Wo Schritte im Dunkel klangen: Boisheim tauchte in den Nikolauszauber ein

Boisheim erlebte in diesem Jahr wieder einen ganz besonderen Nikolaustag und auch am Abend zuvor wurde geduldig auf den Heiligen Mann gewartet. Sobald die Dämmerung einsetzte und der Duft von Kaminholz über den Häusern hing, verwandelte sich das Dorf in eine Bühne gelebter Traditionen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Boisheim – Schritte im Kies, gedämpftes Flüstern, kündigten jene Besucher an, auf die Kinder wie Senioren gleichermaßen gewartet hatten: Zehn Nikoläuse in leuchtend roten Mänteln, die Seite an Seite mit einem Knecht Ruprecht unterwegs waren, der trotz seiner dunklen Gewandung mehr Zuversicht als Furcht verbreitete.

Organisiert wurde die besondere Aktion vom St.-Martins-Verein Boisheim, der sich auch in diesem Jahr mit beeindruckender Präzision und viel Herzblut auf den Weg machte, den Geist des heiligen Nikolaus lebendig werden zu lassen. Das gleichmäßige Klopfen an den Haustüren, das Rascheln des schweren Mantelstoffs und das fröhliche Lachen aus Vorgärten fügten sich zu einer Atmosphäre, in der sich Tradition und Gegenwart auf fast magische Weise berührten.

Foto: Verein

Während der Nikolaus mit warmen Worten und freundlicher Geste die Kinder empfing, schritt Ruprecht mit bedächtigem Tempo an seiner Seite. Und obwohl seine Kutte dunkel glänzte und die historische Rolle einst streng und mahnend angelegt war, blitzte häufig ein verschmitztes Lächeln unter seiner Kapuze hervor. Der Helfer, der in der Geschichte oft als Schreckfigur diente, wandelte sich in Boisheim zu einem ruhigen Begleiter, der die Begegnungen eher abrundete als dominierte. Er wirkte wie ein stiller Wächter alter Bräuche, der aber genau wusste, dass seine Aufgabe heute nichts mit Drohen, sondern mit Verbundenheit zu tun hat.

Als am nächsten Tag die Sonne über den Wintermorgen kletterte, setzten die Mitglieder des Vereins ihre Aktion fort. Diesmal standen die älteren Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt: Über 75-Jährige öffneten ihre Türen und erhielten liebevoll verpackte Weckmänner. Viele von ihnen verweilten einen Moment länger im Türrahmen, erzählten, lachten, tauschten Erinnerungen aus.

Für den St.-Martins-Verein Boisheim bedeutete die zweitägige Aktion erneut ein intensives Stück Gemeinschaftsarbeit. Wochenlange Vorbereitung, eingespielte Abläufe und eine große Portion Idealismus sorgten dafür, dass Tradition nicht museal wirkt, sondern lebendig bleibt. Die Ehrenamtlichen bewegten sich wie selbstverständlich durch die Straßen, und überall dort, wo sie anhielten, nahm der Ort für einen Augenblick einen festlichen Glanz an. Gespräche verstummten, Kinderaugen weiteten sich, und selbst Erwachsene schienen wieder ein Stück der staunenden Vorfreude ihrer Jugend zu spüren. (nb)

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