Fünf Tage nach Silvester – und wat liegt noch überall auf der Straße? Reste von Raketen, Böllern, Glasscherben von Sektgläsern. Scharfkantig, glitzernd, gefährlich – dat volle Programm. Un ich sach euch: Es wär ja zu viel verlangt, dat wegzumachen. Nee, meine Nachbarn glauben, dat macht schon irgendwann die Straßenreinigung. Bis dahin verrotten die Raketenreste, und unsere Füße spielen Slalom über zerbrochenes Glas.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck
Glosse – Un dann meine Nachbarn … kerngesund (sagen sie selber, die Ämter seien nur blöd), seit über 20 Jahren auf Steuerzahlers Kosten unterwegs, zwei Mal im Jahr im Urlaub, hunderte Euro für das Feuerwerk rausgehauen. Arbeiten, och nö! Die, die über die Regierung fluchen, weil sie bald weniger Bürgergeld bekommen – für dat sie nie wirklich gearbeitet haben – aber gleichzeitig rechts wählen, weil „die Ausländer“ schuld sind an der Entscheidung zur „Neuen Grundsicherung“. Un die selbst im Urlaub gemeinsam mit genau denen die Nächte durchsaufen. Wasch mich, aber mach mich nicht nass! Ob die jemals das Wahlprogramm ihrer bevorzugten Partei gelesen haben? Un ob sie wissen, dass sie dann plötzlich wieder arbeiten müssten? Keine Ahnung. Die Nachbarn, die mich anblöken: „Wir zahlen doch für die Stadtreinigung, die müssen den Mist von Silvester wegräumen!“ Öh, nee. Se zahlen eben nicht. Verantwortung für das eigene Tun?
Aufgeräumt hat dann ein anderer Nachbar. Türke. Hat selber nicht geböllert. Arbeitet durchgehend, vom ersten Tag hier an. Die Tochter möchte in die Pflege, der Sohn studieren. Beide sind in Sportvereinen erfolgreich. Ihre deutsche Aussprache ist besser als das meiner deutschen Nachbarn. Sie zahlen sogar Steuern und für die Straßenreinigung… Aber ich schweife ab.
Fakt is: Wir haben fünf Tage nach Silvester – un es is zu viel verlangt, selbst den Besen in die Hand zu nehmen. Mein Balu, unser treuer vierbeiniger Freund, hat drei Tage lang gezittert un gekotzt. Fenster schließen hat nix gebracht, er hat alles mitbekommen. Un im Park? Tote Eichhörnchen, Vögel, die Opfer für den Knallerei-Rausch. Leben in Kauf genommen für ein bisschen Spaß mit Raketen? Dat is krank.
Andere Städte machen’s schon vor: Berlin, Hamburg, Köln, München – ausgewiesene Verbotszonen, vor allem in der Innenstadt. Warum nicht auch Viersen? Immer mehr Leute würden Einschränkungen begrüßen: 43 Prozent für ein komplettes Verbot außer Wunderkerzen, 22 Prozent für ein Verbot großer Böller sagt so ne Umfrage. Und die restlichen 33 Prozent? Die meinen, Tradition und Freiheit seien wichtiger. Tradition? Dann nehmt Trommeln, Glocken un Trompeten, dat wär Tradition!
Bundesweit wird über ein Verbot diskutiert, aber außer heißer Luft passiert nix. Die Pyro-Industrie freut sich, 197 Millionen Euro Umsatz 2024 – Rekord! Nach 180 Millionen Euro im Jahr davor. Scheint uns also gar nicht so schlecht zu gehen, solange die Raketen fliegen und unsere Parks zur Müllhalde werden.
Also, liebe Viersener: Vielleicht nächstes Jahr wieder überlegt zündeln – oder ihr nehmt’s wie andere Städte: Finger weg von Böllern, Besen in die Hand und Nachbarn mal ordentlich wachrütteln. Sonst bleibt Silvester nur noch Krach, Dreck und ein zitternder Balu.
Euer
Jupp van’t Eck





