Auszeichnung für gelebte Lesekultur: Buchhandlung „Frau Eule“ in Süchteln unter den besten des Landes

Mit dem Deutschen Buchhandlungspreis 2025 ist die Buchhandlung „Frau Eule“ in Süchteln ausgezeichnet worden und zählt damit zu den besten 100 unabhängigen Buchhandlungen Deutschlands. Die Entscheidung fiel nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren, an dem sich in diesem Jahr 483 Buchhandlungen beteiligt hatten.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Rita Stertz

Viersen-Süchteln – Verliehen wird der Preis von der Bundesregierung, die damit zum elften Mal Häuser würdigt, die sich in besonderem Maße für das Kulturgut Buch sowie für das kulturelle Leben vor Ort engagieren. Insgesamt stellt der Bund hierfür jährlich eine Fördersumme von einer Million Euro bereit.

Die Auszeichnung ist für Inhaberin Joanna Wintgen und ihr Team mehr als eine formale Anerkennung. Seit der Gründung im Mai 2021 hat sich die Buchhandlung zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens im Stadtteil entwickelt. Wintgen, ursprünglich aus Dülken stammend, hatte sich bewusst für Süchteln als Standort entschieden. Ausschlaggebend war nicht zuletzt die Tatsache, dass es in Dülken bereits eine etablierte Buchhandlung gab, während in Süchteln eine solche Anlaufstelle fehlte. Die Suche nach einem passenden Ladenlokal gestaltete sich zunächst anders als erträumt: Statt eines kleinen, verwinkelten Geschäfts mit großen Schaufenstern fand sie einen Raum, der erst durch Umbauarbeiten seine heutige Atmosphäre erhielt. Neuer Boden, veränderte Beleuchtung und eine gezielte Gestaltung verwandelten das Geschäft in einen Ort, der zum Verweilen einlädt.

Der Anspruch war von Beginn an klar formuliert: eine Buchhandlung zu schaffen, die nicht allein Verkaufsfläche ist, sondern Begegnungsraum. Zwischen Regalen, sorgfältig kuratierten Tischen und kleinen thematischen Ecken entsteht ein Umfeld, in dem sich Kundinnen und Kunden Zeit nehmen können. Persönliche Beratung gehört dabei ebenso zum Konzept wie die gezielte Empfehlung von Neuerscheinungen und literarischen Entdeckungen jenseits gängiger Bestsellerlisten.

Die Jury des Deutschen Buchhandlungspreises bewertet nicht allein wirtschaftliche Kennzahlen, sondern insbesondere das kulturelle Engagement. In ihrer Bewerbung musste die Buchhandlung detailliert darlegen, in welchem Umfang sie Veranstaltungen organisiert, Lesungen durchführt und über den klassischen Verkauf hinaus zur Leseförderung beiträgt. Gerade in diesem Bereich hat sich „Frau Eule“ in den vergangenen Jahren hervorgetan. Regelmäßig werden Veranstaltungen organisiert, die Literatur mit kulinarischen oder geselligen Elementen verbinden. Bei sogenannten Stöberabenden etwa haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, mehrere Stunden in entspannter Atmosphäre durch das Sortiment zu gehen, begleitet von einem Glas Wein und persönlichen Gesprächen.

Auch die Zusammenarbeit mit Schulen und Verlagen ist ein fester Bestandteil der Arbeit. Zum Welttag des Buches werden gemeinsam mit Partnern Bücher an Schulklassen verschenkt. Darüber hinaus beteiligt sich die Buchhandlung an der Initiative der „Lesetüten“, die Erstklässler zum Schulstart erhalten und die den Zugang zum Lesen früh fördern sollen. Diese Aktivitäten waren wesentliche Faktoren für die Auszeichnung, da sie über den reinen Handel hinaus die Vermittlung von Lesekompetenz und kultureller Bildung in den Mittelpunkt stellen.

Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer hob in seiner Würdigung die Bedeutung unabhängiger Buchhandlungen hervor. Deutschland verfüge über ein nahezu einzigartiges Netz solcher Orte, die insbesondere außerhalb großer Städte als kulturelle Treffpunkte fungierten. In Zeiten digitaler Empfehlungssysteme und algorithmischer Vorauswahl seien es gerade diese Buchhandlungen, die Vielfalt sichtbar machten und auch weniger bekannte Autorinnen und Autoren präsentierten.

Die Buchhandlung in Süchteln verbindet dieses Leitbild mit einem eigenständigen Veranstaltungskonzept. Für das Frühjahr und den Frühsommer 2026 ist ein umfangreiches Programm geplant. Am 7. Mai findet eine Lesung mit der Autorin Marie Kärsting statt, die ihren Kriminalroman „Roma Fatale“ vorstellt. Die Veranstaltung wird im „Kantinchen“ in der Kreuzherrenstraße ausgerichtet und kombiniert Literatur mit einem thematisch passenden kulinarischen Angebot. Tapas begleiten die Lesung, die das Publikum in eine sommerliche italienische Kulisse entführen soll.

Bereits einen Tag später, am 8. Mai, steht ein besonderes Ereignis an: das fünfjährige Bestehen der Buchhandlung. Gefeiert wird mit einem Abend, der bewusst die Grenzen zwischen Literaturveranstaltung und geselligem Treffpunkt überschreitet. Neben Büchern stehen Musik, ein Live-DJ, einfache Speisen und Getränke im Mittelpunkt. Der Ansatz, Kultur niedrigschwellig zugänglich zu machen, wird hier in ein Format übersetzt, das unterschiedliche Zielgruppen anspricht.

Ein weiteres Highlight im Veranstaltungsprogramm ist für den 28. Mai angekündigt. Dann liest die Autorin Kirsten Wilczek aus ihrem historischen Kriminalroman „Der Bonbonmord zu Köln“. Die Handlung führt in das Jahr 1848 und verbindet einen Giftmordfall mit den politischen Umbrüchen der Revolutionszeit. Die Lesung wird von einem Dinner begleitet und ebenfalls im „Kantinchen“ stattfinden. Wilczek ist zudem für den Literaturpreis „Goldener Homer 2026“ nominiert, dessen Verleihung im Oktober in Erfurt vorgesehen ist. Nähere Infos zu allen Veranstaltungen gibt es hier!

Parallel zu den kulturellen Aktivitäten richtet sich der Blick der Buchhandlung auch auf die eigene Weiterentwicklung. Ab August 2026 wird personelle Verstärkung gesucht, sowohl in Voll- als auch in Teilzeit. „Ebenfalls ab August 2026 vergeben wir einen Ausbildungsplatz (Buchhändler m/w/d). Du liebst Bücher, den Umgang mit Menschen, bist kreativ und möchtest keinen langweiligen Bürojob? Dann bewirb dich mit vollständigen Unterlagen (Lebenslauf, Anschreiben) an info@fraueule-buchhandlung.de“, so Wintgen. Gesucht werden Menschen mit Interesse an Literatur, Freude am Umgang mit Kundschaft und einem ausgeprägten Kommunikationsvermögen. (sk)

Die Auszeichnung ist für Inhaberin Joanna Wintgen (rechts) und ihr Team mehr als eine formale Anerkennung. Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz