70 Jahre Stimme für die Gemeinschaft: Liedertafel ehrt ihr dienstältestes Mitglied

Im Bürgerhaus Dülken trat der MGV Musikverein Liedertafel 1824 Dülken e.V. am Dienstagabend zu seiner Jahreshauptversammlung zusammen und blickte auf ein Vereinsjahr zurück, das von Auftritten, Feiern, Abschieden und vielen kleinen Momenten des Zusammenhalts geprägt gewesen war.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Leo Dillikrath

Viersen-Dülken – Nun mag sich eine Jahreshauptversammlung eher trocken anhören, nicht aber bei dem MGV Musikverein Liedertafel 1824 Dülken e. V. Denn der Abend stand dabei nicht nur im Zeichen der Regularien, sondern vor allem im Zeichen eines Jubilars, dessen Name in der Liedertafel seit Jahrzehnten mit Verlässlichkeit und musikalischer Treue verbunden ist: Heinz Janissen. Der 87-Jährige wurde für 70 Jahre Chorsingen geehrt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Janissens Weg begann in Dilkrath, wo er seine sängerische Laufbahn aufgenommen hatte, bevor er später in die Liedertafel Dülken eintrat. Dort hatte er sich mit seiner Bassstimme schnell zu einer tragenden Säule des Chores entwickelt. Bis vor wenigen Jahren hatte er zudem im Vorstand mitgearbeitet und über längere Zeit als Kassierer das Vereinsgeschehen mit großer Sorgfalt begleitet. Auch die größte Konzertreise in der Geschichte der Liedertafel vor exakt 50 Jahren nach Denver im US-Bundesstaat Colorado war ohne seinen Anteil kaum denkbar gewesen. Es war ein Abend, an dem nicht nur die Vergangenheit gewürdigt wurde, sondern auch jener Satz, der wie ein stilles Leitmotiv über der Feier stand: Singen in Gemeinschaft hält jung.

Die turnusmäßigen Wahlen brachten für die Vereinsarbeit Kontinuität. Rolf Dollase wurde erneut zum 1. Vorsitzenden gewählt, Karl Hans Weber übernahm wieder das Amt des Notenwarts, dazu kamen Klaus Heussen, Ralf Schaffelke und Rolf Wilhelm als Beisitzer. Damit stellte sich der Verein organisatorisch für die kommenden Monate auf eine vertraute und belastbare Basis.

Der Rückblick, den Heiner Antwerpes als Protokollführer zusammengetragen hatte, zeigte eindrucksvoll, wie lebendig das Vereinsleben im zurückliegenden Jahr gewesen war. Bereits am 3. Dezember 2025 hatte die Liedertafel die Weihnachtsfeier des Dülkener Bauvereins musikalisch begleitet. 15 Sänger trafen sich zunächst im Proberaum zum Einsingen und gingen anschließend zum Kaffeetrinken in den Saal des Bürgerhauses. Nach Kuchen und Stärkung begann der Auftritt mit „Ich glaube“, gefolgt von „Advent du stille Zeit“, „Little Drummer Boy“ und „Weihnachten bin ich zu Haus“. Die beiden letzten Titel wurden von Jürgen am Piano begleitet.

Nur wenige Tage später, am 6. Dezember 2025, fand die eigene Weihnachtsfeier der Liedertafel im Dülkener Bürgerhaus statt. 39 Teilnehmer aus der Liedertafel-Familie kamen zusammen. Rolf Dollase und seine Frau Jutta mussten krankheitsbedingt ebenso fehlen wie Paul und Susanne Mevissen; auch Marlies Inderfurth sagte kurzfristig ab. Umso mehr freuten sich die Anwesenden über den Besuch von Ehren-Schirmherr Frank Langweiler und Ehrenchorleiter Edi Riethmacher mit seiner Frau Agie. Nach dem traditionellen Essen, dem „Falschen Hasen“, und einem weihnachtlichen Tiramisu wurde unter der musikalischen Leitung von Jürgen am Piano und mit Unterstützung von Edi gesungen. Auf dem Programm standen erneut „Ich glaube“, „Advent du stille Zeit“, „Little Drummer Boy“ und „Weihnachten bin ich zu Haus“. Alles klappte reibungslos, die Begleitung war gewohnt sicher, und die Stimmung war so gelöst, dass später noch lange gefeiert wurde.

Ein Höhepunkt des Abends war die Wiederbelebung des „Hexens“, die Rolf Wilhelm angestoßen hatte. Er hatte zehn schöne Preise besorgt; pro Karte wurden zwei Euro aufgerufen. Zusammen mit dem zweiten Vorsitzenden und Kassierer Uli führte er durch die Aktion. Der erste Preis, ein Gutschein von der Wein Gang, ging an Jürgen Lawrenz, dem für seine musikalische Unterstützung und seine kölschen Lieder besonderer Dank galt. Seine Beiträge sorgten im weiteren Verlauf für Mitsingen und Schunkeln. Auch das Team des Bürgerhauses erhielt Lob für seine freundliche und flotte Bewirtung.

Am 11. Dezember 2025 trat die Liedertafel mit 14 Sängern im Bodelschwingh Altenheim auf der Tilsiter Straße auf. Nach dem Einsingen im Musikraum sang der Chor in der gut gefüllten Cafeteria zunächst die bereits vertrauten Weihnachtslieder „Ich glaube“, „Advent du stille Zeit“, „Little Drummer Boy“ und „Weihnachten bin ich zu Haus“. Die Bewohner sangen die traditionellen Lieder mit sichtbarer Hingabe mit. Musikalisch begleitet wurde der Auftritt von Jürgen am Akkordeon. Zum Abschluss erklangen noch „Wer hier mit uns will fröhlich sein“ und „Gloria tibi Dülken“. Ein besonderer Blickfang und zugleich eine liebevolle Geste waren die 40 musikalischen Engel, die Karl Hans Weber unter seiner Leitung ausgesägt, veredelt und rot lackiert hatte. Sie wurden zu Beginn auf den Tischen verteilt und fanden große Anerkennung bei Heimleitung und Bewohnern.

Auch im neuen Jahr blieb die Liedertafel aktiv. Am 5. März 2026 kamen zehn Sänger am Abend bei Michael Meyer auf der Tilburger Straße zusammen. Karl Hans Weber hatte dort in stundenlanger Arbeit Dülkener Motive ausgesägt und ein kunstvolles Werk geschaffen, das nun eingeweiht wurde. Am 24. März stand eine Notenaktion an. Fünf Sangesbrüder trafen sich mittags bei Christian Meyer in der Gasse gegenüber der Sparkasse, um die von Rolf Wilhelm gelieferten Noten einzulagern. Auch solche organisatorischen Aufgaben gehörten zum Vereinsalltag und sicherten die musikalische Arbeit im Hintergrund.

Am 7. April 2026 begleitete die Liedertafel ihren langjährigen Sangesbruder Reinhold Cremers auf seinem letzten Weg. Mit 14 Sängern und unter dem Dirigat von Jürgen erklangen in der Friedhofskapelle die Lieder „Die Rose“, „Sanctus (heilig, heilig)“ und „Frieden“. Es war ein stiller, würdevoller Abschied, bei dem die kräftige erste Tenorstimme von Reinhold Cremers in Erinnerung gerufen wurde – und fehlen wird.

So zog sich durch das Vereinsjahr ein roter Faden aus Gesang, Treue und Zusammenhalt. Auftritte, Feiern und persönliche Momente hatten die Gemeinschaft weiter gestärkt. Zugleich war es gelungen, einen weiteren neuen Sänger für die Chorgemeinschaft zu gewinnen. Der Blick des Vereins richtete sich deshalb mit Zuversicht nach vorn. Am Ende des Rückblicks dankte Heiner Antwerpes besonders Chorleiter und 1. Vorsitzendem Rolf Dollase. Ohne dessen Engagement und Leitung, so machte der Rückblick deutlich, wäre die Liedertafel nicht das, was sie war und ist. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath