Zahlreiche engagierte Hände aus allen Stadtteilen haben gestern gemeinsam den Frühjahrsputz „Viersen putz(t)munter“ getragen und der Stadt ein sichtbar aufgeräumtes Gesicht verliehen.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen und Martin Häming
Viersen – Was sich in den Straßen, Grünzügen und an Wegrändern abspielte, war weniger eine symbolische Geste als vielmehr ein sichtbares Aufräumen im großen Maßstab: Überall im Stadtgebiet türmten sich am Ende der Aktion blaue Müllsäcke, gefüllt mit dem, was achtlos entsorgt worden war. „Wenn man sieht, was hier alles einfach weggeworfen wird, macht einen das schon wütend. Aber gleichzeitig ist es schön zu erleben, wie viele heute zusammen anpacken“, so Horst W. an der Dülkener Langestraße.

Die Bilanz der Organisatoren fällt entsprechend deutlich aus. Insgesamt 681 Menschen hatten sich im Vorfeld angemeldet, darunter 314 Kinder und 367 Erwachsene. In 46 Gruppen, verteilt über sämtliche Stadtteile, machten sie sich auf den Weg, ausgerüstet mit Handschuhen, Säcken und nicht selten mit Bollerwagen. Die Beteiligung knüpft damit an die steigenden Zahlen der vergangenen Jahre an und bestätigt den Trend zu wachsendem bürgerschaftlichen Engagement, auch wenn die Rekordanmeldungen vom vergangenen Jahr nicht erreicht wurden. Unter den Helfenden befand sich auch Bürgermeister Christoph Hopp, der sich nicht nur symbolisch zeigte, sondern aktiv mit anpackte. Wie viele andere Teilnehmende arbeitete er sich entlang von Straßenrändern und in Grünflächen vor, sammelte Unrat ein und sprach mit Bürgerinnen und Bürgern über deren Eindrücke.
Das Spektrum der Funde spiegelte die ganze Bandbreite achtlos entsorgter Gegenstände wider. Neben zahllosen Zigarettenkippen und Verpackungsresten stießen die Gruppen auch auf größere und problematischere Abfälle. Autoreifen, Bettdecken und elektronische Einwegprodukte wie Vapes fanden sich ebenso in den Säcken wie vereinzelt sogar Spritzen. Umso ernüchternder ist es, dass viele offenbar weiterhin achtlos mit ihrer eigenen Umgebung umgehen, unterstrich eine ältere Dame „Ehrlich gesagt erschreckt es mich, was wir alles gefunden haben – von Kleinkram bis zu richtig großen Sachen. Das gehört einfach nicht in die Natur.“
Ein Beispiel für das Engagement vor Ort bot die Gruppe der Viersener Grünen, die sich am Hüsgesweg versammelte. Mit Bollerwagen ausgerüstet, durchkämmten die Teilnehmenden systematisch das Gebiet und sammelten alles ein, was nicht in die Landschaft gehört. Solche lokalen Initiativen prägten das Bild des Tages: Nachbarschaften, Familien, Vereine – wie beispielsweise der Verein Sonnenschein e. V. – und Schulklassen arbeiteten Seite an Seite, oft generationenübergreifend. „Man läuft hier sonst jeden Tag vorbei und achtet gar nicht darauf. Heute merkt man erst, wie viel eigentlich herumliegt,“ sagte Anja Schmitz im Casinogarten. Auch die Heimer Perlen der St. Mathias Schützenbruderschaft Heimer-Helenabrunn waren zwischen Inthronisierung und Jahreshauptversammlung aktiv und haben dabei direkt noch die Ortseingangsschilder gesäubert.

Getragen wurde die Initiative von einem Team aus Stadtteilbüros, dem Bürgerverein Boisheim und dem Ordnungsamt. Dort hatte man mit Blick auf die kontinuierlich steigenden Teilnehmerzahlen frühzeitig auf ausreichende Ausstattung gesetzt. Müllsäcke und Handschuhe wurden ebenso bereitgestellt wie kleine Verpflegungspakete, die den Einsatz der Helfer begleiteten. Zusätzliche Unterstützung kam in diesem Jahr von der Matthias-Schmitz-Stiftung aus Dülken, deren Spende es ermöglichte die Verpflegungsbeutel um kleine Zugaben zu ergänzen.
Die Vielzahl an eingesammeltem Müll machte zugleich deutlich, dass die Pflege eines sauberen Stadtbildes nicht allein durch kommunale Dienstleistungen gewährleistet werden kann. Zwar obliegt der Stadtverwaltung die Organisation der Müllentsorgung, die Reinigung öffentlicher Flächen und die Kontrolle von Ordnungsverstößen. Doch das tatsächliche Erscheinungsbild einer Stadt entsteht im Alltag – durch das Verhalten ihrer Bewohner ebenso wie durch deren Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Aktionen wie „Viersen putz(t)munter“ verdeutlichen, dass Sauberkeit im öffentlichen Raum eine Gemeinschaftsaufgabe ist, die nur im Zusammenwirken von Verwaltung und Bürgerschaft nachhaltig gelingen kann. „Ich habe meine Kinder extra mitgebracht, damit sie sehen, dass man Verantwortung für seine Stadt übernehmen muss – und dass Müll eben nicht von allein verschwindet“, ergänzte eine junge Mutter, die mit einer Greifzange unterwegs war.

Die Bilder dieses Tages – Kinder mit Handschuhen, die achtlos weggeworfene Verpackungen aufheben, Erwachsene, die gemeinsam größere Fundstücke bergen, und am Ende Reihen gefüllter Müllsäcke entlang der Straßen – stehen sinnbildlich für ein Engagement, das über den einzelnen Aktionstag hinausweist. Danke! (dt)




