Ein Festsonntag zwischen Gedenken und fröhlichem Beisammensein beim letzten Schützenfest in Alt-Viersen

Der Sonntag des Schützenfestes der St. Notburgabruderschaft Viersen-Rahser 1705 stand ganz im Zeichen von Tradition, Gemeinschaft und festlichem Glanz. Es ist traditionell das letzte Schützenfest des Jahres in Alt-Viersen und erneut waren hunderte von Zuschauern dem Ruf des Sommerbrauchtums gefolgt.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Martin Häming

Viersen-Rahser – Doch, fangen wir heute mal ganz früh an. Sehr früh, denn kaum war es richtig hell versammelten sich die Schützen vor der Königinnenresidenz, um gemeinsam zur Pfarrkirche St. Notburga zu ziehen, wo das feierliche Festhochamt die Gläubigen und Gäste in andächtiger Stimmung vereinte. In der gefüllten Kirche wurde deutlich, dass das Schützenwesen weit mehr ist als ein geselliges Beisammensein – es ist ein Stück Heimat, das Menschen verbindet, Generationen übergreift und Werte wie Glaube, Gemeinschaft und Verantwortung lebendig hält.

Foto: Rheinischer Spiegel/Lea Peusens

Im Anschluss entfaltete sich vor der Kirche das bekannte farbenfrohe Bild, welches so viele Zuschauer und Schützen ins Rahser zieht: Musikkapellen, Schützenzüge und Ehrengäste boten bei der großen Musikdemonstration und Parade ein eindrucksvolles Schauspiel, das von zahlreichen Zuschauern am Straßenrand begeistert verfolgt wurde.

Foto: Rheinischer Spiegel/Lea Peusens

Der feierliche Höhepunkt folgte am Ehrenmal, wo die Bruderschaft mit einer Kranzniederlegung der Verstorbenen gedachte. In diesem Moment, getragen von Stille und Respekt, zeigte sich eindrucksvoll, dass das Schützenwesen nicht nur die Freude am Feiern kennt, sondern auch Verantwortung für das Erinnern trägt. Der anschließende Große Zapfenstreich ließ Gänsehautstimmung aufkommen und rief in Erinnerung, welch tiefe Wurzeln diese Tradition seit über drei Jahrhunderten in Rahser geschlagen hat.

Foto: Rheinischer Spiegel/Lea Peusens

Doch Schützenfeste leben auch vom Miteinander im fröhlichen Teil, und so verwandelte sich das Festzelt am Mittag in einen Ort voller Musik, Lachen und Begegnungen. Bei freiem Eintritt lockte der Früh- bis Spätschoppen unter der musikalischen Regie von DJ Möhrchen viele Gäste an, die ausgelassen tanzten, sangen und miteinander ins Gespräch kamen … und die akrobatische Vorführung der Jugend des Circus Traber bestaunten. Hier zeigte sich die andere Seite der Bruderschaft: die Offenheit für Jung und Alt, für Nachbarn, Freunde und Gäste, die gemeinsam ein lebendiges Stück Dorfkultur pflegen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ein ganz besonderer Höhepunkt des Festtages war die Ehrung der langjährigen Mitglieder, die mit ihrem Engagement und ihrer Treue das Rückgrat der Bruderschaft bilden. Mit einer Urkunde für 25 Jahre Treue wurde der Instrumentalverein Effeld gewürdigt, während Fritz Häming, Major der Sappeure, für seine Verdienste das Bundesmeister-Ehrenzeichen des Bezirksverbandes Viersen-Mitte erhielt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming
Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Darüber hinaus ehrte die Bruderschaft eine beeindruckende Reihe von Jubilarinnen und Jubilaren: Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurden Sabrina Boeken, Annemarie Goletz, Timm Küsters, Michael Mertens, Klaus Henskes, Nadine Pitzen-Hardie, André Schiffer sowie Jeanette und Richard Zirngast ausgezeichnet. Auf 40 Jahre Engagement konnten Martin Häming (Ja, genau, unser „Stadtfotograf“. Herzlichen Glückwunsch von der gesamten Redaktion, lieber Martin), Petra Fuß, Käthe Navratil und Karin Wolters zurückblicken, während Gabriele Zwolicki für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurde. Für 60 Jahre stand Heidi Mihm im Rampenlicht und besondere Ehrungen für 70 Jahre Treue erhielten Cornelia Bürger, Erich Jungblut, Norbert und Renate Mihm.

Mit diesen Ehrungen wurde noch einmal deutlich, dass das Schützenfest nicht nur Festtage im Kalender sind, sondern Ausdruck einer gewachsenen Gemeinschaft. Es sind Feste, die Brücken schlagen zwischen Jung und Alt, zwischen Tradition und Gegenwart. Sie erinnern daran, dass das Schützenwesen Verantwortung für die Gesellschaft trägt – durch soziales Engagement, durch Pflege von Glaube und Brauchtum, durch Zusammenhalt in guten wie in schweren Zeiten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Melanie Häming

Während der Sonntag in fröhlicher Feierlaune ausklang, richtet sich der Blick nun auf den Montagabend. Dann ziehen die Schützen mit ihrer ersten Königin Anja Schiffer Knippel gegen 18.30 Uhr ein letztes Mal durch die Straßen, bevor das Schützenfest mit dem Dorfabend ab 19.30 Uhr (Eintritt 5 Euro) seinen stimmungsvollen Abschluss findet. Mit einem bunten Programm aus den Reihen der Bruderschaft und dem Auftritt der kölschen Band „Hätzblatt“ verspricht dieser Abend ein weiterer Höhepunkt zu werden. Es ist der Moment, an dem sich noch einmal alle Generationen unter dem Zeltdach versammeln, um gemeinsam zu lachen, zu singen und zu feiern – und um ein Fest zu beschließen, das in Erinnerung bleiben wird.

So zeigt sich: Das Schützenwesen ist weit mehr als ein Wochenende voller Musik und Umzüge. Es ist ein Band, das eine ganze Dorfgemeinschaft trägt, das Geschichte bewahrt und Zukunft gestaltet. Und dieses Band hat an diesem Sonntag einmal mehr seine ganze Kraft entfaltet. Die Redaktion des Rheinischen Spiegels bedankt sich für die wunderbare Gastfreundschaft, die ihr im Rahser am Wochenende zuteil wurde und wünscht einen unvergesslichen Dorfabend, der dem Schützenfest sicherlich das i-Tüpfelchen aufsetzen wird. (cs)