Nach einem Fest ohne König im letzten Zyklus kehrte am vergangenen Sonntag endlich die alte Pracht zurück: Die St. Remigius-Bruderschaft 1663 e.V. konnte beim traditionellen Vogelschuss ein neues, weibliches Königshaus verkünden.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming
Viersen-Unterbeberich – Besonders bemerkenswert war in diesem Jahr die rege Beteiligung am Vogelschuss: Gleich elf Anwärterinnen und Anwärter traten an – ein deutliches Zeichen dafür, dass das Interesse an der Bruderschaft und ihren Traditionen ungebrochen ist. Darunter befanden sich drei Frauen, was den fortschreitenden Wandel innerhalb der Schützengemeinschaft eindrucksvoll unterstreicht. Schon nach wenigen Runden gaben vier Anwärter das Gewehr wieder ab … der Wettstreit blieb spannend und fair. Inmitten von Jubel und Applaus fiel nach dem 252. Schuss das letzte Holzsplitterchen des hölzernen Adlers. Es war geschafft: Die neue Schützenkönigin heißt Julia Horvat – eine Frau mit Zielgenauigkeit, Herz und Heimatverbundenheit.

Julia Horvat stammt aus der Gruppe „Die Schwarzen Dragoner“, die sich 2012 gründete und längst aus dem Unterbebericher Festbild nicht mehr wegzudenken ist. Mit ihrer Treffsicherheit bewies sie, dass Tradition und Wandel einander nicht ausschließen: Horvat ist die zweite Frau überhaupt, die sich in der über 350-jährigen Geschichte der Bruderschaft die Königswürde sicherte.

Begleitet wird sie von ihren Ministerinnen Nadine Dörenkamp und Carolin Weenen – ein rein weibliches Königshaus, das nicht nur für frischen Wind, sondern auch für große Begeisterung sorgte. „Wir feiern nicht nur Geschichte, wir schreiben sie neu“, sagte ein Zuschauer sichtlich bewegt am Rande des Festplatzes. Dass der diesjährige Vogelschuss überhaupt mit einem Königshaus endete, ist keineswegs selbstverständlich: Beim letzten Schützenfest hatte sich keine Majestät finden lassen. Umso größer war in diesem Jahr die Freude über den Erfolg – und das Wiederaufleben einer Tradition, die in Unterbeberich tief verwurzelt ist.

Denn die St. Remigius-Bruderschaft ist weit mehr als ein Festverein. Ihr Ursprung reicht zurück bis in die frühen Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts, als die Menschen in Beberich noch zur St. Matthias-Bruderschaft gehörten. Die Abspaltung – historisch motiviert durch die Trennung der Honschaftsseiten in „Kirch-“ und „Lakseite“ – führte zur eigenständigen Entwicklung der heutigen St. Remigius-Bruderschaft. Seit 1744 gibt es dokumentierte Hinweise auf Schützenaktivitäten im Ortsteil – ein lebendiges Erbe, das mit jedem Fest fortgeschrieben wird.
Die Bruderschaft wird sich nun zwei Jahre Zeit nehmen um das nächste große Fest vorzubereiten. Doch eins ist sicher: Mit Königin Julia, Ministerin Nadine und Ministerin Carolin weht ein frischer, mutiger Wind durch die Reihen – getragen von Respekt vor der Geschichte und dem Mut zur Zukunft. Ein Hoch auf die Königin! (nb)




