Das Schützenwesen hat in Klein-Jerusalem eine jahrhundertelange Tradition – fest verwurzelt im örtlichen Brauchtum, getragen von Gemeinschaft, Stolz und Verbundenheit zur Heimat. Doch dass Tradition nicht verstaubt und altmodisch sein muss, sondern mit frischer Energie und moderner Lebensfreude einhergehen kann, bewies der Schützenverein Klein-Jerusalem 1854 e.V. eindrucksvoll am gestrigen Abend beim musikalischen Nachschlag zum diesjährigen Schützenfest.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Martin Häming
Willich-Neersen – Dort, wo sonst Trommelwirbel und Marschmusik den Takt angeben, bebte gestern Abend das Festzelt am Schwarzen Pfuhl unter rockigen Rhythmen und pulsierenden Pop-Hymnen: Die Coverband UNART ließ mit ihrer energiegeladenen Bühnenshow keine Zweifel offen – hier wurde nicht nur gefeiert, hier wurde gelebt. Hits der letzten Jahrzehnte, mitreißend dargeboten und mit jeder Menge Bühnencharisma gewürzt, brachten das Publikum zum Tanzen, Mitsingen und Mitfeiern. Eine Nacht, die sich in die Herzen brannte – laut, lebendig, legendär.

Doch auch sonst ließ der Abend keine Wünsche offen: DJ Rene Braun, bekannt für sein sicheres Gespür für die passende Stimmung, sorgte mit den richtigen Beats für die ideale Betriebstemperatur im Zelt. Der Funke sprang früh über, und von Stunde zu Stunde wurde die Atmosphäre ausgelassener. Das Zelt verwandelte sich in einen brodelnden Hexenkessel der guten Laune – ein Kontrastprogramm zum traditionellen Schützenumzug, aber kein Widerspruch, sondern ein modernes Bekenntnis zum gelebten Miteinander.

Denn der Schützenverein Klein-Jerusalem zeigt, wie es geht: Die Pflege des Brauchtums ist kein starres Korsett, sondern ein lebendiges Gefüge, das sich mit der Zeit bewegt. Wo einst nur Marschmusik erklang, dürfen heute auch E-Gitarren röhren. Der Verein beweist Mut zur Moderne, ohne seine Wurzeln zu vergessen. So wird das Schützenwesen für Jung und Alt gleichermaßen erlebbar – ein Ort der Begegnung, der Freude, der Heimat.
„Es geht nicht darum, das Alte zu verdrängen, sondern das Neue willkommen zu heißen“, sagt ein Besucher, der schon seit Jahrzehnten Teil des Vereins ist. Und er hat recht – der gestrige Abend war ein leuchtendes Beispiel dafür, wie harmonisch Tradition und Zeitgeist miteinander tanzen können. Ein gelungener Ausklang eines rauschenden Schützenfestes – und Teil einer neuen Tradition innerhalb der Tradition. Klein-Jerusalem darf sich freuen: auf viele weitere Nächte, in denen das Zelt nicht nur von Uniformen, sondern auch von Beats und Begeisterung erfüllt ist. (cs)





