Tennis in Viersen: Vereine kämpfen um eine Winterheimat

Seit Juni 2025 ist es traurige Gewissheit: Der Tennissport hat in Viersen und Umgebung keine Winterheimat mehr. Hallenplätze, die über Jahrzehnte Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch die kalte Jahreszeit begleiteten, stehen nicht länger zur Verfügung.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Drei traditionsreiche Vereine – der TC Süchteln, der TC Dülken und der Viersener Tennis- und Hockeyclub – haben sich deshalb zusammengeschlossen um zu retten, was ohne rasche Entscheidung in den Wintermonaten verloren gehen könnte: die Zukunft von mehr als 1.300 Tennisspielerinnen und Tennisspielern.

Die Lage ist dramatisch: Die Tennishalle Viersen mit sieben Plätzen wurde verkauft und der neue Eigentümer hat andere Pläne. Die Halle in Grefrath (drei Plätze) musste wegen Baufälligkeit schließen. Und in Sankt Tönis wurde die Tennishalle mit vier Plätzen kurzerhand in eine Padelhalle umfunktioniert. Damit fehlt in der gesamten Region ein Ort, an dem im Winter Tennis gespielt werden kann.

Die Vorstände der drei Vereine, die zwischen 1896 und 1952 gegründet wurden, kämpfen ums Überleben und haben längst gehandelt. Sie gründeten eine gGmbH, schmiedeten Pläne, holten Bauunternehmen an den Tisch und sondierten Finanzierungsmöglichkeiten. Ziel ist der Bau einer neuen, modernen Tennishalle bis spätestens September 2026. Doch ein entscheidender Schritt hängt weiterhin in der Luft: Die Stadt Viersen soll das Grundstück zur Verfügung stellen – und damit auch den Standort festlegen.

„Wenn unserer Jugend und unseren Erwachsenen nicht schnellstens eine Perspektive für 2026 geboten wird, werden unsere Vereine kurzfristig aussterben, da wir keinem Kind erklären können, dass es seinen Lieblingssport nur im Sommer ausüben kann. Die ehrenamtlichen Vorstände haben jede Menge Zeit und Energie in dieses Projekt investiert und warten auf die versprochene Unterstützung der Stadt Viersen … wie soll es jetzt weitergehen?“, so die Vorstände unisono. „Wenn wir nicht schnell eine Perspektive für 2026 bieten können, sterben unsere Vereine. Wir können keinem Kind erklären, dass sein Lieblingssport nur noch im Sommer möglich ist.“

Zunächst schien der Weg frei: Verständnis seitens der Stadt, wohlwollende Kommentare aus der Politik, die Zusage rasch eine Lösung zu finden. Doch die entscheidende Antwort, auf welchem Gelände die Halle entstehen darf, steht bis heute aus. Ohne diesen Beschluss können keine Bauanträge gestellt, keine Förderungen gesichert und keine langfristigen Finanzierungen abgeschlossen werden. Dabei ist die Dringlichkeit offensichtlich: Über 300 Kinder und Jugendliche trainieren in den drei Viersener Vereinen – sie sind die Zukunft des Sports. Ohne Wintertraining droht eine ganze Generation an Spielerinnen und Spielern verloren zu gehen.

Die Interessengemeinschaft der drei Vereine richtet ihren Appell eindringlich an die Verantwortlichen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein der Sport, sondern auch die Bedeutung für Gemeinschaft, Jugendarbeit und den Erhalt einer über 100-jährigen Tradition in Viersen. Entscheidend sei nun, dass die Stadt eine verlässliche Zusage treffe, damit die Zukunft der Mitglieder gesichert werden kann. Noch bleibt die Hoffnung, dass Viersen den Schläger nicht aus der Hand legt – und dem Tennis eine neue Heimat schenkt. (nb)

Foto: Nici Keil/Pixabay