Schon lange bevor der Dülkener Nachtwächter André Schmitz seine Hellebarde hob, füllten am Donnerstag Kinderstimmen die Moselstraße: neugieriges Tuscheln, ein paar aufgeregte Fragen, darüber das gedämpfte Lachen der Erwachsenen.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming
Viersen-Dülken – Am späten Donnerstagnachmittag, als sich die Dunkelheit bereits über die Innenstadt legte, begann im Schatten des Dölker Doms eine ganz besondere Nachtwächterrunde. Innerhalb weniger Minuten hatte sich der kleine Platz in eine erwartungsvolle Bühne verwandelt, auf der rund 40 Kinder und etwa 50 Erwachsene dicht zusammengerückt standen – als würde die Altstadt selbst den Atem anhalten. Sie alle warteten auf den Dülkener Nachtwächter André Schmitz, der in diesen besonderen Spaziergang auch einen ganz besonderen Gast eingebaut hatte.

Sein erster Ruf hallte zwischen den alten Fassaden wider und setzte eine Bewegung in Gang, die sofort fesselte: Eine bunte Schar kleiner Entdecker brach mit ihm auf zu einer einstündigen Reise durch Dülkens bewegte Historie und die Welt des Wichtels Anton. Der Weg führte vom Startpunkt in der Moselstraße quer durch die Altstadt und das Dülkener Ei, vorbei an Mauern, die schon viele Generationen gesehen haben, und Plätzen, an denen Geschichte lebendig wurde.
Während der Nachtwächter die Gruppe von Station zu Station führte, breitete sich immer wieder gespannte Stille unter den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern aus. Denn an jedem Halt öffnete Schmitz ein neues Kapitel aus den Abenteuern des Dülkener Wichtels Anton, die Schmitz übrigens selbst geschrieben hat. Mit ruhiger Stimme und spürbarer Freude erzählte er von Antons nächtlichen Streifzügen, seinen überraschenden Einfällen und den heimlichen Streichen, die der Wichtel den Bewohnern der Stadt spielt. Seit 2022 hat Anton seinen festen Platz in der vorweihnachtlichen Zeit Dülkens gefunden und auch in diesem Jahr lädt er wieder Groß und Klein nach Dülken ein.

Schmitz, der bereits seit 2009 als Nachtwächter durch die mittelalterlichen Straßen führt und historische Fakten ebenso lebendig vermittelt wie kleine Anekdoten, schaffte es erneut, Tradition und Fantasie zu verweben. Die Kinder folgten seinen Worten mit großen Augen, manche rückten näher heran, um bloß kein Detail der Erzählungen zu verpassen. Immer wieder huschte ein Lächeln über die Gesichter der Erwachsenen, wenn historische Hintergründe mit einem unerwarteten Wichtel-Streich zusammenfanden. Der Klang der Schritte auf dem Kopfsteinpflaster, das gemurmelte Fragenstellen der Kinder und der Sternenhimmel über der Altstadt verliehen der Runde einen besonderen Zauber. Viele Familien nutzten die Gelegenheit, Dülken aus einer Perspektive zu erleben, die ihnen im Alltag verborgen bleibt: als Ort voller Geschichten, kleiner Geheimnisse und liebevoll gepflegter Traditionen.
Als die Tour schließlich endete, wartete ein letzter Höhepunkt auf die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mit einem verschmitzten Lächeln verteilte der Nachtwächter frisch gebackene Anton-Wichtel-Kekse – ein süßes Andenken, das sofort probiert oder vorsichtig für zu Hause eingepackt wurde. Während die Kinder um den Nachtwächter herumstanden und ihn noch mit Fragen bestürmten, klang die besondere Atmosphäre langsam aus. Wow, was für eine schöne Veranstaltung, die dringend nach einer Fortsetzung schreit. (sk)





