In Ghana erfahren: „Handwerk macht Spaß“ – Tischler freigesprochen

20 Tischlerinnen und Tischler haben jetzt in Handwerksbetrieben im Kreis Viersen ihre Ausbildung abgeschlossen. Ihre Lossprechung feierten sie mit der Tischler-Innung im Berufskolleg Viersen.

Viersen-Dülken – Lukas Staßen hat eine große Leidenschaft: Er sitzt in fast jeder freien Minute auf seinem Mountainbike und nimmt mit ein paar Freunden auch an einer deutschlandweit ausgetragenen Rennserie teil. Und er ist Tischler. Bei seinem Gesellenstück brachte er beides zusammen – und baute eine „Bike Base“ für sein Fahrrad und das Zubehör.

An der rechten Außenseite seines aus Eiche gefertigten Möbels kann der 22-Jährige sein blau-schwarzes Mountainbike senkrecht aufstellen. Innen gibt es ein Fach für den Helm, eine Kleiderstange für Trikots sowie einen großen Schubkasten. „Mich hat es immer schon begeistert zu basteln und etwas aus Holz zu machen“, erzählt Lukas Staßen. Nach einem Schulpraktikum in einer Schreinerei stand für ihn fest: „Ich werde Tischler.“ Seine Ausbildung absolvierte er in der Tischlerei von Fabian Kaluza in Schwalmtal – und schloss sie als Jahresbester im Kreis Viersen ab. Was ihn an seinem Beruf begeistert: „Ich mache jeden Tag etwas anderes und ich sehe am Ende, was ich geschafft habe. Das ist sehr befriedigend.“

Das bestätigt Denise Schmitz, die bei der Tischlerei Anton Thelen in Nettetal ihren Beruf erlernte. Die ebenfalls 22-Jährige kam über Umwege ins Handwerk: Sie schloss zunächst eine Ausbildung zur Verwaltungswirtin ab und studierte für kurze Zeit Umweltingenieurwesen. In Ghana leistete sie zwei Monate lang Freiwilligenarbeit an einer Schule. „Die Schulbänke waren alt und kaputt, die haben wir alle repariert“, erzählt Denise. Dabei merkte sie: „Handwerk macht Spaß.“

Vor einigen Jahren schenkte ihr Vater ihr einen Plattenspieler zu Weihnachten. „Ich sammele Schallplatten, gerne aus den 80-Jahren“, sagt sie. Für einige Schätze aus ihrer Vinylsammlung und das Abspielgerät tischlerte sie ein Phonomöbel aus Eiche mit Türen in einem sanften Grünton, dessen Gestaltung den 50er-Jahren nachempfunden ist. Mit diesem Gesellinnenstück gewann sie den Wettbewerb „Die gute Form“, bei dem eine Jury die Arbeiten vor allem nach dem Design beurteilte. „Holzauswahl, Beschläge und konstruktive Notwendigkeiten spielen hier wie ein gutes Orchester einstimmig miteinander“, sagte die Sprecherin der Jury, Innenarchitektin Mechthild Sötje.

Zuvor hatte ihr Ehemann, Obermeister Uwe Sötje, die 20 jungen Tischlerinnen und Tischler offiziell in den Gesellenstand erhoben. „Ihr seid die Stars des heutigen Tages“ rief Sötje. Vor drei Jahren seien sie zum „Marathon Ausbildung“ gestartet – und nun am Ziel. „Die letzten Kilometer sind die schwersten im Marathon“, fügte der Obermeister hinzu. Aber jetzt hätten sie es geschafft.

Der gerade in den Ruhestand getretene bisherige Leiter des Berufskollegs Viersen, Karl-Heinz Greverath, gratulierte den neuen Fachkräften. „Mit der Lossprechung untermauert das Tischlerhandwerk seine Bereitschaft auszubilden, und das auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, sagte er. Der Tischlerberuf befriedige Grundbedürfnisse der Gesellschaft. „Sie haben gelernt, Fenster, Türen und Möbelstücke zu fertigen“, so Greverath, der die Gesellinnen und Gesellen ermunterte, neugierig zu bleiben.

Beim Wettbewerb „Die gute Form“ belegte Tom-Stanley Grusen aus Viersen (Ausbildungsbetrieb: Andreas Messing e. K.) den zweiten Platz. Den dritten Platz teilten sich Alexander Butz aus Tönisvorst (Fa. Felix Treu, Viersen) und Benedikt Schmitz aus Mönchengladbach (Meistermöbel Siegers, Schwalmtal). Der Jahresbeste Lukas Staßen freute sich über einen Gutschein der Sparkasse Krefeld in Höhe von 150 Euro und eine Bohrmaschine der Tischler-Innung. (opm)

Nachwuchs für die Tischlereien im Kreis Viersen: Obermeister Uwe Sötje (r.) sprach die jungen Gesellinnen und Gesellen los. Foto: Kreishandwerkerschaft