Neues Talk-Format im Messajero feiert gelungenen Auftakt mit Sophie Chassée

Mit einem offenen Kulturabend, der bewusst ohne Eintritt stattfindet, hat der Verein Corinna e.V. gestern im Messajero ein neues Talk-Format vorgestellt.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Mönchengladbach – In der warmen, fast wohnzimmerähnlichen Atmosphäre des Lokals feierte „Corinna lädt ein! Sophie im Talk!“ seine Premiere – ein Projekt, das regelmäßig bedeutende Stimmen der lokalen Musik- und Kulturszene zusammenbringen soll. Die Premiere gehörte der Gitarristin, Bassistin und Songwriterin Sophie Chassée, die für dieses Format nicht nur als Gastgeberin, sondern auch als musikalische Leitfigur auf der Bühne stand.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Das Messajero, bekannt für sein stimmungsvolles Ambiente aus gedämpftem Licht und einem liebevoll gestalteten Innenraum, bot den passenden Rahmen für einen Abend, der gleichermaßen persönlich wie professionell wirkte. Der Vereinsgedanke, kulturelle Begegnungen für alle zugänglich zu machen, prägte die Ausrichtung des Events sichtbar: Jeder konnte kommen, ganz ohne Ticket und Schwellenangst. Für Chassée, die in Mönchengladbach aufgewachsen ist, schloss sich damit ein Kreis. Die Stadt, in der ihr eigener musikalischer Weg begann, wird nun zum Schauplatz eines Formats, das sie gemeinsam mit Corinna e.V. mitentwickelt hat und das künftig viermal im Jahr stattfinden soll.

Chassée, 1997 in Neuss geboren und seit vielen Jahren in Köln musikalisch aktiv, ist längst eine feste Größe in der deutschen Pop- und Singer-Songwriter-Szene. Mit einem Studienabschluss aus Osnabrück, mehreren Studioalben, internationalen Kooperationen und ihren Engagements als Live-Bassistin – zunächst für Alli Neumann und seit 2022 für AnnenMayKantereit – ist sie aus großen Hallen ebenso bekannt wie aus kleinen Akustikbühnen. Seit 2024 tourt sie außerdem mit der Newcomer-Band Blumengarten. Ihr stilprägendes Gitarrenspiel im Fingerstyle, ihre klare Stimme und ihre melodische Handschrift haben ihr eine stetig wachsende Fangemeinde verschafft. Dass sie zeitgleich beim deutschen ESC-Vorentscheid 2025 Teil der heavytones war, unterstreicht ihre musikalische Bandbreite.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Als Gesprächspartnerin brachte sie für den Auftakt eine Vertraute mit: die Mönchengladbacher Sängerin und Sprecherin Alexandra Behrens, die sie als erste Gesangslehrerin geprägt hat. Beide verbindet eine lange Geschichte, die an diesem Abend auf der Bühne spürbar wurde. Behrens, seit Jahren präsent auf lokalen und regionalen Bühnen, ist Frontfrau verschiedener Bands, arbeitet als Hochzeitssängerin und steht 2025 im Finale des Wedding King Awards in der Kategorie „Beste Hochzeitsmusikerin“. Ihr Werdegang verlief jedoch nicht immer geradlinig. Ihr erster Plattenvertrag führte sie als Jugendliche in ein musikalisches Umfeld, das nicht ihren Vorstellungen entsprach. Die Erfahrungen aus dieser Zeit waren ein zentraler Gesprächspunkt und zeigten, wie stark sie heute für künstlerische Eigenständigkeit und selbstbestimmte Entscheidungen steht.

Der Abend bewegte sich entlang unterschiedlichster Themen: frühe musikalische Einflüsse, prägende Berufsjahre, Entscheidungen zwischen künstlerischem Anspruch und beruflicher Realität. Es ging um die Frage, wie man mit Lampenfieber umgeht, welche Rituale vor Auftritten helfen und welche Ziele Musikerinnen verfolgen, wenn die Karriere schon weit gediehen ist. Die Antworten kamen ohne Pathos aus, nahbar und bedacht. Das Publikum beteiligte sich lebhaft, stellte eigene Fragen und erlebte im „Fragenhagel“ zudem eine schnelle Serie persönlicher Präferenzen – von Festivalvorlieben bis hin zur Wahl zwischen Bass oder Gitarre.

Trotz der Gesprächsdichte blieb Raum für jene besondere Nähe, die dieses Format auszeichnen soll. Die offene Atmosphäre des Messajero trug dazu bei, dass der Abend nicht wie eine klassische Talkshow wirkte, sondern wie ein gemeinsamer Austausch unter Menschen, die Musik leben. Dass am Ende noch ein kurzer musikalischer Teil folgte, war beinahe selbstverständlich. Für viele Besucherinnen und Besucher bildete er einen ruhigen, konzentrierten Abschluss eines Abends, der zeigte, wie eng Geschichten, Begegnungen und Musik miteinander verwoben sein können.

Mit der Unterstützung von Corinna e.V. hat Mönchengladbach nun ein neues kulturelles Angebot, das auf Zugänglichkeit, Authentizität und Begegnung setzt. Der Abend mit Sophie Chassée und Alexandra Behrens machte deutlich, welches Potenzial darin steckt. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums