Viersener Skatspieler schreibt Europameisterschaftsgeschichte

23. Offene Skat-Europameisterschaft in Slowenien: Guido Frieters wird mit Belgien Vize-Europameister.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Foto: Privat

Laško (Slowenien)/Viersen – Eine Woche lang stand die idyllische slowenische Kurstadt Laško ganz im Zeichen von Herz, Karo, Pik und Kreuz. Vom 30. August bis zum 6. September 2025 traf sich dort die kontinentale Elite des Skatsports zur 23. Offenen Skat-Europameisterschaft der ISPA World e. V.. 237 Spielerinnen und Spieler aus ganz Europa, dazu 17 Nationalteams, 31 Mixed-Paare und 69 Tandems – das Turnier bot Kartenspiel auf höchstem Niveau.

Mittendrin: Guido Frieters aus Viersen, 59 Jahre alt, leidenschaftlicher Skatspieler, Vereinsmitglied bei den Heidebuben Grefrath, den Skatwölfen Neuss und beim belgischen Verein „Ohne Elf“ aus Kelmis. Und er hatte Grund zur Freude: Mit der belgischen Nationalmannschaft holte er den Vize-Europameistertitel – nur geschlagen von der deutschen Auswahl.

„Mein Vater hat mir das Skatspielen beigebracht, da war ich zwölf“, erzählt Frieters, der Süchtelner, der in Viersen lebt, verheiratet ist und eine erwachsene Tochter hat. „Bis heute spielen wir in der Familie regelmäßig kleine Runden. Dieses Spiel hat mich nie losgelassen.“

Aus der anfänglichen Freizeitbeschäftigung wurde im Laufe der Jahrzehnte eine echte sportliche Leidenschaft. Frieters nimmt seit vielen Jahren an nationalen und internationalen Turnieren teil, reist zu Meisterschaften und pflegt ein Netzwerk von Skatfreunden quer durch Europa. Dass er inzwischen sogar Nationalspieler für Belgien ist, verdankt er seiner Mitgliedschaft im dortigen Verband. „Dafür bin ich meinen belgischen Skatfreunden sehr dankbar. Wir sind ein tolles Team – mit viel Zusammenhalt und Freude am Spiel.“ Der Erfolg gibt ihm recht: Bereits 2024 konnte Frieters mit Belgien die Vize-Weltmeisterschaft auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt feiern. Nun gelang in Slowenien der nächste Coup: Rang zwei bei der Europameisterschaft.

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Die Nationenwertung der EM war hart umkämpft. Gespielt wurde in vier Serien, jede bestehend aus zahlreichen Einzelpartien. Am Ende triumphierte die deutsche Auswahl mit einem deutlichen Vorsprung: 47.775 Punkte sammelte das zwölfköpfige Topteam – mehr als 5.000 Punkte vor den Belgiern. Dennoch war der zweite Platz für Frieters und seine Mannschaft ein Triumph. „Wir haben uns in der letzten Serie noch auf Platz zwei geschoben – das war ein tolles Gefühl“, so der Viersener.

Neben der Nationenwertung wurden in Laško auch weitere Wettbewerbe ausgetragen: Beim Großen Preis der Terme Olimia siegte Günter Drabner (Müsselbuben Oldenburg) vor José Schneider (ISPA Belgien) und Michael Krämer (Tornados). Auch in Mixed- und Tandemwertungen zeigten sich spannende Duelle.

Dass Skat weit mehr ist als ein Zeitvertreib, wurde bei der Europameisterschaft einmal mehr deutlich. „Skat ist Denksport und sportliche Herausforderung zugleich“, erklärt Frieters. „Natürlich spielt das Glück beim Kartengeben eine Rolle. Aber entscheidend sind Können, Taktik, Erfahrung und Geduld.“

Das Spiel entstand 1813 im thüringischen Altenburg, das heute stolz den Titel „Skatstadt“ trägt. Seitdem hat sich Skat zur beliebtesten deutschen Kartenspiel-Disziplin entwickelt. Mit 32 Karten, zehn pro Spieler und dem „Skat“ als Reserve, entsteht ein spannendes Strategiespiel, bei dem ein Alleinspieler gegen die beiden Gegenspieler antritt. Die Regeln sind komplex, die Fachbegriffe vielfältig – und doch ist Skat für viele Generationen ein verbindendes Element. 2016 wurde es von der Deutschen UNESCO-Kommission als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Genau diese verbindende Kraft erlebte man in Laško: 237 Spielerinnen und Spieler aus verschiedensten Ländern, von Jung bis Alt, fanden in Slowenien zusammen. Die Präsidentin der ISPA World, Rosita Rodehüser, eröffnete das Turnier feierlich. Eine Woche lang herrschte in den Spielsälen konzentrierte Spannung, aber auch Geselligkeit und Freundschaft. Für Frieters ist das genau der Reiz am Skat: „Es ist ein Spiel, das Menschen zusammenbringt. Egal ob am Küchentisch oder auf internationalem Parkett – man findet sofort Anschluss.“

Neben seinem Engagement in Belgien bleibt Frieters auch seiner Heimatregion treu. Mit den Skatwölfen Neuss stieg er jüngst in die Bundesliga auf – ein weiterer Meilenstein seiner Karriere. „Wir haben eine großartige Mannschaft, die sehr viel Herzblut investiert. Darauf bin ich stolz“, sagt er. Die nächste große Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten: Schon 2026 steht die Weltmeisterschaft an – wieder unter der Regie der ISPA. Ob im Team Belgien oder als Einzelspieler: Guido Frieters will erneut vorne mitmischen.

Dass Skat heute international so beliebt ist, zeigt sich auch an seiner Geschichte. Schon Richard Strauss soll in seiner Oper „Intermezzo“ eine Skatpartie vertont haben, in Altenburg erinnert der „Skatbrunnen“ an die Ursprünge des Spiels. Und während in vielen Gaststätten nach wie vor Preisskats gespielt werden, ist der Sport längst professionell organisiert: mit Ligen, Ranglisten und Meisterschaften – bis hinauf zur Bundesliga, in der nun auch die Skatwölfe Neuss vertreten sind.

Was aber treibt jemanden wie Guido Frieters an, so viel Zeit und Energie in ein Kartenspiel zu investieren? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Es ist Leidenschaft. Skat fordert den Kopf, schärft das Denken, bringt mich mit Menschen zusammen. Für mich ist es einfach ein Teil des Lebens.“ Ein Teil, der ihn nun sogar auf das internationale Siegerpodest geführt hat – als Vize-Europameister mit Belgien. Und wer den sympathischen Viersener kennt, der weiß: Dies war sicher nicht sein letzter großer Erfolg. (sk)

Das belgische Team holte sich den Titel des Vize-Europameisters. Foto: Privat