Wenn Federn Geschichten erzählen – Klaus-Koth-Gedächtnisschau

Ein leises Gurren, das helle Glucksen aus einer Ecke, das aufgeregte Flattern kleiner Flügel – schon beim Betreten der Ausstellungshalle beim Futterhandel Bernd Grotenburg in Willich lag eine besondere Spannung in der Luft. Eingeladen hatte der Rassegeflügelzuchtverein 1876 Viersen e. V.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen und Martin Häming

Willich – Zwischen grün geschmückten Volieren und sorgfältig aufgereihten Käfigen eröffnete sich den Besuchern am vergangenen Wochenende eine farbenprächtige Welt: Die Klaus-Koth-Gedächtnisschau des Rassegeflügelzuchtvereins 1876 Viersen e. V. verwandelte die Halle in ein lebendiges Kaleidoskop aus Formen, Farben und Charakteren. Unter der Schirmherrschaft von Andra Winterberg, Geschäftsstellenleiterin der Volksbank Viersen, kamen Züchterinnen, Preisrichter und Tierfreunde zusammen, um die ganze Vielfalt des Rassegeflügels zu feiern – von zierlichen Legewachteln über stattliche Gänse bis hin zu Ziertauben.

„Wenn man in die Augen eines Tieres schaut, das man selbst aufgezogen hat, steckt darin ein Stück Herzblut“, sagte ein Züchter, während er liebevoll das Gefieder eines Hahns glattstrich. Seine Worte spiegelten wider, was diese Veranstaltung ausmacht – die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Tier. Der Verein hatte ganze Arbeit geleistet. Schon beim Aufbau achtete das Organisationsteam auf jedes Detail – von der harmonischen Gestaltung der Ausstellung bis zur artgerechten Unterbringung der Tiere. Die Volieren, liebevoll dekoriert und mit Hinweisschildern versehen, luden dazu ein, genauer hinzusehen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ein besonderes Augenmerk galt den Preisrichterinnen und Preisrichtern, die mit ruhiger Konzentration durch die Reihen gingen. Sie sind „so etwas wie die Hüter des Standards“. Denn jede Bewertung folgt einem festen Regelwerk – dem sogenannten Standard, der das Ideal jeder Rasse bis ins Detail beschreibt. „Sie bewerten nicht nur das Äußere“, erklärte ein Teilneher, „sondern auch Ausdruck, Haltung und Vitalität. Das Gesamtbild muss stimmen – und das Tier muss zeigen, dass es sich wohlfühlt.“ Diese Arbeit erfordert Erfahrung, Geduld und den Blick fürs Wesentliche. Eine Aufgabe, die von der Ausstellungsgemeinschaft mit großem Respekt begleitet wurde. Denn mit ihren Rückmeldungen tragen die Preisrichterinnen und Preisrichter dazu bei, die Zucht zu verbessern und wertvolle Rassen für kommende Generationen zu erhalten.

Auch für das leibliche Wohl war gesorgt: Zwischen Käfigreihen und bunten Plakatwänden duftete es nach frisch gebackenem Kuchen und Kaffee. Viele Gäste verweilten, plauderten über Zuchterfolge und tauschten Tipps rund um Haltung und Fütterung aus. Eine Tombola sorgte zusätzlich für Freude – kleine Preise, große Augenblicke. „Die Atmosphäre war einfach großartig“, lobte ein Besucher. „Man spürt, dass hier Menschen mit echter Begeisterung bei der Sache sind. Diese Veranstaltung verbindet Generationen – vom Kind, das seine erste Henne streichelt, bis zum erfahrenen Züchter mit jahrzehntelanger Erfahrung.“

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Am Ende blickte der RGZV 1876 Viersen e. V. auf ein rundum gelungenes Wochenende zurück – eine Schau, die gezeigt hat, wie lebendig Tradition sein kann, wenn Leidenschaft, Wissen und Tierliebe zusammenfinden. Und während die letzten Besucher den Duft von Stroh und Holzspänen noch in der Nase hatten, blickte der Verein bereits voraus: auf die große Jubiläumsausstellung 150 Jahre RGZV 1876 Viersen e. V., die am 10. und 11. Oktober 2026 gefeiert wird. Dann wird es sicher wieder heißen: Willkommen in der Welt der Federn, Formen und Farben. (dt)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming