Wenn der Sound den Atem anhält – Plexiphones live im Messajero

Manchmal gibt es Abende, an denen Musik plötzlich mehr ist als Klang – sie wird zu Atmosphäre, zu Bewegung, zu elektrischer Spannung im Raum. So ein Abend war der 11. Oktober 2025 im Gladbacher Messajero, als die Plexiphones wieder auf heimatlichem Boden standen. Kaum hatte sich das Licht gesenkt, durchzog ein leises, synthetisches Flirren den Raum – dann setzte der Beat ein, und mit ihm dieses Gefühl: Hier passiert gerade etwas Besonderes.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Mönchengladbach – Die Band, längst kein Geheimtipp mehr, sondern fester Bestandteil der deutschen Alternative-Pop-Szene, zeigte an diesem Abend, warum sie seit zwanzig Jahren unermüdlich Grenzen zwischen Rock, Pop und elektronischer Musik verwischt. Frontmann Wolfgang Kemmerling trat ans Mikrofon, lächelte kurz – und ab da gab es kein Halten mehr. Der Raum vibrierte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Die Plexiphones sind bekannt für ihre Mischung aus Präzision und Leidenschaft. Michael von Hehl ließ seine Synthesizer flirren wie Nordlichter über einer Großstadt, während Christoph Brandenburg an der Gitarre schneidende Riffs mit melancholischen Melodien verschmolz. Der Bass von Kurt Schmidt – tief, pulsierend, präsent – bildete das Rückgrat, während Rüdiger Tiedemann und Ulli Höckendorf mit Schlagzeug und Percussion eine Rhythmuswand aufbauten, die sowohl Herz als auch Beine in Bewegung setzte.

In dieser Kombination entsteht jener unverwechselbare Plexiphones-Sound, der international klingt, ohne seine Herkunft zu verleugnen. Songs wie In The Unreal, Breathing und das The Human League-Cover Human wurden vom Publikum begeistert mitgesungen. Viele Besucher hatten die Band bereits als Support von Jared Letos Thirty Seconds To Mars erlebt – doch hier, im intimen Rahmen des Messajero, konnte man die ganze emotionale Wucht ihrer Songs spüren.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Für die Band war es mehr als nur ein Konzert: Es war ein Wiedersehen mit ihren Wurzeln. Vor zwanzig Jahren begann alles mit einer Jam-Session in einem kleinen Proberaum in Viersen-Dülken. Heute, zwei Jahrzehnte später, blicken die Plexiphones auf Tourneen, Chartplatzierungen und internationale Kooperationen zurück – darunter mit Künstlern wie SASH!, Hein+Klein oder Maurice da Vido.

Was die Plexiphones live so faszinierend macht, ist ihre Balance: Hier trifft elektronische Raffinesse auf ehrliche Spielfreude, Club-Ästhetik auf Rocktradition. So klingt eine Band, die nicht nur ihre Musik, sondern auch sich selbst immer wieder neu erfindet. Die Plexiphones sind 20 Jahre alt – und klingen frischer denn je. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums