Nach langer Pause wieder „kalle op Platt“ beim Mundartvorlesetag des Viersener Heimatvereins

Der Verein für Heimatpflege e. V. Viersen hatte Kinder und Jugendliche der Schulen im Kreis Viersen zum mittlerweile 38. Mundartvorlesetag eingeladen. Im Vorfeld wurde deshalb fleißig geprobt, die Schüler durften dann ihre Plattdeutschkenntnisse vor einem begeisterten Publikum beweisen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Dülken – „Deä klooke Hongk“ hallte es durch den großen Saal des Dülkener Clara-Schumann-Gymnasiums. „Karli wul sine kleene Hongk Felix vüel Denge beebrenge. Heä solet liere, sich vör et Hongksvoer möt Bäle te bedongke.“ Was sich für den einen oder anderen vielleicht als fremde Sprache liest, wurde von den vergangenen Generationen täglich am Niederrhein gesprochen. Damit das Plattdeutsch nicht ausstirbt, engagiert sich der Arbeitskreis Mundart im Verein für Heimatpflege e. V. Viersen seit einigen Jahrzehnten bereits und spricht hierbei ebenfalls den Nachwuchs in den Schulen an.

Die Heimatsprache wird natürlich aber nicht nur in Viersche, Dölke, Soetele oder Boisheim gesprochen und so waren Schüler aus allen Schulen aus dem Kreis Viersen eingeladen am 38. Mundartvorlesetag teilzunehmen, der am vergangenen Mittwoch zahlreich Zuhörer nach Dülken lockte. Moderiert wurde die abwechslungsreiche Lesung gekonnt und schon traditionell von Marieluis Boes auf Plattdeutsch. Seit mehr als 40 Jahren übt Boes mit Kindern und Erwachsenen die Sprache, „die man auf der Straße spricht“, bei einem Schnack oder dem Gruß zwischen Nachbarn. Viel Geduld ist gefragt, nicht nur, wenn mit der ehemaligen Lehrerin der Dülkener Ostschule gelernt wird. Texte in Platt werden nicht eilig oder gehetzt gelesen. Die Mundart nimmt die Hektik aus der Sprache und wenn die Schüler zuhause mit Eltern, Omas und Opas oder in der Schule lernen und lesen, dann läuft alles ein wenig ruhiger ab.

Am diesjährigen Mundartvorlesetag beteiligten sich acht Schulen aus dem Kreis Viersen, an denen die Schüler verschiedener Klassen fleißig geübt hatten. Nicht jeder konnte beim Mundartvorlesetag dabei sein, weshalb im Vorfeld die besten Vorleser ermittelt wurden, wo alle Kinder die Besten waren entschied allerdings auch das Glück. Die Buchhandlung Doetsch hatte hierzu Gutscheine zur Verfügung gestellt, hinzu kam eine Urkunde für die stolzen Leser.
Was in der 1. und 2. Klasse noch zu verstehen war, wurde beim Text für die 9. bis 12. Schuljahre nicht mehr ganz so einfach. „kört on nötlik“, „luepisch“ oder „duerdrieve Scholik“ war selbst für die Zuhörer nicht einfach zu übersetzen. Abgerundet wurde der Nachmittag vom Orchester des Gymnasiums, welches unter anderem Peter Maffays Tabaluga gekonnt umsetzte – passend zum Janosch-Text „E Schtökske uut: Oh wie schön ist Panama.“. (nb)

Am diesjährigen Mundartvorlesetag beteiligten sich acht Schulen aus dem Kreis Viersen, an denen die Schüler verschiedener Klassen fleißig geübt hatten. Foto: Rheinischer Spiegel