Brüggen: Erich Lehnen – Bäckermeister mit Herz

Gerade einmal 20 Jahre jung war Erich Lehnen, als er seinen Meister im Bäckerhandwerk machte. Das ist jetzt fünf Jahrzehnte her. Nun freute sich der engagierte Handwerker aus Brüggen-Bracht über den Goldenen Meisterbrief.

Brüggen-Bracht – Vor ein paar Jahren ist Erich Lehnen mit der Ehrennadel des Deutschen Rotes Kreuzes ausgezeichnet worden – als Dankeschön dafür, dass er immer „Herzbrote“ als Anerkennung für die Blutspender backt. Das DRK nahm eine runde Zahl zum Anlass für die Ehrung: Damals hatte der Bäckermeister mit Herz bereits 30.000 Brote spendiert. Und seither sind noch etliche hinzugekommen.

Die Geschichte unterstreicht Lehnens Liebe zu seinem Handwerk und zu seiner Heimat. Er ist geboren und aufgewachsen in Brüggen-Bracht und betreibt seit Jahrzehnten mit seiner Frau Maria die Bäckerei an der Straße Hülst mit einer Filiale in Born und einem Café in der Brachter Mühle, wo er als Ehren-Standesbeamter Paare verheiratet. Lehnen ist Vorsitzender des Mühlenvereins, und so passte es gut, dass er seinen Goldenen Meisterbrief im Schatten der Mühle entgegennahm. Obermeister Rudolf Weißert von der Niederrheinischen Bäcker-Innung und Geschäftsführer Marc Goxers von der Kreishandwerkerschaft Niederrhein überreichten die Auszeichnung.

Vor gut fünf Jahrzehnten machte Erich Lehnen mit 20 Jahren seinen Meister im Bäckerhandwerk. „Ich wollte nie etwas anderes werden“, sagt der heute 71-Jährige. Als kleiner Junge wartete er auf den Brotwagen, mit dem Bäcker Johannes Missing seine Kunden belieferte. „Dann durfte ich bis ans Ende der Straße mitfahren und bekam ein Teilchen“, erinnert er sich. Schon mit acht Jahren begleitete er den Bäcker auf dessen Touren und half beim mobilen Verkauf.

Bei Missing absolvierte Erich Lehnen dann ab 1968 auch seine dreijährige Ausbildung, und von seinem Lehrherrn übernahm er 1981 mit seiner Frau Maria den Betrieb. Dazwischen lagen einige Jahre in Korschenbroich sowie in Neuss, wo die Eheleute ihr erstes Geschäft eröffneten. Heute beschäftigen sie 17 Mitarbeitende, darunter vier in der Produktion, und haben sieben Tage in der Woche geöffnet. Auch aus den umliegenden Orten kommen die Kunden, weil es bei Lehnen immer frische Brötchen, duftendes Brot, leckere Teilchen und köstliche Kuchen gibt. Im Verkauf ist Maria Lehnen nach wie vor die gute Seele der Bäckerei – wie seit dem allerersten Tag.

Zu Beginn seiner Selbstständigkeit backte Erich Lehnen wochentags gerade mal drei Brotsorten: Graubrot, Weißbrot und Oberländer. Am Wochenende gab es außerdem Rosinenbrot und Stuten. Heute sind es rund 15 Brote, die in seiner Bäckerei täglich produziert werden, darunter das von ihm vor einigen Jahren kreierte „Hülster Landbrot“, ein dunkles Körnerbrot. 2023 verlieh ihm der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks den Bundesehrenpreis, weil Lehnen über Jahre konstant hervorragende Ergebnisse bei Brotprüfungen erzielt hatte.

Offiziell ist Erich Lehnen bereits seit einigen Jahren im Ruhestand. In die Backstube geht er nur noch in der Weihnachtszeit, wenn Stollen produziert wird. Als „Rentner“ kümmert sich der Bäckermeister um die Büroarbeiten für den Betrieb und liefert sonntags Waren aus. „Ich genieße es, dass ich morgens aufstehen kann, wann ich will“, lacht er. Dennoch ist er zwischen 6 und 8 Uhr auf den Beinen.

Langeweile kennt Erich Lehnen nicht. Er engagiert sich im Brüggener Gemeinderat, ist stellvertretender Bürgermeister und seit Jahrzehnten in der Bäcker-Innung aktiv, früher als Obermeister im Kreis Viersen, heute als stellvertretender Obermeister im Verbund mit Krefeld und Neuss. Und er liest viel, bevorzugt Biografien von Unternehmerfamilien. Derzeit ist er dabei, die Geschichte seiner eigenen Selbstständigkeit zu schreiben. Außerdem möchte er mit dem Rad auf dem Jakobsweg fahren. Mit seiner Frau hat Erich Lehnen bereits einige Schiff-Kreuzfahrten unternommen, wobei Reisen durchaus eine Herausforderung für ihn darstellen: „Normalerweise bekomme ich nach drei Tagen Heimweh“, sagt der Bäckermeister. (opm)

Den Goldenen Meisterbrief nahm Erich Lehnen (2. v. r.) mit seiner Frau Maria von Obermeister Rudolf Weißert (l.) und Marc Goxers (Kreishandwerkerschaft) entgegen. Foto: Kreishandwerkerschaft