Der Nachmittag neigte sich dem Abend zu, als sich im Forum des Kreishauses Viersen interessierte Besucher versammelten, gespannt, wissbegierig – und teils auch besorgt. Im Schein der untergehenden Sonne lockte die Veranstaltung „Klimawandel im Kreis Viersen: deine Region, dein Beitrag“, Teil der bundesweiten Woche der Klimaanpassung 2025.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Leo Dillikrath
Viersen – Unter dem Motto #GemeinsamFürKlimaanpassung sollte Forum des Viersener Kreishauses nicht nur informiert, sondern vor allem motiviert werden: Wie wirken sich die abzeichnenden klimatischen Veränderungen konkret in unserer Heimat aus – und was kann jeder Einzelne tun, um gegenzusteuern.

Deutlich wurde: Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern er verändert den Alltag auch hier vor Ort. Mehr heiße Tage im Jahr, längere Wärmeperioden und eine steigende Zahl von Tropennächten belasten die Bevölkerung ebenso wie die Natur. Gleichzeitig trocknen die Sommermonate vermehrt aus, während Starkregenereignisse punktuell zu Überschwemmungen führen und die Böden vor enorme Herausforderungen stellen. Viele Zuhörer nickten zustimmend, als davon berichtet wurde, dass selbst vertraute Landschaften im Kreis Viersen sich spürbar wandeln – Bäche versiegen, wenn die Trockenheit anhält, oder können nach Unwettern kaum noch das Wasser aufnehmen.
Besonders eindrucksvoll waren die beiden Fachvorträge, die das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten. Dr. Manuel Püttmanns von der Biologischen Station Krickenbecker Seen schilderte eindringlich, wie stark die Tier- und Pflanzenwelt bereits betroffen ist. Seltene Insektenarten verlieren ihre Nahrungsgrundlagen, Moore und Feuchtgebiete trocknen aus, und ganze Lebensgemeinschaften geraten ins Wanken. Er machte deutlich, dass der Schutz und die Wiedervernässung dieser Landschaften nicht nur die Artenvielfalt bewahren, sondern auch ein Beitrag zum Klimaschutz sind.

Paul-Christian Küskens von der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen sprach dagegen über die landwirtschaftliche Perspektive. Er schilderte anschaulich, wie Betriebe sich anpassen: mit hitzeresistenteren Sorten, angepassten Bewässerungsstrategien und einem veränderten Bodenmanagement. Auch die wirtschaftliche Seite kam dabei nicht zu kurz, denn die Landwirte stehen unter großem Druck, ihre Produktion unter schwierigen Bedingungen zu sichern und zugleich neue Wege zu finden.
Begleitet wurde der Abend von einer kleinen Ausstellung im Vorraum des Forums, die viele Besucher ins Gespräch brachte. Dort präsentierte der NABU unter anderem eine Sammlung von fast vierzig alten Apfel- und Birnensorten, die heute kaum noch jemand kennt. Zwischen rotbackigen, knorrigen und wohlklingend benannten Früchten wurde schnell klar, wie sehr sich unser Obstangebot verengt hat. Viele Sorten, die einst in den Gärten der Region selbstverständlich waren, sind in Vergessenheit geraten. Daneben lagen mediterrane Früchte, die angesichts wärmerer Sommer auch in hiesigen Gärten gedeihen können. Diese Gegenüberstellung machte eindrücklich sichtbar, wie sehr der Klimawandel selbst unseren Speiseplan beeinflusst.

Während des anschließenden Austauschs informierten Infostände über ganz praktische Fragen: Wie lässt sich ein Haus besser vor Starkregen schützen? Welche Bäume spenden Schatten und vertragen zugleich längere Trockenperioden? Welche Förderprogramme gibt es für Begrünungsmaßnahmen oder den Rückhalt von Regenwasser? Es wurde diskutiert, gefragt, und viele Besucher nahmen neue Ideen mit nach Hause. Dabei wurde spürbar, dass Klimaschutz und Klimaanpassung nicht nur Themen der Politik sind, sondern jede und jeder im eigenen Alltag aktiv werden kann – sei es durch naturnahe Gärten, das Sammeln von Regenwasser, den Verzicht auf Schotterflächen oder die bewusste Entscheidung für regionale Produkte.
Am Ende des Abends blieb der Eindruck einer lebendigen, offenen Diskussion, die weit mehr war als eine reine Informationsveranstaltung. Der Klimawandel zeigte sich in vielen Facetten – als globale Herausforderung, die in Viersen ganz konkret spürbar wird, und als Aufgabe, bei der es auf das Handeln jedes Einzelnen ankommt. Zwischen alten Apfelsorten, eindringlichen Fakten und praktischen Tipps entstand ein Bewusstsein dafür, dass die Region nicht nur Betroffene, sondern auch Akteurin sein kann. (sk)





