Wenn die St. Maria-Lichtmeß-Bruderschaft ruft, verwandelt sich Hagenbroich-Windberg in ein Zentrum der Tradition, der Gemeinschaft und der Feierlaune. Das Schützenfest 2025 hat am Samstag begonnen und schon jetzt gezeigt: Hier pulsiert das Brauchtum. Zwei Festtage voller Emotionen und Ausgelassenheit liegen hinter den Schützen – und zwei weitere Höhepunkte stehen noch bevor.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz, Martin Häming und Rita Stertz
Viersen-Süchteln – Endlich wieder Schützenfest bei der St. Maria-Lichtmeß-Bruderschaft und schon beim Errichten der Prunkbäume am Samstagnachmittag war die Vorfreude spürbar. Mit viel Engagement und kräftigen Händen stellten die Schützen das grüne Symbol der Gemeinschaft auf. Am Abend hieß es dann „O’zapft is“ im Festzelt.

Unter weiß-blauen Bannern und bei mitreißender Musik der Band Tante Käthe verwandelte sich die Floethütte in ein kleines Oktoberfest. Die Gäste schunkelten, sangen und tanzten ausgelassen bis tief in die Nacht. „Es ist einfach schön, nach Jahren der Entbehrungen wieder gemeinsam feiern zu können“, meinte ein Besucher, während die Kapelle gerade eine Polka in ein Rock-Medley übergehen ließ.

Wie es gute Sitte ist, begann der Sonntag feierlich mit dem Festgottesdienst im Zelt, bei dem die Bruderschaft ihre tiefe Verwurzelung in christlicher Tradition zeigte. Beim anschließenden großen Zapfenstreich und Frühschoppen wurden die Jubilare feierlich geehrt. Der 1. Vorsitzende Frank Schönkes erinnerte in seinem Grußwort an die Herausforderungen, die ein Schützenfest in heutiger Zeit mit sich bringt: „Aufgrund behördlicher Auflagen und extremer Kostensteigerungen wird es immer schwieriger ein Schützenfest so auf die Beine zu stellen, wie wir es seit Jahrzehnten kennen und lieben. Umso mehr freue ich mich, dass wir es trotzdem geschafft haben!“

Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurden Olaf Driskes, Thomas Everschor, Hans Föhles, Heinz Hamacher, Helmut Hansen, Andreas Ix, Christoph Ix, Bernd Krüger, Thomas Küppers, Rüdiger Littbarski, Frank Ohligs, Stefan Peuten, Alfred Vohwinkel, Ulli van Vlodrop und Manfred Walther ausgezeichnet. Sie alle stehen für eine Generation, die seit Jahrzehnten aktiv das Bruderschaftsleben prägt und weiterträgt.
Mit ebenso großem Applaus wurden Rudolf Hanisch und Michael Zanders geehrt, die der St. Maria-Lichtmeß-Bruderschaft seit 40 Jahren treu verbunden sind. Ihre jahrzehntelange Verbundenheit ist ein sichtbares Zeichen für Beständigkeit und Werte, die auch kommende Generationen tragen.

Eine noch längere Wegstrecke verbindet Hans-Josef Keysers und Peter Wiemes mit der Bruderschaft. Beide erhielten die Auszeichnung für 50 Jahre Mitgliedschaft – ein halbes Jahrhundert im Dienst der Gemeinschaft, das von allen Anwesenden mit besonderem Respekt gewürdigt wurde.
Ein wahrer Gänsehautmoment entstand schließlich, als Werner Thobrock und Hermann-Josef Wienen aufgerufen wurden. Sie traten 1958 in die Bruderschaft ein und können damit auf sage und schreibe 67 Jahre Mitgliedschaft zurückblicken. Ein so außergewöhnliches Jubiläum, das gleich mehrere Generationen umspannt, wurde mit stehenden Ovationen gefeiert.
Auch die Vergabe der Orden brachte viele emotionale Momente. Das Silberne Verdienstkreuz erhielten Rüdiger Littbarski, Peter Lüngen und Peter Steffes für ihr unermüdliches Engagement. Den Hohen Bruderschaftsorden nahmen Peter Luhnen, Udo Penski und Edgar Succow entgegen. Schließlich wurden Manfred Kudlich und Guido Ohligs mit dem St. Sebastianus Ehrenkreuz ausgezeichnet – eine der höchsten Ehrungen, die die Bruderschaft zu vergeben hat.

Am Nachmittag stand der große Festzug durch die Sektion an. Zahlreiche Schützenzüge, Musikvereine und Abordnungen befreundeter Bruderschaften reihten sich ein. Die Straßen waren gesäumt von Familien, Nachbarn und Freunden, die den Umzug mit Applaus und Fähnchen begleiteten. Höhepunkt war die Parade vor dem Festzelt zu Ehren des Königshauses. Schützenkönig Georg Heitzer strahlte an der Seite seiner Königin Heike, flankiert von den Ministerpaaren Alfred Vohwinkel mit Kornelia Köhler sowie Franz-Josef und Sabine Hermanns.
In seinem Grußwort hatte der König zuvor tiefe Einblicke in seine persönliche Verbindung zur Bruderschaft gegeben: „Bereits 1985 durfte ich als Schilderkind erste Schritte im Schützenwesen machen. Heute als König vor Euch zu stehen ist für mich eine große Ehre und zugleich eine sehr persönliche Erfahrung.“ Besonders bewegend war sein Dank an seine Familie: „Lisa sagte zu mir: ‚Papa, mach mich offiziell zur Prinzessin – und wie könnte ich da widerstehen?“
Nach den ereignisreichen ersten beiden Tagen richtet sich der Blick nun auf den heutigen Montag, der mit der Feldmesse am Sektionskreuz beginnt (10:00 Uhr). Dort gedenkt die Bruderschaft traditionell ihrer verstorbenen Mitglieder. Danach schlägt die Stimmung um: Beim Klompenball im Festzelt (13:00 Uhr) gehört die Bühne allen Generationen, die Musik von Roland Zetzen verspricht ein ausgelassenes Miteinander. Der Eintritt ist frei, und so rechnet die Bruderschaft mit einem vollen Haus.

Am Dienstag erreicht das Fest schließlich seinen Höhepunkt. Am Morgen pilgern die Schützen auf den Heiligenberg zur Messe der Irmgardis-Oktav (10:00 Uhr). Am Abend kommt es noch einmal zu einem farbenprächtigen Schaulaufen: Die Parade an der Floethütte mit musikalischer Begleitung der „Blaskapelle Neuwerker Blech“ wird den Majestäten gewidmet sein (18:30 Uhr). Danach heißt es im Festzelt Bühne frei für die Band Dolce Vita (19:00 Uhr). Der Königsgalaball wird die Festtage in festlicher Eleganz beschließen – mit Walzer, Tanzmusik und sicherlich auch der einen oder anderen Polonaise.
Übrigens: Eine besondere Premiere erlebt das Schützenfest in diesem Jahr durch die neue Frauengruppe „Ha-Wi Power“, die im Februar 2025 gegründet wurde und vom Namen Hagen-Windberg inspiriert wurde. 29 Frauen zwischen 40 und 70 Jahren bereichern das Fest mit viel Schwung und neuen Ideen. Schon beim Umzug stachen ihre strahlenden Outfits ins Auge. Nach den emotionalen ersten beiden Tagen erwarten die Schützenfamilie und ihre Gäste nun zwei weitere Festtage, die die perfekte Mischung aus Besinnlichkeit, Brauchtum und ausgelassenem Feiern versprechen. Oder, wie es Schützenkönig Georg Heitzer formulierte: „Lasst uns die Traditionen ehren, die Gemeinschaft pflegen und das Schützenfest mit Leben füllen – so wie es seit Jahrhunderten Brauch ist.“ (cs)





