Drei Tage lang wirkte es fast, als hätte ein neues Modegeschäft in einem der Nebenräume der Viersener Festhalle eröffnet. Doch verkauft wurde nichts, denn die Kunstaktion gehörte zum Projekt „Waste City“ der Stadtbesetzung 2022.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman
Viersen – „Pop-up-Store“ … das überdimensionale Schild mit der pinken Schrift auf teilweise blauem Untergrund war kaum zu übersehen. Die Definition wies auf ein provisorisches, meist kurzfristiges Einzelhandelsgeschäft in einem aktuell leerstehenden Geschäftsraum hin. Immer wieder tauchen solche Aktionen in Innenstädten auf, versuchen den Leerstand zu verringern und jungen Gründern eine Starthilfe zu geben. Doch darum ging es an am vergangenen Wochenende im Nebenraum der Viersener Festhalle nicht.
Dieser Pop-up-Store, war vielmehr ein Signal, eine Warnung und Hinweis auf die aktuelle Problematik verschiedener Müllproduktionsszenarien innerhalb einer Stadt. T-Shirts die nicht mehr geflickt werden, denn kaufen ist günstiger. Tonnen von Abfall – entstanden als Nebenprodukt einer Konsumgesellschaft.

„In der konventionellen Bekleidungsproduktion fallen im Zuschnitt bereits 15-20% Schnittabfall an. Nicht so im zero waste fashion design“, erklärt die Mode- und Textildesignerin Laura Schlütz auf ihrer Präsentation Machart Manufaktur. „Hier geht es darum die komplette Länge und Breite des Materials mit in das Kleidungsstück einfließen zu lassen. Zusammen mit sorgfältig ausgewählten Materialen wird textile Nachhaltigkeit unterstützt und eine neue Wertschätzung für das Material Stoff im Zeitalter von fast fashion geschaffen.“
Nachhaltige Mode und zero waste fashion design stehen im Mittelpunkt der aus Steinheim angereisten Künstlerin. Doch dieser Pop-up-Store im Rahmen der Stadtbesetzung 2022 in Viersen war anders, als sich Besucher vorgestellt haben. Nicht die Mode im eigentlichen Sinne, sondern als Schwerpunkt die Müllproblematik im Bereich der textilen Kette wurde hervorgehoben. Plakativ dargestellt auf T-Shirts – farblich gleich und dennoch Aufmerksamkeit schaffend. Warnend, zum Nach-Denken anregend und mahnend wurde der Blick künstlerisch gelenkt auf eine Situation, die vielleicht wieder ins Gedächtnis rückt, wenn das nächste Kleidungsstück mit einem kleinen Loch in den Mülleimer wandern soll. (ea)





