Die Frau, die in der Sendung „Nachtcafe“ bei „SWR 3“ von sich, ihrem Mann und ihrer Tochter erzählte, hatte sich das Leben anders vorgestellt. Kaum hatten sie geheiratet, kaum hatten sie geplant, ein Eiscafé zu eröffnen, kaum war sie schwanger geworden, da entwickelte sich bei ihrem Mann eine aggressive Krebsgeschwulst. Untersuchung folgte auf Untersuchung. Deprimierende Resultate.
Von Peter Josef Dickers
Literarisches – Wie reagierten sie? Anders, als zu erwarten gewesen wäre. Sie teilten miteinander das Noch-Zusammensein-Können. Sie lebten ihr immer noch lebenswertes Leben. Sie lebten ihre Liebe. Sie freuten sich über die Geburt ihrer Tochter. Er schrieb ihr Briefe, viele Briefe. Je einer sollte zu ihren Geburtstagen vorgelesen werden, bis zu ihrer Volljährigkeit. In seinen Briefen blieb er ihr nahe, auch nach seinem Tod. Die Tochter erlebte seine Nähe über den Tod des Vaters hinaus.

Allerheiligen. Wahrscheinlich leben wir nicht heiligmäßig. Vielleicht erwartet das Fest Allerheiligen das auch nicht. In der Regel verläuft unser Leben eher „mäßig heilig“. Wir sind zufrieden, wenn wir uns und anderen Menschen im täglichen Miteinander etwas zutrauen können und persönliche Grenzen durchlässig machen. Vielleicht gelingt es uns, den Allerweltbegriff „Liebe“ zu praktizieren, Liebe in einer ihrer vielen Variationen. Einige zählt das biblische „Hohelied der Liebe“ auf:
Die Liebe ist langmütig
Die Liebe ist gütig
Sie sucht nicht ihren Vorteil
Sie erträgt alles
Sie glaubt alles
Sie hofft alles
Sie hört nie auf
Sie hält dem Leben stand
Man kann die Liebes-Litanei als abgegriffenes Relikt betrachten. Für mich ist sie zeitgemäß, wenn ich an die Frau aus dem Nachtcafé denke. Das Fest Allerheiligen erinnert an Alltagsheilige. Wir sollten das öfter tun. Die Frau und der Mann aus dem Nachtcafé zählen für mich dazu. Papst Franziskus sprach die Schneiderin und Bäuerin Marguerite Bays heilig. Das alltägliche Leben muss und kann gelingen. Ein bisschen heiligmäßig ist es dann auch. (opm)

Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.
„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.




