Wer an diesem Mittwochnachmittag das Dülkener Bürgerhaus betrat, wurde unmittelbar vom Stimmengewirr zahlreicher Gespräche empfangen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath
Viersen-Dülken – Zwischen Informationsständen, wartenden Schülergruppen und suchenden Blicken entwickelte sich bei dem diesjährigen Ausbildungs-Speeddating „Pott & Deckel“ rasch ein Bild, das die angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt ebenso widerspiegelte wie die wachsende Bedeutung direkter Begegnungen zwischen Unternehmen und potenziellen Nachwuchskräften.

Schon zu Beginn füllte sich das Foyer des Bürgerhauses in Dülken mit jungen Menschen, die sich konzentriert über ihre berufliche Zukunft informierten. Dicht gedrängt standen sie vor großformatigen Stelltafeln, auf denen kompakt die Profile der teilnehmenden Unternehmen aufgeführt waren; eine erste Orientierung, bevor es durch die Tür in den großen Saal ging, wo sich das eigentliche Geschehen entfaltete. Dort präsentierten sich am Mittwoch rund 38 Aussteller bei einem der größten Speeddating-Formate für Ausbildung am Niederrhein.
Mehrere Hundert Schülerinnen und Schüler, viele von ihnen in Begleitung von Lehrkräften oder Eltern, nutzten die Gelegenheit, direkt mit Personalverantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Das Konzept der Veranstaltung setzt bewusst auf kurze, persönliche Begegnungen: Statt anonymer Bewerbungen stehen spontane Gespräche im Vordergrund, bei denen beide Seiten einen unmittelbaren Eindruck voneinander gewinnen können. Veranstaltet wurde die Börse erneut von der Agentur für Arbeit Krefeld in Kooperation mit dem Jobcenter Kreis Viersen, Jobcenter Krefeld sowie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Viersen und Krefeld Business.
Im großen Saal herrschte eine konzentrierte Betriebsamkeit. Zwischen Messeständen, Roll-ups und kleinen Gesprächsinseln wechselten die Jugendlichen von Unternehmen zu Unternehmen, stellten Fragen zu Ausbildungsinhalten, Zugangsvoraussetzungen und Entwicklungsperspektiven. „Man kommt hier viel leichter ins Gespräch als bei einer klassischen Bewerbung“, sagte eine 17-jährige Besucherin, die sich für eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich interessierte. „Ich habe heute schon drei Kontakte geknüpft, die ich sonst wahrscheinlich nie gehabt hätte.“

Das Spektrum der vertretenen Branchen zeigte sich breit gefächert. Vom sozialen Bereich über Industrie und Handwerk bis hin zu Verwaltung und Dienstleistung waren zahlreiche Berufsfelder vertreten. Einrichtungen wie die Bethanien Kinderdörfer gGmbH oder der Caritasverband für die Region Kempen-Viersen warben ebenso um Nachwuchs wie Industriebetriebe, Ingenieurbüros oder Handelsunternehmen. Auch öffentliche Arbeitgeber wie der Kreis Viersen oder die Stadt Viersen nutzten die Plattform, um auf Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen.
Ein Aussteller aus der Wirtschaft zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf: „Wir merken deutlich, dass der persönliche Kontakt wieder wichtiger wird. Die jungen Leute stellen gezielte Fragen und sind gut vorbereitet.“ Ähnlich äußerte sich eine Mitarbeiterin aus dem Pflegebereich: „Gerade in sozialen Berufen ist es entscheidend, dass man sich gegenseitig kennenlernt. Dieses Format bietet dafür einen idealen Rahmen.“
Organisatorisch setzte „Pott & Deckel“ erneut auf das bewährte Prinzip der kurzen Wege. Die zuvor im Foyer gesammelten Informationen erleichterten den Einstieg in die Gespräche im Saal, sodass die Jugendlichen gezielt auf die für sie interessanten Unternehmen zugehen konnten. Die Kombination aus Vorbereitung und direkter Begegnung erwies sich als effektiv: Viele Gespräche gingen über ein bloßes Kennenlernen hinaus und mündeten bereits in konkreten Vereinbarungen für Praktika oder Bewerbungen. Viele Jugendliche verließen das Bürgerhaus mit Informationsmaterialien, Visitenkarten und nicht selten auch mit einem konkreteren Bild ihrer beruflichen Perspektiven. (nb)





