Die Sonne schien mild an diesem Sonntagvormittag über dem Viersener Stadtteil Bockert, als sich Schützenschwestern und Schützenbrüder im ehrwürdigen Kirchenschiff von St. Peter versammelten. Eingeladen hatte der Bezirksverband Viersen-Mitte zur St. Sebastianusfeier, die traditionell einen ersten Ausblick auf das anstehende Sommerbrauchtum wirft.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Martin Häming
Viersen-Bockert – Trotz des noch anhaltenden Karnevals war der Glanz des Sommerbrauchtums bereits spürbar, und die Schützenfamilie bereitete sich auf einen der bedeutendsten Termine des Jahres vor: die St. Sebastianusfeier des Bezirksverbands Viersen-Mitte.
Der Gottesdienst begann in einer Atmosphäre von Besinnung und Dankbarkeit. Kirchenbänke füllten sich mit Mitgliedern aus den verschiedensten Bruderschaften, deren Uniformen in den sanften Sonnenstrahlen schimmerten. Hierbei segnete Pfarrer Roland Klugman auch das Bezirkssilber, das, ebenso wie die Standarte, an diesem Tag zur St. Peter & Paul Bruderschaft Viersen-Bockert geg.1763 e.V. wanderte.

Mit ruhiger Stimme und sichtbarer Verbundenheit zur versammelten Schützenfamilie trat Bezirksbundesmeisterin Claudia Küsters im Altarraum nach vorne. Die Kirche St. Peter war still geworden, nur das leise Rascheln der Uniformen und das gedämpfte Echo des Kirchenraums begleiteten ihre Worte. Küsters nutzte diesen Moment, um innezuhalten – und um die Bedeutung der St. Sebastianusfeier für den Bezirksverband Viersen-Mitte in Worte zu fassen.
Sie erinnerte daran, dass dieser Tag weit mehr sei als ein fester Termin im Kalender. Die St. Sebastianusfeier sei ein Orientierungspunkt im Jahreslauf der Bruderschaften, ein Moment des Dankes und der Besinnung, aber auch ein Blick nach vorn. Das neue Jahresleitwort „Bewahre, was gut ist und segne, was neu beginnt“ zog sich wie ein roter Faden durch ihre Ansprache. Es sei, so Küsters, ein Leitsatz, der wie geschaffen sei für das Selbstverständnis der Schützen – und bewusst in knapper Form gewählt, fast wie ein Gedanke für die Hosentasche, der im Alltag begleiten solle.

Mit Nachdruck sprach sie über die Werte, für die die Schützen seit Generationen stehen: Glaube, Sitte und Heimat, Zusammenhalt, Verlässlichkeit und Verantwortung füreinander. Diese Werte seien nicht selbstverständlich, sondern müssten gepflegt, getragen und weitergegeben werden. Sie seien das Gute, das es zu bewahren gelte. Gleichzeitig machte Küsters deutlich, dass Tradition kein Stillstand sein dürfe. Bruderschaften lebten nicht von der Vergangenheit allein, sondern von den Menschen, die sie heute gestalteten – von neuen Ideen, neuen Wegen und von jenen, die bereit seien, Verantwortung zu übernehmen.
Gerade deshalb, so führte sie aus, brauche das Neue nicht nur Offenheit, sondern auch Zuspruch und Mut. Neues beginne oft leise, manchmal unsicher, und benötige den Rückhalt der Gemeinschaft. In diesem Spannungsfeld aus Bewahren und Erneuern zeige sich die Stärke des Schützenwesens – besonders sichtbar bei der St. Sebastianusfeier, wenn Rückblick und Ausblick untrennbar miteinander verbunden seien.

Mit sichtlicher Wertschätzung wandte sich die Bezirksbundesmeisterin anschließend den Majestäten des vergangenen Jahres zu. Sie dankte ihnen für ihren Einsatz, ihre Hingabe und ihre Präsenz innerhalb des Bezirksverbandes. Durch ihr Engagement hätten sie nicht nur repräsentiert, sondern viele Menschen inspiriert und die Gemeinschaft nach innen wie nach außen gestärkt. Der Abschied von den amtierenden Majestäten sei daher immer auch ein Moment des Dankes und der Anerkennung.
Die Rede mündete schließlich in einem besonderen Höhepunkt der Feier. Küsters leitete zur Verleihung einer hohen Auszeichnung über und sprach von Menschen, die über viele Jahre hinweg bewahrt hätten, was gut sei, und zugleich den Mut gehabt hätten, Neues zu beginnen und zu ermöglichen. Solche Persönlichkeiten seien es, die dem Bezirksverband Richtung, Herz und Halt gäben. Es sei ihr eine große Freude und Ehre, nun zu einem Moment überzuleiten, der genau diese Haltung sichtbar mache.

Unter dem aufmerksamen Blick der Gemeinde bat sie Hans-Willi Pergens nach vorne, der die folgende Laudatio und die Verleihung der Auszeichnung übernahm. Frank Schreven erhielt das Schulterband zum St. Sebastianus-Ehrenkreuz. Für seine langjährigen Verdienste und den unermüdlichen Einsatz im Sinne der historischen Schützen und der hohen Ideale des Bundes war dies eine würdige Würdigung.
Und wer sind die neuen Bezirksmajestäten? Mit dem 175. Schuss hatte Dirk Hechel den Vogel beim Bezirksvogelschuss von der Stange geholt, und nun trat er seine Regentschaft als Bezirkskönig an. An seiner Seite stehen Burkhard Klein und Daniel Pypers als seine Minister, bereit, gemeinsam das nächste Kapitel der Schützenfamilie zu gestalten. Ebenfalls in sein Amt wurde Bezirksschülerprinz Hendrik Harmes von der St. Peter- und Paul-Bruderschaft Bockert erhoben, an seiner Seite stehen als Junker Matz Küppers und Jonas Pypers. Bezirksprinzessin ist in diesem Jahr Lara Gnörich von der St. Konrad Schützengilde Grenzweg, sie wird begleitet von Minister Dennis Rose und Ministerin Celin Hardt. (cs)





