Mit der großen Kindersitzung der Jugendabteilung der KG Op de Höh Uerdingen West 1952 e.V. wurde am gestrigen Sonntag die Baslar Eventlocation in Krefeld-Linn zum närrischen Treffpunkt für Familien aus der gesamten Region. Vor ausverkauftem Haus erlebten mehrere hundert kleine und große Jecken ein buntes, mehrstündiges Programm aus Gardetanz, Mitmachaktionen und Musik … getragen von der karnevalistischen Nachwuchsarbeit einer der größten Karnevalsgesellschaften Uerdingens.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming
Krefeld-Uerdingen – Was für ein Nachmittag — als hätte die Baslar Eventlocation in Krefeld-Linn kurzzeitig eine eigene fünfte Jahreszeit erhalten: bunt, laut, herzlich, mit einem Meer aus strahlenden Kinderaugen. Am ersten Februartag verwandelte sich die Halle in ein karnevalistisches Universum, in dem die Jugendabteilung der KG Op de Höh Uerdingen West 1952 e.V. eindrucksvoll zeigte, warum sie seit Jahrzehnten das Herz der Uerdinger Kinderfastnacht ist. „Met öch wolln mer fiere“ stand über allem — und gefeiert wurde, bis der letzte Luftballon in einer Kinderhand landete.

Vor ausverkauftem Haus setzte sich die Stimmung wie ein Feuer: bereits beim Einlass standen Familien in freudiger Erwartung Schlange, an den Tischen raschelten Lose für die große Tombola, und auf der Bühne kündigte eine riesige Wandprojektion jede Szene so groß an, dass auch die hintersten Reihen jeden Schritt sehen konnten.
Die Moderation übernahmen Vichy und Sarah — eloquent, witzig und mit jener kindgerechten Energie, die sofort Brücken zu den kleinen und großen Gästen schlug. Ihre Stimmen waren das Kompasslicht durch das Programm: mal neckisch, mal pathetisch im besten Karnevalssinne, immer eingebunden ins Mitmachprogramm, zu dem die ganze Halle aufgefordert wurde.

Der Auftakt gehörte den Kleinsten — und was für ein Auftakt: die Bambinis der KG Op de Höh Uerdingen West stürmten die Bühne, als hätten sie jahrelang für diesen Moment geprobt. Die Choreografie war frisch, die Kinder strahlten, kicherten und ließen die Uniformen im Takt tanzen. Eltern wischten Tränen der Rührung weg, Omas klatschten im Takt, und das Publikum antwortete mit einem ohrenbetäubenden Applaus, der den Saal zum Vibrieren brachte. Die Kamera der Wandprojektion fing jede Mini-Geste ein — von der zappelnden Fußspitze bis zum großen Finale — und zauberte die kleinen Gesichter in Großaufnahme auf die Rückwand.
Es sollte an diesem Tag nicht die einzige Garde der gastgebenden Gesellschaft sein … im späteren Verlauf wurde die Bühne zur Mallorcapalette: die Mittelgarde präsentierte ihren Showtanz zum Thema „Mallorca“ — Sonne, Strand und eine Choreografie, die lässige Partyvibes mit akkurater Gardetanztechnik verband. Es war eine Hommage an das Feiern selbst, kindgerecht, aber mit einer Power, die sogar die Erwachsenen zu spontanen Schunkelversuchen animierte.

Die „Großen Garden“ der Jugendabteilung rundeten das eigene Repertoire mit majestätischem Schwung ab: Die Kompositionen auf der Bühne wechselten von traditionellem Gardetanz zu modernen Showelementen, und die Gardistinnen zeigten, dass in Uerdingen Tradition und Innovation Hand in Hand gehen.
Nun haben wir einen ganzen Teil des Programms übersprungen, also noch einmal zurück, denn wir wollen einen weiteren, tänzerischen Leckerbissen nicht vergessen: Die Minigarde der Braunschweiger Narrenzunft Uerdingen am Rhein e.V., die älteste Karnevalsgesellschaft Uerdingens, betrat die Bühne. Die kleinsten Tänzerinnen — zwischen drei und zehn Jahren — traten mit unbändigem Stolz auf und zeigten, was kleine Beine ganz groß machen können. Die Gruppe, die sich montags eine Stunde im Oscar-Romero-Haus in Gartenstadt getroffen hatte, präsentierte einen Tanz, der sicht- und hörbar die Handschrift ihrer Trainerinnen trug: Christiana Schneberger, Céline Thönnißen und Gina-Maria Arndt hatten mit Geduld und liebevoller Strenge eine Nummer geformt, die technisch sauber und doch verspielt war.
Begleitet wurden die kleinen Stars von ihren Betreuerinnen Tanja Thönnißen, Birgit Stotz-Stier und Janine Schmeitz, deren Präsenz im Flügelraum der Bühne ein beruhigendes Sicherheitsnetz bildete — immer bereit, eine Hand zu reichen oder ein aufgeregtes Lächeln zu erwidern. Die Kinder winkten in die Menge und ernteten Szenenapplaus, der die Trommelfelle prickeln ließ.

Dazwischen sorgte ein Mann für magische Momente auf Augenhöhe mit den Kindern: Maik, der Ballonkünstler aus Emmerich, baute aus zahlreichen Ballons kleine Welten. Er zauberte ein Farbengalopp aus Tieren, Schwertern und fantasievollen Kopfbedeckungen. Sein Auftritt war eine Show im Kleinformat: Geschichten, die mit Luft gefüllt wurden, Figuren, die sich vor Kinderaugen formten, und ein unaufdringliches Erzähltalent, das Kinder zum Staunen und Lachen brachte.
Maiks Weg zum Ballonzauber wirkte wie aus einem Märchen: erst die Faszination für einen niederländischen Ballonclown im Freizeitpark, dann die Jahre als Kinderzauberer, und schließlich die Entscheidung, sich auf die bunte Kunst des Ballonmodellierens zu konzentrieren. Seine Hintergrundgeschichte als ausgebildeter Kindheitspädagoge gab seinen Shows Tiefe — er verstand es, die Aufmerksamkeit der Kinder zu halten, sie in die Performance einzubeziehen und jedem Kind am Ende eine individuelle Ballonfigur mitzugeben.

Emotionaler Höhepunkt des Nachmittags war der Auftritt der Uerdinger Kinderprinzessin, Leonie II., begleitet von Karla und Tabea sowie den Begleitgarden. In einem Moment, der von Stolz und Tradition durchdrungen war, führte die Kinderprinzessin eine tänzerische Parade an, die Würde, Jugendlichkeit und karnevalistische Grandezza vereinte. Die Begleitgarden stiegen neben ihr auf, funkelnde Orden und ein Chor aus „Oeding Helau“ verdichteten die Szene zu einem echten Tollitäten-Auftritt, bei dem selbst hartgesottene Narren kurz innehielten.

Musikalisch fegte dann Nilsen über die Bühne — ein DJ und Kinderliedermacher, dessen sonnige Elektro-Beats die Halle in Sekundenschnelle in eine Sing-und-Tanz-Maschine verwandelten. Seine Songs wie „Sommerferien“, „Krise mit der Frise“ oder „Weg mit Plastik“ zündeten ungeahnte Mitsing-Explosionen; Kinder rannten zur Bühne, Arme in die Luft, und die erwachsenen Begleiter sangen mit, weil die Texte nicht nur eingängig, sondern durchaus clever waren. Nilsen — bürgerlich Nils Mechlinski, Jahrgang 1995, aus Rhade/Dorsten — verband elektronische Pop-Produktion mit kindgerechten Themen: von Haustieren bis Klimafragen. Seine Biografie, die vom Jugendbegleiter über ein FSJ in Jugendklöstern bis hin zur Rückkehr in die Heimat führte, spiegelte sich in seiner Bühnenpräsenz: empathisch, energiegeladen, mit dem richtigen Maß an Ansporn für Kinder, mitzutanzen und mitzusingen. Auf der Bühne war er ein Magnet; seine Auftritte bei Formaten wie Toggo, KIKA und RADIO TEDDY waren spürbar in jedem Takt.

Zwischen Jubel und Musik kam immer wieder der Gedanke auf: Diese Jugendabteilung ist mehr als nur ein Veranstalter — sie ist Institution. Die Wurzeln dieser Gemeinschaft reichen bis in die 1960er Jahre zurück: Am 26. April 1967 hatten Hermann Scheele und Heinz Börgards die Jugendabteilung der KG Op de Höh – Uerdingen West gegründet. Schon 1968 formierten sich Jugendliche zur ersten eigenen Tanzgruppe, betreut von Käthe Kallus und Alfred Hardenbicker; und am 28. Januar 1968 gelang im Saal Sommer-Gather, mit Unterstützung der Jungpaulaner aus Köln unter der Leitung von Hanni Brück, ein erster großer Sitzungserfolg.
Namen wie Hanni Kratz, die als Ehrensenatorin die Schirmherrschaft übernahm, tauchten als prägende Gestalten der frühen Jahre auf. 1977 regte Frau Kratz die Gründung des „Elferrat – Rhienkadetten“ an, und alsbald setzte die Jugendabteilung immer wieder neue Impulse: zum zehnjährigen Bestehen wurde erstmals ein Uerdinger Kinderprinzenpaar aus den eigenen Reihen gestellt; 1992 war die Abteilung Gastgeber des 13. Kinderprinzentreffens von Nordrhein-Westfalen; 1998 startete das Kinderspielfest als alternative Form des Kinderkarnevals, das ab dem Jahr 2000 mit der Sparkasse Krefeld und dem Knax-Team einen festen Partner fand.
Seit 2003 organisierte die Jugendabteilung zusammen mit dem KZV Uerdingen das Kinderprinzentreffen NRW vor dem Rathaus, eine Veranstaltung, die von bis zu 15 Kinderprinzenpaaren aus nah und fern besucht wurde. All diese Etappen erklärten, warum die heutige Jugendabteilung mit ihren drei Garden (Bambinis, Minigarde, Mittelgarde) und mehr als 50 Kindern — im Alter von 4 bis einschließlich 18 Jahren — so fest verwurzelt ist. Die Arbeit wird bis heute fast ausschließlich durch Sponsoren getragen, damit der Mitgliedsbeitrag für alle Kinder erschwinglich blieb; Ehrenamtliche und langjährige Jugendleiter wie Uwe Rutkowski, der seit 2003 die Leitung innehatte und seit Jahrzehnten Präsident der Jugendabteilung war, sorgten für Kontinuität.
Der Tag in der Baslar Eventlocation war deshalb nicht nur Show: er war das lebendige Ergebnis einer halben Jahrhundertarbeit an Brauchtumspflege, ehrenamtlichem Einsatz und kindlicher Freude. Überall waren Helfer in Aktion, Lose wanderten über Tresen, Betreuer sorgten für ruhende Kinderherzen, und Sponsoren — unsichtbare, aber spürbare Unterstützer — machten mit ihren Beiträgen den Eintritt erschwinglich und das Programm möglich.Die Kinder sammelten Erinnerungen — Ballons, kleine Gewinne, Fotos — und die Stadt bekam wieder einmal gezeigt, dass Karneval in Uerdingen lebt, atmet und weitergegeben wird. Oeding Helau! (sk)





