Krönung einer närrischen Liebe: Sandra I. und Ralf I. übernahmen die Regentschaft in der Stadt mit dem Stripke

Wer am Samstagabend am Dülkener Bürgerhaus vorbeikam, der hörte es schon von Weitem: ein fröhliches Lachen, rhythmisches Klatschen, Trommelwirbel – und das unmissverständliche „Gloria tibi Dülken!“. Drinnen bebte der Saal, als die närrische Hochburg am Niederrhein ihre neuen Tollitäten feierte: Sandra I. und Ralf I., das frisch proklamierte Prinzenpaar der Session 2025/26.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming

Dölke – Schon der Auftakt versprach Gänsehaut pur. Auf der Bühne begrüßten Günter Jansen, Präsident des Vaterstädtischen Vereins Dülken, und Sitzungspräsident Philipp Braun die zahlreichen Jecken, bevor mit Musik und einem Meer aus verschiedenen Farben die Abordnungen der Dülkener Karnevalsvereine feierlich einzogen. Im Saal des Bürgerhauses erwartete sie in buntes Bild aus Uniformen, Orden und Fröhlichkeit – eben ein besonderes Jeföhl, wie man es hier, im Herzen des Dölker Karnevals, ganz besonders erleben kann.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Und dann – endlich! – ertönten die ersten Takte von „Gloria tibi Dülken“, dicht gefolgt von „Bella Napoli“ und dem augenzwinkernden Hit der Bonner Band Druckluft „Karnevalsmaus“. „Eins, zwo, drei, man kennt mich in jedem Saal, kann jedes kölsche Lied, das es jemals gab, bin das rot-weiße Wikipedia, Fastelovend lässt mich fliegen wie Peter Pan“, der Saal sang zu Ehren der neuen, jecken Regenten. Unter Jubel und Standing Ovations marschierten Sandra I. und Ralf I. durch das Spalier der Narren. Sie winkten, lachten, strahlten – und ganz Dülken strahlte mit.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Als der Moment der Proklamation kam, hielt der Saal für einen Augenblick den Atem an. Die Narrenakademie Dülken übergab gemeinsam mit Bürgermeister Christoph Hopp sowie der stellvertretenden Bürgermeisterin Simone Gartz feierlich die Insignien der Macht – und krönte damit das Paar, das ab sofort die Dülkener Narrenwelt regieren darf. Es war der Augenblick, auf den die beiden über ein halbes Jahr lang hingefiebert hatten. Prinz Ralf I. und an seiner Seite seine Prinzessin Sandra I. … nicht nur in der 5. Jahreszeit, mit einem Lächeln, das jedes Herz erreichte. Es war ihr Augenblick. Unvergesslich! Sensationell!

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Hinter den glänzenden Kostümen, dem schillernden Ornat und der strahlenden Bühnenpräsenz steckt ein Paar, das mitten im echten Leben steht – und dabei Herz, Humor und Heimatliebe zu einem närrischen Gesamtpaket verbindet. Sandra Giesen, die in dieser Session als Prinzessin Sandra I. die Dülkener Narrenschar begeistert, stammt ursprünglich aus Süchteln, wo sie schon früh ihre Liebe zum Karneval entdeckte. Beruflich hat sie festes Terrain unter den Füßen: Als Diplom-Vermessungsingenieurin unterrichtet sie am Berufskolleg für Technik und Medien in Mönchengladbach angehende Vermessungstechniker – mit der gleichen Geduld, Genauigkeit und Leidenschaft, die sie nun in ihre Rolle als Prinzessin einbringt.

An ihrer Seite steht Ralf Groschopp, der als Prinz Ralf I. kein Unbekannter in der Dülkener Kulturszene ist. Der gebürtige Dülkener ist Lehrer an der Ganztagshauptschule in Hückelhoven, wo er Deutsch, Englisch und Musik unterrichtet – und spätestens da merkt man: Musik ist sein Lebenselixier. Seit über zwanzig Jahren steht er mit seiner Band „The Greyhounds“ auf der Bühne, singt, spielt Klavier und begeistert sein Publikum mit Stimme, Charme und einem Augenzwinkern. In seiner Freizeit zieht es ihn regelmäßig über den Kanal – als glühender Fan des Liverpool FC ist er regelmäßig auf der Insel unterwegs.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Privat bilden die beiden eine lebendige Patchwork-Familie mit drei Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren – eine kleine, fröhliche Karnevalscrew, die weiß, wie man Leben und Lachen unter einen Hut bekommt. Ob beim Knobeln in Escape Rooms, beim Puzzeln oder bei spontanen Musiksessions – bei Sandra und Ralf wird es nie langweilig. Ihre Liebe zum Karneval hat die beiden schon früh verbunden, doch dass sie einmal gemeinsam die Dülkener Narrenschar anführen würden, war lange nur ein Traum.

Mit ihrer offenen Art, ihrer humorvollen Bodenständigkeit und ihrem Herz für die Menschen verkörpern Sandra I. und Ralf I. genau das, was den Dülkener Karneval ausmacht: Nähe, Lebensfreude, Gemeinschaft und eine große Portion Herzblut. Sie sind kein Prinzenpaar aus der Distanz, sondern mitten unter den Leuten – greifbar, echt und voller Energie. Für Dülken sind sie weit mehr als nur Regenten für eine Session: Sie sind Botschafter des Frohsinns und das beste Beispiel dafür, dass der Karneval immer dort am schönsten ist, wo er mit Leidenschaft gelebt wird.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Und genau so war es im Dülkener Bürgerhaus an diesem Abend. Kaum war der „offizielle Teil“ verklungen folgte eine karnevalistische Gala voller Überraschungen, Emotionen und Musik. Den Auftakt machte ein völlig unerwarteter, elektrisierender Überraschungsauftritt der Band „The Greyhounds“ — und wer stand am Mikro? Kein Geringerer als Prinz Ralf I. selbst.

Mitten in der Proklamationsnacht verwandelte sich das Bürgerhaus binnen Sekunden in eine rockige Karnevalsbühne: Schlagzeug, Gitarrenriffs und Stimmen, die sofort jeden einzelnen Saalplatz erreichten. Die Bandmitglieder, teils als stolze Recken aus der Prinzengarde erkennbar, lieferten ein Zusammenspiel und eine Bühnenpräsenz, die man so bei einer Proklamation nur selten erlebt. Als Hymne erklang das eigens adaptierte Gardelied „Dölke jeht steil“ auf die kultige Melodie von Sweet Caroline — und die Menge war sofort im Sog: Arme hoch, Mitsingen, Gänsehaut.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Auf der Bühne durften zudem die Darbietungen der Dülkener Vereine nicht fehlen, und so eroberte die Tanzgarde der KV de Üüle mit Präzision, Energie und ansteckender Freude das Publikum, welches sowieso schon längst mehr als eine Stimmungsrakete gezündet hat. Ihnen folgte der Orpheumschor. Manch einer summte schon beim ersten Refrain mit, kraftvolle Stimmen schwangen in den hintersten Winkel des Bürgerhauses. Schon seit Tagen arbeiten die Mitglieder des Orpheums hinter dem Vorhang an ihrer ganz eigenen Kulisse, denn bald steht schließlich auch ihre wunderbare Spielzeit wieder an.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ein weiterer Höhepunkt: die Showtanzgruppe „Lollipop“ aus Nettetal. In glitzernden Kostümen und mit akrobatischen Choreografien tanzten sie sich mitten in die Herzen des Publikums. Es war ein Feuerwerk aus Farben, Licht und Bewegung – pure Lebensfreude!

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Zu den Gratulanten zählte ebenso die Prinzengarde aus Straelen … natürlich mit besonderer Begleitung. Was für ein Aufritt es Prinzen … da fehlen der Berichterstatterin glatt die Worte!

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Kaum war der Applaus verklungen, betrat ein Künstler die Bühne, der das Publikum im Sturm eroberte: Zauberer und Comedian Schmitz-Backes. Mit gestreifter Krawatte, spitzem Witz und magischem Fingerspitzengefühl sorgte er für lautes Lachen und offene Münder. Seine Kunststücke – ein verschwindender Geldschein hier, ein „hellseherischer“ Kartentrick dort – brachten gestandene Karnevalisten zum Grübeln.

Zwischen all dem Spaß blitzt seine Botschaft durch: Humor und Herzblut sind die wahre Magie des Lebens. Kein Wunder, dass der vielfach ausgezeichnete Künstler, Träger des „Goldenen Xaver“ und „Künstlers des Jahres 2025“, das Publikum restlos verzauberte. Da sich aufgrund des Nebels sie letzte Band ein wenig später als geplant im Bürgerhaus einfand, wurde kurzerhand eine lange Polonaise gebildet. Jecke wissen eben immer, wie sie die Zeit überbrücken.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Zum Finale stürmte die energiegeladene Karnevalsband „Krawall“ aus Eschweiler die Bühne – und der Name war Programm. Mit satten Beats, donnernden Bläsern und unbändiger Spielfreude brachten sie die Stimmung endgültig zum Überkochen. Frontmann Joschi Kugel und seine Mitmusiker Torge Jöris, Simon und Laurenz Grün sowie Dennis Pitz gaben alles, was Karnevalsmusik groß macht: Humor, Energie, Lebensfreude. Niemand saß mehr – alle standen, sangen, klatschten, lachten. Mit Sandra I. und Ralf I. hat die Stadt ein Prinzenpaar, das Herz, Humor und Heimatliebe perfekt vereint. Eine Session steht bevor, die laut wird, bunt, herzlich – und ganz sicher: im eigenen Style! (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming