flachlandflusses einfangen lassen. Die Niers schlängelt sich schließlich durch eine weitläufige Niederung, die von Wiesen, Feldern und historischen Spuren menschlicher Nutzung geprägt ist. Das Landschaftsschutzgebiet Niersniederung schützt diese einzigartige Kulturlandschaft und macht sie für Naturliebhaber und Radfahrer gleichermaßen zugänglich. Zahlreiche gut ausgeschilderte Wege führen durch das Gebiet und laden zu erholsamen Runden ein – allerdings immer unter Beachtung der Regeln, die Pflanzen, Tieren und dem Weg selbst zugutekommen.

Die Quelle der Niers liegt in Kuckum, einem Stadtteil von Erkelenz, und von dort setzt sich der Fluss auf einer sanften Reise durch das westliche Nordrhein-Westfalen fort. Unterwegs passiert er Mönchengladbach, Korschenbroich, Willich, Viersen, Straelen, Geldern, Kevelaer und Goch, bevor er weiter in die Niederlande fließt. Auch Gemeinden wie Grefrath, Wachtendonk und Weeze gehören zum Einzugsgebiet, ebenso Nettetal, Kempen, Kerken, Rheurdt, Issum und Uedem.

Das Höhenprofil des Einzugsgebiets zeigt das behutsame Gefälle des Flachlandflusses: Von 117 Metern über Normalnull bei Jackerath sinkt es bis zur Quelle bei 73 Metern und weiter auf 23 Meter bei Geldern sowie 10 Meter an der Landesgrenze. Die Niers gleitet somit in gemächlichen zwei Kilometern pro Stunde dahin – ein Vergleich zum Rhein, dessen Gefälle bis zu 200 Zentimeter pro Kilometer beträgt und der mit vier bis fünf Kilometern pro Stunde deutlich schneller fließt, verdeutlicht die Besonderheit der Niers.

Historisch gesehen ist das heutige Nierstal kein reines Werk des Flusses selbst. Entstanden ist die Landschaft durch den Rhein, dessen Gletscher der vorletzten Eiszeit das Gebiet nach Norden hin prägten und die ursprüngliche Flussführung verschoben. Das breite Urstromtal des Rheins formte Terrassenkanten, die noch heute als markante Abstufungen entlang der Niersaue sichtbar sind. Diese geologischen Spuren verbinden die sanft geschwungene Flusslandschaft mit der Geschichte der Region und machen jeden Spaziergang zu einer kleinen Reise durch Zeit und Natur.

Die Niersniederung im Winter zeigt sich besonders malerisch: Zwischen den offenen Wiesen glitzern noch vereinzelt Eiseste, während das Wasser des Flusses ruhig dahinzieht. Spaziergänger und Radfahrer genießen die klare Luft, das leise Rauschen der Strömung und die weiten Ausblicke über Felder, die im Sommer von grünen Weiden und blühenden Wiesen geprägt sind. Historische Gebäude wie alte Bauernhöfe oder das nahegelegene Schloss Neersen fügen sich harmonisch in die Natur ein und geben Einblicke in die lange menschliche Nutzung der Landschaft.

Wer die ruhigen Tage zwischen den Jahren nutzen möchte, findet in der Niersniederung einen Ort der Entschleunigung. Die Kombination aus sanft fließendem Wasser, weitläufigen Wiesen, kultivierter Landschaft und historischen Spuren macht das Gebiet zu einem versteckten Schatz für Naturliebhaber, Radfahrer und Spaziergänger gleichermaßen. Hier kann man die winterliche Stille spüren, dem Wasser des Flachlandflusses zuschauen und die geologischen Geheimnisse des Urstromtals erkennen – eine kleine Flucht aus dem Alltag. (cs)

Niers Viersen Niederrhein
Foto: Rheinischer Spiegel

Oder wäre es mit einer Radtour? Der Kreis Viersen hat hierzu eine richtig schöne Tour ausgearbeitet:

Mit dem Fahrrad in die „Viersener Berge“

Die 38 Kilometer lange Radroute führt von Grefrath in die Süchtelner Höhen. Am Parkplatz Deversdonk startet die Tour Richtung Süden zum Knotenpunkt (KP) 55 im Ortszentrum von Grefrath. Es geht auf einer ehemaligen Bahntrasse leicht bergauf über den KP 63 zum KP 87 in Nettetal-Lobberich. Auf dem Weg zum KP 13 passiert die Route die katholische Pfarrkirche St. Sebastian aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurde im neuromanischen Stil erbaut und beeindruckt mit Ihren 63 Meter hohen Türmen.

Die Radelnden fahren entlang des Sees Nettebruch im Naturerlebnisgebiet Windmühlenbruch / Nettebruch und erreichen den KP 67 in Dyck. Auf dem Weg zum KP 18 führt die Tour vorbei an der katholischen Pfarrkirche St. Maria Hilfe der Christen in Viersen-Dornbusch. Weiter geht es Richtung Osten zum KP 96. Auf größtenteils unbefestigten Wegen erklimmen die Radfahrenden die Süchtelner Höhen im gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet. Mit einer Höhe von rund 90 Metern sind diese die höchste Erhebung im Kreis Viersen. Als schnell erreichbarer Grünzug sind sie ein idealer Ort für einen Ausflug die Natur.

Nach dieser Höhenetappe geht es bergab zum KP 96 in Viersen-Süchteln. Hinter dem KP 35 durchqueren die Radelnden das Naturschutzgebiet Fritzbruch und erreichen KP 7. Es geht auf zum Teil unbefestigten Wegen durch das Landschaftsschutzgebiet Niersniederung zum KP 58 an der Niers. Die Route führt zum KP 34 an der Ruine der Burg Uda in Grefrath-Oedt. Die ehemalige Burganlage wurde erstmals im Jahr 1313 urkundlich erwähnt. Heute ist nur noch der Rundturm erhalten.

Die Radelnden fahren durch die Ortsmitte vorbei an der katholischen Kirche St. Vitus über den KP 33 hinweg und erreichen KP 4 in Kempen. Sie passieren Haus Steinfunder – ein ehemaliger Rittersitz aus dem Jahr 1360 – und erreichen KP 5 in Grefrath. Es geht entlang des Landschaftsschutzgebietes Schleck durch Felder Richtung Norden. Die Route führt durch das Naturschutzgebiet Grasheide und Mülhausener Benden und vorbei an der Langendonker Mühle über die Niers. Die ehemalige Korn- und Ölmühle stammt aus dem 14. Jahrhundert. Im Jahr 1930 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt.

Im weiteren Verlauf führt die Route zum KP 82 am Eissportzentrum in Grefrath. Hier lohnt sich der Besuch des Niederrheinischen Freilichtmuseums, wo das Leben und Arbeiten am Niederrhein in vortechnisierter Zeit anschaulich dargestellt wird. Das Herzstück ist die Dorenburg, ein Wasserschloss, dessen Geschichte bis ins Jahr 1326 zurückgeht. Hier werden wechselnde Ausstellungen angeboten. Informationen finden Interessierte unter https://www.kreis-viersen.de/themen/freizeit/niederrheinisches-freilichtmuseum

Die Tour verläuft weiter Richtung Süden ehe nach 38 Kilometern der Ausgangspunkt am Parkplatz Deversdonk erreicht wird. Dort angekommen, laden Cafés und Eisdielen im Ortszentrum von Grefrath zum Verweilen ein.

Parkplatz Deversdonk – 55 – 63 – 87 – 13 – 67 – 18 – 96 – 35 – 7 – 58 – 34 – 33 – 4 – 5 – 82 – Richtung 55 – Parkplatz Deversdonk (opm)