Frankfurter Buchmesse 2022: Starke Impulse für die Branche und gesellschaftliche Veränderungen

Die 74. Frankfurter Buchmesse erwies sich erneut als wichtigster internationaler Treffpunkt der Buch- und Medienbranche.

Frankfurt – Mit 93.000 Fachbesucher*innen (2021: 36.000 Fachbesucher*innen) und 87.000 Privatbesucher*innen (2021: 37.500 Privatbesucher*innen) war die Frankfurter Buchmesse stark frequentiert. Über 4.000 Aussteller aus 95 Ländern präsentierten sich in den Hallen, im Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) und an den neuen Workstations. Rund 6.400 Medienvertreter*innen berichteten über die Veranstaltung. Das Literary Agents & Scouts Centre (LitAg), das Herz der Fachmesse, war mit mehr als 450 Arbeitsplätzen und rund 300 Agenturen überbucht.

Gleichzeitig zeigte sich die Messe so politisch wie nie, was sich vor allem in ihrem mit Partnern kuratierten Veranstaltungsprogramm widerspiegelte. Im Frankfurt Pavilion diskutierten Politiker*innen, Kulturschaffende, Autor*innen und Übersetzer*innen engagiert über die Protestbewegung im Iran, über die Situation der Menschen in der Ukraine, über Spaltungstendenzen in der Gesellschaft und über russische Opposition. Mit dem Motto „Translate. Transfer. Transform.“ stellte die diesjährige Buchmesse die Arbeit von Übersetzer*innen in den Mittelpunkt. Rund 1.500 Besucher*innen kamen zum Bühnenprogramm des Internationalen Zentrums für Übersetzung, um dort an einer der fast 30 Veranstaltungen teilzunehmen.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, sagte: „Inmitten einer bedrückenden weltpolitischen Lage sendete diese Messe wichtige Signale: Das persönliche Gespräch ist in Zeiten aufgeheizter Debatten ein Gegenmittel zu Polarisierung. Es zeigt sich, wie wichtig die Frankfurter Buchmesse als Treffpunkt der internationalen Publishing-Community ist: Hier werden an wenigen Tagen wertvolle Beziehungen gepflegt und geknüpft. Wir ziehen eine positive Bilanz und freuen uns über fünf erfolgreiche Messetage.“

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte: „Die Frankfurter Buchmesse war ein großes Fest der Buchbegeisterung und der Demokratie. In vollen Messegängen und bei lebendigen Debatten spürte man deutlich die Kraft von Büchern, die Freude des Wiedersehens und den Willen zur konstruktiven Auseinandersetzung mit den Themen der Zeit. Drängende Fragen der Gegenwart standen auf der Tagesordnung – von der Situation in der Ukraine und im Iran bis hin zu Themen wie Diversität und dem Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Die Frankfurter Buchmesse gab so wichtige Anstöße angesichts der aktuellen Herausforderungen in Branche, Gesellschaft und Weltpolitik. Damit konnte die Frankfurter Buchmesse ihre Bedeutung als wichtigster Handelsplatz für Bücher sowie als Ort der Vielfalt und des friedlichen Austauschs unterstreichen.“

Ehrengast Spanien mit vielfältigen literarischen Stimmen

Unter dem Motto „Sprühende Kreativität“ präsentierte sich der Ehrengast Spanien mit sprachlicher und kreativer Vielfalt. Insgesamt sind seit Projektbeginn im Jahr 2019 rund 400 neue Bücher in deutscher Sprache sowie zahlreiche Titel in anderen europäischen Sprachen erschienen. Spanien hat auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit zahlreichen Veranstaltungen auf der Messe und vielen weiteren über das Messegelände hinaus gezeigt, wie greifbar die Theorie der spanischen Schriftstellerin Carmen Martín Gaite ist: Geschichten sind wie Kirschen – wenn du an einer ziehst, bekommst du eine weitere dazu. Weltstars wie Rosa Montero, Arturo Pérez-Reverte und Fernando Aramburu waren in Frankfurt zu Gast. Auch der Ehrengast Spanien zieht eine positive Bilanz: „Wir haben die große spanische Literatur geehrt und neuen vielversprechenden Stimmen eine Bühne geboten. Wir hoffen, dass die in und um Frankfurt neu geknüpften und vertieften Verbindungen zu Lesenden, Verlagen und Buchfreunden aus aller Welt noch lange Bestand haben.“, so Maria José Gálvez.

Lebhafter Rechtehandel und umfassendes Fachprogramm

Die im Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) vertretene Agenturen waren mit ihren Geschäften sehr zufrieden: „Es war großartig, auf eine pulsierende Messe zurückzukommen. Das LitAg war voll, man spürte die positive Energie und es fanden zahlreiche Vertragsabschlüsse statt“, fasste Literaturagentin Maria Cardona Serra von Aevitas Creative Management (UK/USA) zusammen.
An drei Fachbesuchertagen bot die Frankfurter Buchmesse ein umfassendes Programm. Internationale Branchengrößen wie Peter Warwick, President and CEO, Scholastic; Charlie Redmayne, CEO HarperCollins UK; Markus Dohle, CEO Penguin Random House, Jesús Badenes del Río, CEO Planeta, Jonny Geller, CEO Curtis Brown, und Núria Cabutí, CEO, Penguin Random House Grupo Editorial sowie Vertreter*innen von Plattformen wie TikTok, Spotify und Wattpad Webtoon kamen zu Wort. 1.700 Teilnehmer*innen nahmen am zweitägigen Publishing Perspectives Forum teil.

Erstmalig präsentierte sich die #BookTok-Community auf der Frankfurter Buchmesse. Tobias Henning, General Manager von TikTok Deutschland und Mittelosteuropa sagte: „Es dreht sich alles um den Inhalt. Er muss eine Geschichte erzählen.” Da die Zahl der weltweiten #BookTok-Videoaufrufe zuletzt 84 Milliarden erreicht hat, hätte die Diskussion nicht aktueller sein können.
Flankiert wurden die Fachbesuchertage von einem digitalen Fachprogramm – über Masterclasses und das Networking Format The Hof hatten Branchenteilnehmer*innen die Möglichkeit, ihre Netzwerke virtuell zu pflegen und zu erweitern.

Ein Awareness-Team, bestehend aus Mitarbeitenden des Bundes für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit e.V. (BDB), war während der gesamten Buchmesse auf dem Messegelände unterwegs. So konnten Buchmesse-Besucher*innen, die sich diskriminiert fühlten, das Awareness-Team vor Ort ansprechen oder sich telefonisch oder per E-Mail melden.

„Es ist erfreulich, dass das Thema Anti-Diskriminierung innerhalb der Frankfurter Buchmesse seinen Platz in Form des Awareness Teams gefunden hat. Wir finden es gut, dass die Buchmesse das Thema ernst nimmt und diesem auf der Veranstaltung Raum gibt. Der Awareness Team Stand hat großen Anklang gefunden, nicht nur bei Ratsuchenden, die konkrete Situationen an uns herangetragen haben, sondern auch bei interessierten Menschen, die sich über unsere Arbeit und über das Thema Diskriminierung im Allgemeinen informieren wollten. Nun hoffen wir als BDB e. V. auf eine Fortsetzung dieses Prozesses sowie auf die weitere konstruktive Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse“, so die Mitarbeiter*innen des Awareness-Teams. (opm)

Foto: Rheinischer Spiegel