Wir retten Katzen e. V. – Wo andere wegsehen, beginnt ihr Einsatz für Katzen in Not

Es ist oft still, wenn die Arbeit beginnt. Ein Waldstück am Rand von Nettetal, feuchte Erde, das Rascheln von Blättern, irgendwo ein vorsichtiges Fauchen. Für viele bleibt dieser Ort unsichtbar. Für die Mitglieder von „Wir retten Katzen e.V.“ ist er zum Sinnbild ihrer Verantwortung geworden. Seit März 2025 sind sie hier regelmäßig unterwegs – mit Transportboxen, Futter, Fallen, Taschenlampen und vor allem mit Geduld. Viel Geduld.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Nettetal/Kreis Viersen – Die Geschichte des Vereins beginnt nicht am Reißbrett, sondern aus einer Notwendigkeit heraus. Nachdem sich die engagierten Tierschützer aus dem Vorstand der Notfelle Niederrhein zurückgezogen hatten, wurde bekannt, dass das bisher betreute Waldgrundstück zum Ende des Jahres aufgegeben werden sollte. Ein Ort, an dem zahlreiche Streunerkatzen lebten, viele von ihnen unkastriert, scheu, krank oder trächtig. Schnell wurde klar: Ohne einen eigenen Verein würde niemand dieses Gebiet übernehmen können.

Also handelten sie. Noch bevor der Verein offiziell gegründet war, begannen sie im März damit, das Gelände weiter zu versorgen. Auch außerhalb, rund um Nettetal wurden Katzen gesichert, kastriert, medizinisch versorgt. Kitten kamen zur Welt auf Pflegestellen zur Welt. Die Vereinsgründung folgte wenig später. Heute ist „Wir retten Katzen e. V.“ eingetragen, die Gemeinnützigkeit greift ab dem 1. Januar 2026. Was auf dem Papier nüchtern klingt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis jahrelanger Erfahrung im Tierschutz – und unzähliger Einsätze, auch zu Uhrzeiten, zu denen andere schlafen.

Foto: Wir retten Katzen e. V.

Denn Streunerschutz kennt keinen Feierabend. Wenn ein Anruf kommt, weil eine Katze verletzt am Straßenrand liegt, weil eine Fundkatze tot aufgefunden wurde oder weil an einer Fangstelle erneut Nachwuchs droht, dann wird gefahren. Notfalls mitten in der Nacht. „Wir retten Katzen e. V.“ arbeitet dort, wo andere wegsehen. Im gesamten Kreis Viersen betreut das Team zahlreiche Futterstellen. Immer wieder werden Tiere eingefangen, kastriert, gechippt und tierärztlich untersucht. Parasitenbehandlungen gehören ebenso dazu wie die Rückführung an den angestammten Ort – gesund, versorgt und ohne weiteres Leid durch unkontrollierte Vermehrung.


Auf rund 2.000 m² erstreckt sich das Waldgrundstück von „Wir retten Katzen e. V.“, ein sicherer Rückzugsort für Katzen, die sonst heimatlos wären. Viele der Tiere könnten an ihren ursprünglichen Futterstellen nicht mehr versorgt werden oder hätten auf der Straße keine Überlebenschance. Zwischen Bäumen und Sträuchern, auf kleinen Pfaden und Lichtungen, finden sie Schutz, Rückzugsmöglichkeiten und regelmäßige Versorgung.

Mehrere kleine Hütten, gefüllt mit Stroh, bieten den Katzen geschützte, warme Schlafplätze. Selbst bei Regen, Wind oder Schnee können sie sich hier zurückziehen und ausruhen. Über das gesamte Grundstück verteilt sorgen Futterstellen dafür, dass die Tiere regelmäßig Nass- und Trockenfutter erhalten. Trinkwasser wird täglich frisch bereitgestellt, sodass die Grundversorgung jederzeit gewährleistet ist.

Katzen, die nicht an ihre alte Futterstelle zurückkehren können, werden zunächst in gesicherten Gehegen untergebracht. Dort verbringen sie etwa vier Wochen, um sich an ihr neues Revier zu gewöhnen und Vertrauen zu den Betreuern aufzubauen. Nach dieser Zeit dürfen sie sich frei auf dem Gelände bewegen, lernen die anderen Tiere kennen und finden ihren festen Platz im Revier. Regelmäßige Gesundheitskontrollen sind selbstverständlich: Jede Katze wird genau beobachtet, und bei Bedarf wird sie gesichert und tierärztlich behandelt.


Nicht immer kommt die Hilfe früh genug. Tragende Katzenmütter werden dann auf Pflegestellen gebracht. Dort finden sie Ruhe, Wärme und Sicherheit. Sie bringen ihre Kitten geschützt zur Welt, ziehen sie auf, während Menschen im Hintergrund leise helfen: füttern, reinigen, beobachten, zum Tierarzt fahren. Gesicherte Kitten, die ohne Mutter gefunden werden, wachsen ebenfalls auf Pflegestellen auf. Viele von ihnen sind zunächst scheu, kennen keine Berührung. Mit Geduld und Fürsorge werden sie gezähmt, medizinisch versorgt, geimpft – bis sie alt genug sind für ein neues Zuhause. Vermittelt wird grundsätzlich nicht allein, sondern mindestens zu zweit oder zu einem gleichaltrigen Artgenossen.

Die Arbeit des Vereins beschränkt sich dabei nicht nur auf Rettung und Pflege. Mit einem eigenen „Katzen ABC“ geben die Ehrenamtlichen ihr Wissen weiter und unterstützen neue Katzenhalter bei Fragen rund um Haltung, Verhalten und Verantwortung. Prävention spielt eine zentrale Rolle, denn jede aufgeklärte Entscheidung kann weiteres Tierleid verhindern.

Getragen wird all das von Menschen, die ihre Zeit ehrenamtlich investieren. Pflegestellen, Fangteams, Vermittler, Koordinatoren für Tierarzttermine, Helfer für Öffentlichkeitsarbeit und Spendenorganisation – sie alle greifen ineinander. Namen stehen dabei selten im Vordergrund, doch erreichbar sind sie jederzeit: Elke, Ernst und Heike koordinieren Einsätze, beantworten Hilferufe, organisieren Abläufe.

Damit diese Einsätze möglich bleiben, ist der Verein auf Unterstützung angewiesen.

Hilfe beginnt bereits mit einer Mitgliedschaft oder einer Patenschaft, durch die regelmäßige Kosten für Futter, Kastrationen, Impfungen und tierärztliche Behandlungen abgesichert werden können. Besonders dringend gesucht werden Pflegestellen, die Katzenmüttern mit ihren Kitten oder verletzten Tieren vorübergehend ein ruhiges Zuhause bieten. Auch finanzielle Spenden sind ein zentraler Baustein der Arbeit: Sie werden direkt für Tierarztkosten, Medikamente, Transportboxen und die Versorgung der Futterstellen im gesamten Kreis Viersen eingesetzt. Spenden sind sowohl über das Vereinskonto bei der Volksbank Krefeld als auch über PayPal möglich. Wer sich aktiv einbringen möchte, kann zudem bei Fangaktionen, Fahrdiensten oder in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen – jede helfende Hand entlastet das Team und verbessert die Chancen der Tiere spürbar.

Bankverbindung:
Volksbank Krefeld
IBAN: DE90 3206 0362 4061 1970 07
BIC: GENO DED1 HTK

PAYPAL: info@wir-retten-katzen-ev.de

Was bleibt, ist die Atmosphäre dieser Arbeit: das leise Schnurren einer Katze, die nach Wochen erstmals entspannt frisst; der vorsichtige Blick eines Kitten, das beginnt zu vertrauen; die Erschöpfung nach einem langen Einsatz – und das Wissen, dass es richtig war, loszufahren. Im Kreis Viersen gibt es viele Streunerkatzen. Und es gibt einen jungen Verein, der nicht wegschaut, sondern bleibt. Weitere Informationen finden sich unter www.wir-retten-katzen-ev.de. (sk)

Foto: Iqbal Nuril Anwar/Pixabay