Viersener Wirtschaftsgeschichte im Kreisarchiv lebendig gemacht

Ein Stück Wirtschafts- und Stadtgeschichte stand in diesen Tagen im Mittelpunkt zweier Veranstaltungen im Viersener Kreisarchiv: Die Ausstellung über das traditionsreiche Unternehmen Kaiser’s Kaffee-Geschäft lockte zunächst zu einer thematischen Führung des Vereins für Heimatpflege Viersen und wenige Tage später im Rahmen des bundesweiten Tages der Archive zahlreiche Besucherinnen und Besucher in die Räume des Archivs.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Leo Dillikrath

Viersen-Dülken – Den Auftakt bildete am Donnerstag eine Führung durch die Ausstellung, zu der der Verein für Heimatpflege Viersen eingeladen hatte. Rund um den nun vollständig erschlossenen Archivbestand des ehemaligen Viersener Unternehmens erhielten die Teilnehmer einen Einblick in eine Firmengeschichte, die über mehr als ein Jahrhundert hinweg das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt geprägt hat.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Archivleiter Marcus Ewers führte durch die Präsentation und erläuterte anhand ausgewählter Dokumente die Entwicklung des Unternehmens von seinen Anfängen bis zu seiner Bedeutung als überregional tätige Handelskette. Grundlage der Ausstellung war ein umfangreicher Bestand von mehr als 1.800 Archivalien, der in den vergangenen Jahren im Kreisarchiv systematisch erschlossen worden ist – allerdings wird ein großer Teil noch in Kempen gelagert. Gezeigt wurde daraus eine Auswahl historischer Fotografien, Firmenakten, Werbematerialien, Karten und einzelner Objekte aus dem Unternehmensalltag.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Die Dokumente veranschaulichen nicht nur die Expansion des Unternehmens, sondern auch den Wandel von Werbung, Vertrieb und Konsumgewohnheiten. Fotografien aus verschiedenen Jahrzehnten zeigen Verkaufsräume, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Präsenz der Marke im Stadtbild. Werbeplakate und Verpackungsdesigns lassen zugleich erkennen, wie sich die Ansprache der Kundschaft im Laufe der Zeit veränderte.

Nur wenige Tage später rückte die Ausstellung erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Am Sonntag öffnete das Kreisarchiv anlässlich des bundesweiten Tages der Archive seine Türen für die Öffentlichkeit. Rund vier Stunden lang nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Einrichtung zu werfen und sich über die Arbeit des Archivs sowie über die Möglichkeiten historischer Recherche zu informieren. Ein Schwerpunkt des Programms lag wiederum auf der Ausstellung zu Kaiser’s Kaffee-Geschäft. In Führungen erläuterten Mitarbeiter des Archivs die wichtigsten Stationen der Firmengeschichte und ordneten die gezeigten Exponate in den historischen Kontext ein. Darüber hinaus konnten Besucher die Ausstellung mithilfe eines Quiz eigenständig erkunden.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Ergänzt wurde das Programm durch historische Filmaufnahmen aus dem gesamten Kreisgebiet, die Einblicke in Alltag, Wirtschaft und gesellschaftliches Leben vergangener Jahrzehnte gaben. Besonders gefragt waren auch die Magazinführungen, bei denen Interessierte einen seltenen Blick in die sonst nicht öffentlich zugänglichen Archivräume werfen konnten. Dort lagern tausende Dokumente, Akten und Fotografien, die die Geschichte des Kreises Viersen dokumentieren.

Großes Interesse fand zudem die Restaurierungswerkstatt. In Vorführungen erklärten Fachleute, wie beschädigte Dokumente gesichert und konserviert werden, damit sie auch künftigen Generationen erhalten bleiben. Dabei wurde deutlich, welch aufwendige handwerkliche Arbeit hinter der Bewahrung historischer Quellen steht. Im Lesesaal erhielten Besucher eine Einführung in die Nutzung des Archivs.

Besonders für Familienforscher bot die genealogische Sprechstunde praktische Unterstützung. Auch für jüngere Besucher war gesorgt. Kinder und Erwachsene konnten sich in alten Schriften versuchen und ausprobieren, wie historische Handschriften gelesen werden. Außerdem bestand die Möglichkeit, ein eigenes Wappen zu entwerfen. Mit den beiden Veranstaltungen wurde deutlich, welche Rolle Archive als Orte der Erinnerung und der Forschung spielen. Zugleich zeigte die Ausstellung über Kaiser’s Kaffee-Geschäft wie eng lokale Wirtschaftsgeschichte und Stadtentwicklung miteinander verbunden sind. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath