Die Blau-Wette Jonges starteten erfolgreich im Winterzelt

Erneut musste die Karnevalsgesellschaft Blau-Wette Jonges mit ihrer Galasitzung umziehen. Nicht das erste Mal in der langen Historie. Doch auch im Festzelt begeisterten die Mitglieder der KG Blau-Wette Jonges als Wandervögel die Jecken aus nah und fern, die sich von einem abwechslungsreichen Programm bis spät in den Abend hinein gerne mitreißen ließen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming

Viersche – Mit dem baldigen Wegfall des evangelischen Gemeindehauses für Veranstaltungen machte sich auch die Karnevalsgesellschaft Blau-Wette Jonges e. V. 1959 auf die Suche nach neuen Möglichkeiten und startete die beliebte Galasitzung erstmals im beheizten Winterzelt an der Sittarder Straße, in das auch die Roahser Jonges und die GVK in diesem Jahr einladen.

Die Blau-Wette Jonges feierten natürlich mit ihrem Hoppeditz Luca Hechel und passender Mariechenbegleitung. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Als Sessionsmotto haben die Jecken in blau-weiß „Die Wandervögel“ gewählt, schließlich war das evangelische Gemeindehaus nur ein Veranstaltungsort von vielen, in welchem die Gesellschaft im Laufe der Zeit mit der närrischen Welt feiern konnte. Ein anderer Ort und dennoch eine Veranstaltung, die mit viel Leidenschaft zum Brauchtum und zum gemeinsamen Miteinander geplant wurde. Für die Musik zwischen den Auftritten sorgte DJ Chris Ley.

Pünktlich eröffneten am Freitagabend die Sitzungspräsidenten Dirk Hechel und Jürgen Vogt das Bühnenprogramm, welches mit einer Ehrung auch in diesem Jahr begann und von einer imposanten Leinwand aus den ganzen Abend über gut sichtbar bis in die hinterste Ecke zu verfolgen war. KLN-Justiziar Hans-Joachim Baumbach gebührte die hohe Ehre den Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval in Gold an Wolfgang Toll für seine über 40-jährigen Verdienste im närrischen Brauchtum zu überreichen. Eine oder ein neuer Ehrensenator wurde in diesem Jahr nicht ernannt, die Süchtelner Ex-Prinzessin Daniela Erkens bleibt noch ein Jahr als amtierende Senatorin erhalten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die Ehrung bildete den perfekten Übergang zu den Tanzgarden der Karnevalsgesellschaft Blau-Wette Jonges. Ihr langes Training der vergangenen Monate wurde mit gekonnten Schritten belohnt, da spielte auch das Alter keine Rolle, wenn zu Captain Jack & Co. die Beine in die Höhe flogen. Ein großes Lob gilt in diesem Zusammenhang den Trainerinnen Sabrina Koltermann sowie Bianca Nett.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Beste Stimmung, um direkt mit dem bunten Programm vorzufahren, welches auch von närrischen Hoheiten gefeiert wurde, die sich unter den Gästen befanden. Aus Süchteln, Boisheim, Willich und Viersen waren die Tollitäten gerne zu Gast, wobei das Viersener Prinzenpaar traditionell einen eigenen Auftritt auf der Bühne mitbrachte. Eingespielt von den Klängen des Viersener Tambourcorps begleitete sie gewohnt die Prinzengarde, die erneut ihre Tanzsohlen aufgezogen hatten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Jede Menge Lachsalven waren garantiert, als Sabine Murza, alias Murzarella, mit ihrer ungewöhnlichen Puppenshow begeisterte. Die Handflächen wurden durch das begleitende Klatschen arg strapaziert und hätten eine Abkühlung gebrauchen können, doch Kanalratte Kalle, übrigens ein gebürtiger Ruhrpottler, und Kakadu Dudu, der fleißig von den Problemzonen seiner Bühnenkollegin zwitscherte, ließen den Gästen keine Verschnaufpause. Den Gesang in drei verschiedenen Stimmen hatte Murzarella gekonnt verinnerlicht – hierfür wurde sie zudem bereits mehrfach ausgezeichnet.

Na, und wer kommt schon mit einer Kanalratte, die Heavy Metal hört und weiß: „Neeee, dat kommt aus ´m Bauch von den Schneckchen, hömma!“ Aber Moment, drei Stimmen? Richtig! Schließlich hätten wir bei der Berichterstattung fast Buchhalterin Frau Adelheid vergessen, die allerdings an diesem Abend schwer mit einem nicht ganz so leichten Schwips zu kämpfen hatte. Als kleine Spitze gab es zudem einen Schal in Blau-Weiß vom Vierscher Prinzen, Lothar II., passend zur gastgebenden Gesellschaft, für die Kanalratte, die auf ihren Schalke-Schal schwor …, und das in der Nähe zur berühmten Gladbacher Nachbarstadt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

„Es regnet seit Tagen, die Straßen sind nass, ich will schon so lang mit dir raus aus der Stadt, komm pack deine Sachen, der Tag fängt erst an, lass uns irgendwohin, wo wir noch nicht waren.“

Passend als Ziel hate sich die Süchtelner Tanzgarde das Festzelt im Rahser ausgesucht mit wehenden schwarzen Kleidern und modernen Klängen. Wer diesen Auftritt verpasst hat, wird sicherlich in Süchteln nochmals eine Chance erhalten – eine Empfehlung, die die Schreiberin dieses Berichtes gerne ausspricht.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Aus dem Quatsch Comedy Club oder Nightwash Live ist der deutsch-palästinensische Comedian und Entertainer Amjad bekannt. Auf den Viersener Bühnen ist er allerding bisher eher unbekannt.

Redewendungen und Vorurteile oder gar die Liebe zum deutschen Pass brachte der eigentlich gelernte Automobilkaufmann aus Ochtrup im Münsterland, der sich als Stimmwunder herausstellte, in eine gekonnte Verbindung ganz nach seiner Mission „Lachen verbreiten – Angst vermeiden!“.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ebenfalls nicht ganz so bekannt bisher in Viersche ist Timo Schwarzendahl, dabei ist der Musiker bereits seit frühster Jugend im Karneval aktiv und seit 2018 als Solist auf den Bühnen unterwegs. Als Mitglied der Akademie des Festkomitees Kölner Karneval ließ sich schnell ableiten, was die Jecken denn erwarten durften.

Natürlich kölsche Töne, mal bekannter Stücke, mal eigener Lieder. Mit „Et jitt nor Kölle för mich“, „Et Lala Leed“ oder „Die letzte Nummer“ sorgte er für beste Stimmung und übergab das Zelt bei bester Laune an die Gruppe Kommando3, die kurzerhand den Prinzen als Trommler einsetzten und das Festzelt nochmals zum Beben brachten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die Showband begeisterte bereits mehrfach in Viersen, ist im Karneval zu Hause und war ebenfalls an diesem Abend eine gute Wahl der KG Blau-Wette Jonges.

Die Arme hoch, Polonaise und jetzt alle! So schallte es bei Feierstimmung: „Leev Jecke, se hann sich en Rakeet verdeent! Kommando eins …“ im Roahser Winterzelt, in welches die Roahser Jonges passenderweise einen Tag später einladen. Mal sehen, ob dann die längste Polonaise in Viersen übertroffen werden kann, die an diesem Abend von der Prinzessin höchstselbst angeführt wurde.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

„Hinreißend“ flüsterte der Herr am Anfang der langen Tafel mit Blick auf die Bühne, als die Rheydter GardeGirls als wahrliche Augenweide nicht nur mit ihrer Schönheit, sondern vor allen Dingen ihren Tanzkünsten begeisterten. Zur Großen Rheydter Prinzengarde e. V. gehörend erfreut sich die Garde seit mehr als vier Jahrzehnten großer Beliebtheit.

Übrigens: die Große Rheydter Prinzengarde e. V. feiert am 17. Januar 2023 in der Rheydter Stadthalle das stolze närrische Jubiläum von 8 x 11 und damit 88 Jahren. Dieter Beines, Präsident der Großen Rheydter Prinzengarde, freut sich auf ein abwechslungsreiches, unterhaltsames Programm mit den eigenen Garden, den Boore, Frau Kühne und einigen anderen Highlights.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

FBKK? Nein, kein Tarantino B-Movie und auch kein bisher unbewältigtes Jugendtrauma, sondern ein Power-Rock-Trio vom Niederrhein. FBKK ist gerade erst einmal seit etwas mehr als drei Jahren in ganz Deutschland unterwegs und ist im Karneval ebenso Zuhause wie auf Ballermann-Partys oder Oktoberfest.

Auf der Bühne rissen Tobias Janssen als Gitarrist und Frontmann, Lars Greuel und Andre Hasselmann die Jecken ein letztes Mal zum Abschluss des grandiosen Einstandes im Winterzelt von ihren Stühlen, die im Chor und bei fast schon harten Rhythmen „Dinge Moment“ anstimmten. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming