Auf dem Viersener Sparkassenvorplatz hatten sich nicht nur zahlreiche Anhänger und interessierte Wähler versammelt, ebenfalls Gegner der aktuellen Politik hatten den Termin im Kalender eingetragen. Die Gruppe selbst war zwar eher klein, dafür allerdings umso lauter.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz
Viersen – Strahlender Sonnenschein begrüßte den NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) am Freitagnachmittag auf dem Sparkassenvorplatz in der Viersener Innenstadt, wo neben den Schildern „Team Wüst“ und viel positivem Zuspruch für den aktuellen Wahlkampf auch kritische Stimmen zu hören waren. Schon zu laut mit Trillerpfeifen und Kuhglocken, wie viele der Besucher kommentierten, die durchaus offen dafür waren beide Seiten zu hören. „Begründen Sie die Impfpflicht“ oder „Für eine freie Impfentscheidung“ war auf den Plakaten der „Roten Linie“ zu lesen, während der zwölfte Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sich die Zeit für Gespräche und Fotos nahm.

Wüst liegt laut aktuellen Umfragen vor seinem Mitbewerber Kutschaty (SPD), im Oktober letzten Jahres hatte er die Nachfolge seines Vorgängers Armin Laschet angetreten. Sein 109 Seiten umfassendes Programm für die kommende Wahlperiode, sollte er gewählt werden, umfasst neben der inneren Sicherheit und Bildung unter anderem auch Klima und Pflege. Den russischen Angriff sieht er als „historischen Einschnitt“: „Er ist ein Angriff auf die europäische Friedensordnung, auf Freiheit und Demokratie.“ Das Gelernte der Flüchtlingsströme aus 2015 müsse nun umgesetzt werden, denn die ukrainischen Flüchtlinge blieben nicht nur für kurze Zeit.
Zur inneren Sicherheit sollen 3.000 neue Polizistinnen und Polizisten eingestellt werden, mehr als zuvor. Ebenfalls die Clankriminalität soll einen stärkeren Blick erhalten. Zusätzliche Lehrkräfte oder ein drittes beitragsfreies Kita-Jahr sollen den Bereich Bildung fördern. Meister-Bonus, Frauenquoten, digitale Geräte für den Unterricht, mehr Tempo beim Ausbau der Wasserstoff- und Flüssiggas-Infrastruktur, ein Begrüßungsgeld für Pflegekräfte – nur einige der weiteren Themen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming
Rund 200 Menschen wollten sich in Viersen einen persönlichen Eindruck von Wüst auf Wahlkampf-Tour machen, organisiert hatte den Stopp der CDU-Kreisverband. „Get lucky“ von Pharrell Williams hallte über den Platz, als der Ministerpräsident eintraf, zuletzt hatte er auch in Willich und Tönisvorst Zeit für Eindrücke und Gespräche eingeplant, schließlich gilt es alleine im Kreis Viersen mehr als 200.000 Wahlberechtigte zu erreichen. Tatsächlich besucht Wüst in diesem Jahr nicht das erste Mal den Kreis Viersen, wie die vielen Fotos mit ihm untermauern, die im Jubiläumsband des CDU-Kreisverbandes zum 75-jährigen Jubiläum abgebildet sind.
Reden hielten neben Hendrik Wüst zudem der Landtagsabgeordnete Dr. Marcus Optendrenk und Guido Görtz, der CDU-Landtagskandidat für Viersen, Schwalmtal und Willich. Begleitet wurden diese mit Pfiffen. Wüst selbst ließ sich davon nicht beirren, sondern hob die Meinungsfreiheit und Demokratie hervor, während er seine Gegner direkt ansprach: „Sie dürfen anderer Meinung sein.“ Die Kulisse der Unterstützer unterstrich Landtagskandidat Guido Görtz mit guter Politik, viel Erreichtem und kommenden Aufgaben. Auf die aktuelle Situation um den Kreis Viersener Landrat ging Wüst bei seinem gut 50-minütigen Besuch nicht ein. Das Thema sei bekannt, jedoch nicht so tief, dass er hierzu einen Kommentar abgeben wolle. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming



