Griechenland/Chalkidiki: „Auf Sithonia gründet man eine Familie“ oder der „Dreizack Poseidons“

(Fotoserie) Ein griechisches Sprichwort sagt: Auf Kassandra findet man ein Mädchen, auf Sithonia gründet man eine Familie, auf Athos findet man seine letzte Ruhe. Als Dreizack Poseidons der griechischen Mythologie bekannt, locken die „Finger“ der Halbinsel Chalkidiki mit einer einzigartigen Landschaft, tiefblauem Wasser und einer fantastischen Gastfreundschaft. 

Sithonia | Griechenland
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Reiseservice – Der zweite Finger, Sithonia, nicht nur der sehenswerteste der drei, eignet sich zudem als perfekter Ausgangsort interessanter Tagestouren in die gesamte Region. Der Duft der Kiefern und Pinien der grünen Landschaft begleitet bis in die Buchten hinein, die neben den zerklüfteten Steilküsten versteckt zu finden sind. Die Landwirtschaft, die auf dieser Halbinsel noch sehr ausgeprägt ist, bietet zahlreiche Olivenhaine und Obstplantagen.

Durch das Ithamos-Gebirge ist die Halbinsel Sithonia ein beliebtes Ziel Natursuchender und Wanderer. Die traumhaften Strände und Riffgebiete locken Wassersportler bereits bei den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Doch vor allen Dingen bietet Sithonia Ruhe für all die Gestressten um Kraft zu tanken und die Seele einfach einmal baumeln zu lassen.

Unbeschreiblich der Blick von der Ostküste Sithonias auf den Berg Athos. Der 2.033 Meter Berg, auf dem die mystische Mönchsrepublik beheimatet ist, lässt jeden Tag nur wenige Besucher zu – Frauen ist der Besuch gar verboten. Die Boote mit den Touristen, die den Berg in einer rund achtstündigen Tour beispielsweise von Ormos Panagias umrunden, müssen deshalb 500 Meter Abstand vom Strand halten wenn sie eine Vertreterin des weiblichen Geschlechts an Bord haben. Die zwanzig größten Klöster stehen unter dem Weltkulturerbe.

Während die Ostküste an den Singitschen Golf angrenzt, verbindet der Toronäische Golf den ersten Finger (übrigens sprechen die nicht von Fingern, sondern von Füßen) Kassandra mit Sithonia. Kassandra ist touristisch stärker erschlossen mit Flaniermeilen, größeren Hotels und Diskotheken.
Es lohnt sich einen Wagen oder Roller anzumieten und mit diesem die oft kleinen, aber dafür umso schöneren Strandabschnitte anzufahren. Während Kassandra in den Sommermonaten das Ziel zahlreicher Wassersportler, Sonnenanbeter und Partysuchenden ist, wurde Sithonia wesentlich später touristisch erschlossen und besticht durch kleine Tavernen und Kafenions.
Die fehlende Infrastruktur hilft umso mehr bei der Ruhesuche und vor allen Dingen Ruhefindung. In dem größeren Ort Nikiti locken Souvenirshops und Restaurants, im Hafen von Neos Marmaras dagegen die täglichen Bootsausflüge.

Die keine Provinzstadt an der Toronaios-Bucht erstreckt sich über einen Teil des Itamomassivs. Es ist eine der wenigen Städte auf Sithonia in denen der Tourismus bereits so stark angekommen ist, das auch eine breite Infrastruktur gebildet wurde.
Ganz in der Nähe liegt der kleine Ort Toroni, in dem sich die Überreste der Festung Levthonia finden mit einem wunderbaren Blick über die Toroneos-Bucht mit dem langen Sank-Kies-Strand. Mit dem Auto von hier aus zu erreichen auch die Mauern byzantinischer Basiliken, bevor ein Abstecher zum größten Naturhafen in Griechenland lohnt. Im Umkreis des verträumten Fischerdorfes Porto Koufos (übersetzt: tauber Hafen, denn es ist hier kein Wellengang zu hören), lassen sich mit etwas Glück Geier beobachten, die in den umliegenden Höhen und steinigen Hügeln brüten.

Wen die doch längere Fahrt nach Thessaloniki nicht schreckt, der sollte sich die zweitgrößte Stadt Griechenlands nicht entgehen lassen. Sie ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Region, bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Es lohnt sich, den „weißen Turm“, ein früheres Gefängnis und Wahrzeichen der Stadt, die Stadtmauer, ein Überbleibsel der byzantinischen Herrschaft oder die Hauptkirche Agios Dimitrios zu besuchen. Ein Museumsbesuch im archäologischen oder byzantinischen Museum runden das Erlebnis für Kulturliebhaber ab, Shoppingfreuden lassen sich dagegen beispielsweise rund um den Aristotelesplatz erleben.

Für Touristen, die es weniger modern mögen, bietet sich das alte Dorf Partenonas an Sithonias Westküste an. Das Bergdorf wurde in den 70er Jahren im Zuge des Neubaus an der Küste verlassen. Lange galt Partenonas als Geisterstadt, bis in 2001 neue Bewohner begannen die Häuser wieder herzurichten. Die griechische Architektur in ihrer Ursprünglichkeit ist hier erhalten geblieben. Auf einer Höhe von 350 Metern lädt zudem eine kleine Taverne zum Speisen ein. Ebenfalls für Wanderer empfiehlt sich das kleine Bergdorf, kann man doch von hier aus den Itamos besteigen und von seinem Gipfel aus den Berg Athos im Osten und den sagenumwobenen Olymp im Westen bewundern. Wer diesen allerdings von Nahem erkunden möchte, der plant besser einen Tagestrip ein, alleine die Fahrt dauert bereits drei Stunden, die den Aufwand jedoch wert ist. Das von der UNESCO geschützte Biosphärenreservat ist landschaftlich faszinierend.

Weiterhin landschaftlich interessant ist die Tropfsteinhöhle in Petralona, welche im Landesinneren zu finden ist. Die Höhle, die 1959 entdeckt wurde, bietet steinzeitliche Funde. 10.000 qm wollen hier mit einem Führer erforscht werden und neben der großen Haupthöhle erfahren die Besucher bei der Wanderung durch die Nebengänge viel Historisches über die Entstehung und Entdeckung.
Auf dem Weg von Sithonia nach Kassandra bietet sich ein Ausflug zu der Ausgrabungsstätte in Olynthos an. 348 v. Christus wurde die Stadt zerstört. Heute kann man hier die immer noch aktiven Ausgrabungen gegen ein Eintrittsgeld besuchen.

Sicher ist: Ob Kultursuchender, Wanderer, Sportler, Sonnenanbeter oder Ruhesuchender – Chalkidiki bietet mit seinen drei Fingern für jeden etwas. Kassandra, Sithonia oder Athos sind unterschiedlich, facettenreich und unvergesslich. (ik)

Foto: Rheinischer Spiegel