„Bilder des Krieges – Authentizität und Konstruktion des Krieges an Beispielen aus der Grafiksammlung Mensch und Tod“: Studierende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben im Rahmen des Seminares Bilder des Krieges mit Grafiken aus der Sammlung Mensch und Tod eine Online-Ausstellung konzipiert, die ab Anfang März startet und ebenfalls ein Werk des bekannten Viersener Künstlers Horst Meister einbezieht.
Düsseldorf/Viersen – Die Grafiksammlung „Mensch und Tod“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, betreut vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, ist eine der bedeutendsten im Kontext der Themen um Totentanz, Vanitas und Memento Mori. Ein essentielles, bislang allerdings wenig aufgearbeitetes Thema ist der Krieg als dauerhafter Begleiter der Menschheitsgeschichte. Entsprechend zahlreich sind die Grafiken, die den Krieg in unterschiedlichster Form und in all seinen Facetten darstellen. Dabei war das Bild vom Krieg einem stetigen Wandel unterworfen. Mit dem Wandel der Kriegsführung – vom Kampf Mann gegen Mann zu Luft- und Seeschlachten – veränderten sich auch die Darstellungen: Vom stolzen Ritter, der im Reigen mit dem Tod diesem wie alle anderen Standesvertreter auch zum Opfer fällt, bis hin zum anonymen Soldaten im Durcheinander des Schlachtengetümmels, bei dem der Tod als General das Kommando führt, den Torpedo abschießt oder die Bomben wirft. Zahlreiche Künstler waren selbst Kriegsteilnehmer und erlebten den Schrecken der Schlachtfelder, die grausamen Verletzungen und Verstümmelungen hautnah mit. Oder sie waren Zeitzeugen, die Kriegsopfer in der Familie betrauerten.

Es ist also an der Zeit, sich diesem Schwerpunkt zu widmen. Studierende der HHU haben im Rahmen des Seminares „Bilder des Krieges“ mit Grafiken aus der Sammlung „Mensch und Tod“ eine Online-Ausstellung konzipiert. Unter www.bilderdeskrieges.de eröffnet Anfang März die gleichnamige Ausstellung mit rund 30 Exponaten, die sich in fünf Themenfelder einordnen: Ritter und Landknechte, Auf dem Schlachtfeld, Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg und Kalter Krieg.
Die Ausstellung untersucht das Bild des Krieges als Konstruktion in historischer Perspektive mit seiner kunsthistorischen Ausprägung, wie sie sich in den Grafiken niedergeschlagen hat. Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf dem 20. Jahrhundert mit den beiden Weltkriegen, in denen eine massive strategische und technische Entwicklung der Kriegsführung stattfand, die tiefe Spuren in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen hinterließ. Dies waren die Kriege, in denen erstmals mehr Personen durch Kriegseinwirkungen denn durch Infektionskrankheiten starben und in denen moderne Waffen ihre grausame Wirkung sowohl für die Soldaten als auch die Zivilbevölkerung entfalteten. Insbesondere die Erfahrungen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, auf denen Soldaten oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden oder nicht geborgen werden konnten und lediglich die Erkennungsmarke auf das individuelle Schicksal hinwies, gruben sich tief in das kulturelle Gedächtnis. Die Angst vor der Atombombe schließlich prägte die Jahre des Kalten Krieges und ließ ein Schreckensszenario für Mensch, Tier und Umwelt am Horizont heraufziehen. Und selbst wenn der Krieg aus Westeuropa derzeit verschwunden ist, ein Besuch der Schlachtfelder, wie etwa des 1914 bis 1916 so erbittert umkämpften Hartmannsweiler Kopf im Elsass, erschüttert bis heute und zeigt als Erinnerungskultur die unauslöschlichen Spuren, die Krieg hinterlässt.
In diese Ausstellung wurde der Linolschnitt „Der General“ des Viersener Künstlers Horst Meister aufgenommen. Das Werk aus dem Jahre 1982 stammt ursprünglich aus der Reihe „Der Schwandorferr Totentanz“. „Anfang der 80er Jahre hatte der damalige bayerische Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß (CSU) seine Planung bekannt gegeben, mitten im Bayerischen Wald, nahe Schwandorf, eine „Atomare Wiederaufbereitungs-Anlage“ bauen zu lassen“, so Horst Meister zu seinem Werk.
„Ein Aufschrei der Entrüstung ging daraufhin durch die gesamte niederbayerische Region mit viele Protestaktionen. Der Beschluss, diese WAA dann doch nicht zu bauen, stammte allerdings von der Atoenergie selbst: wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit. Das war aber nicht das Ende der Atomkraft in Deutschland. 1988 hatte Professor Hans Schadewaldt für die Totentanzsammlung der Heinrich-Heine-Universität meinen ‚Schwandorfer Totentanz‘ erworben. Auf dem gezeigten Blatt ‚DER GENERAL‘ stehen sich zwei Schachspieler gegenüber: Der General und der Tod.“
Im damaligen Bestandskatalog MENSCH UND TOD schrieb die Kuratorin Eva Schuster u. a. über dieses Blatt: „… Mit seiner stark ins Gesicht gezogenen Mütze, deren Schirm seine Augen völlig verdeckt, scheint der General – im Gegensatz zum Tod – wie blind zu spielen, in unverkennbarer Symbolik ein „blindes Spiel“ mit dem Tod zu treiben….“. Nach den verheerenden Atombomben-Abwürfen über Hiroshima und Nagasaki und den atomaren Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima bleibt für den Viersener Künstler die ernüchternde Erkenntnis, dass gleich, wie dieses Schachspiel mit den Kühltürmen und Atomraketen zwischen Tod und General ausgehen wird – es am Ende immer nur einen einzigen Gewinner gibt: DEN TOD. (opm)




