Neue Majestäten beim Bezirksvogelschuss Viersen-Mitte ermittelt

Ein leises Raunen ging durch die Reihen, ein weiterer Schuss – und dann fiel der begehrte Holzvogel. Für einen Moment schien die Welt den Atem anzuhalten, ehe der Jubel ausbrach. So war es an diesem Sonntag, als die Schützen des Bezirksverbandes Viersen-Mitte zum traditionellen Bezirksvogelschuss zusammenkamen. Unter wehenden Fahnen, funkelnden Uniformknöpfen und dem Stolz jahrhundertealter Tradition versammelte sich eine Schützengemeinschaft, die weit mehr verband als nur der sportliche Wettstreit.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming

Viersen – Gastgeber war in diesem Jahr die St. Konrad Schützengilde Grenzweg, als letztjähriger Ausrichter des Bezirksschützenfestes, die gemeinsam mit dem Bezirksverband die Veranstaltung auf der Anlage der St. Johannes Schützengesellschaft 1662 Clörath-Vennheide abhielt. Bezirksbundesmeisterin Claudia Küsters nutzte die feierliche Atmosphäre, um mit warmen Worten in ihrer Ansprache Fairness, Chancen und Gemeinsamkeit ins Zentrum zu stellen – drei Begriffe, die an diesem Tag tatsächlich sichtbar wurden:

„Wir haben uns heute zum Bezirksvogelschuss und zur Pokalverleihung versammelt. Es ist ein Fest der Gemeinschaft, der Freude und des sportlichen Wettbewerbs. Wenn wir miteinander antreten, dann geht es nicht nur darum, wer am Ende den besten Schuss setzt oder den Pokal nach Hause tragen darf. Es geht auch darum, wie wir miteinander umgehen, wie wir einander begegnen und wie wir diesen Tag gemeinsam gestalten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

**Fairness** ist dabei ein zentrales Wort. Beim Wettkampf – und auch im Leben – gewinnen nicht immer alle, aber alle können mit Anstand, Respekt und Ehrlichkeit dabei sein. Die Bibel erinnert uns daran, dass jeder Mensch einzigartig und wertvoll ist. Paulus schreibt: *“Wisst ihr nicht, dass die, die im Stadion laufen, zwar alle laufen, aber nur einer den Siegespreis erhält? Lauft so, dass ihr ihn erlangt!“* (1 Kor 9,24). Damit meint er nicht, dass wir gegeneinander kämpfen sollen, sondern dass wir mit voller Hingabe und ehrlichem Herzen unterwegs sein sollen – so, dass unser Tun Gott gefällt.

**Chancen** gehören ebenso zum heutigen Tag. Jeder Schuss ist eine neue Gelegenheit, jeder Versuch kann den Unterschied machen. So ist es auch in unserem Leben: Gott schenkt uns immer wieder neue Chancen. Auch wenn wir einmal danebenschießen – im Sport wie im Alltag – dürfen wir wissen, dass wir nicht auf unsere Fehler festgelegt sind. Jeder darf neu beginnen, neu ansetzen, neu zielen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Und schließlich die **Gemeinsamkeit**. Auch wenn am Ende ein Pokal an eine einzelne Person oder Mannschaft überreicht wird, so feiern wir doch als Gemeinschaft. Wir tragen nicht alle dieselbe Uniform, aber wir stehen unter demselben Zeichen und wir teilen dieselbe Freude. Im Glauben wissen wir: Gott sieht nicht zuerst auf das, was uns trennt, sondern auf das, was uns verbindet. Er hat uns als Schützengemeinschaft zusammengeführt, damit wir Freude und Verantwortung miteinander teilen.

Darum lasst uns heute mit Dankbarkeit feiern:
* dankbar für die Fairness, die uns Respekt voreinander lehrt,
* dankbar für die Chancen, die uns Mut machen, immer wieder neu anzufangen,
* und dankbar für die Gemeinsamkeit, die uns stärker macht als jede Einzelleistung.
So wollen wir diesen Tag feiern: mit fairem Wettstreit, mit offenen Herzen füreinander – und im Vertrauen darauf, dass Gottes Segen unsere Gemeinschaft stärkt und erhält.“

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Den Anfang machten die jüngsten Teilnehmer. Im Wettbewerb um die Schülerprinzenwürde herrschte gespannte Konzentration, bis schließlich der 138. Schuss das Ende brachte. Hendrik Harmes von der St. Peter- und Paul-Bruderschaft Bockert strahlte als neuer Bezirksschülerprinz. Mit Matz Küppers und Jonas Pypers stehen ihm zwei Junker zur Seite, die seinen Triumph zu einem Moment des Teamgeistes machten.

Als Nächstes richteten sich alle Blicke auf die Anwärterinnen und Anwärter der Bezirksprinzenwürde. Der Wettkampf war von nervenaufreibender Spannung geprägt, bis Lara Gnörich von der St. Konrad Schützengilde Grenzweg mit dem 115. Schuss den Vogel zu Fall brachte. Jubel brandete auf, als sie ihre Minister Dennis Rose und Celin Hardt an ihrer Seite begrüßte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Den Höhepunkt bildete jedoch das Schießen um die Königswürde. Fünf Bewerber traten gegeneinander an, und das Publikum hielt jeden Schuss mit angehaltenem Atem fest. Erst beim 175. Schuss fiel der hölzerne Vogel, und die Spannung löste sich in lauten Beifall auf: Dirk Hechel, ebenfalls von der St. Peter- und Paul-Bruderschaft Bockert, ist der neue Bezirkskönig. Mit Burkhard Klein und Daniel Pypers an seiner Seite formiert sich ein Dreigestirn, das den Verband in den kommenden Monaten repräsentieren wird.

Während die Namen der neuen Majestäten nun feststehen, bleibt der feierliche Akt der Silberübergabe noch aus. Er wird am 18. Januar 2026 traditionell im Rahmen der Sebastianusfeier stattfinden. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming