Ein halbes Jahrhundert jecke Macht: Die Dölker Möhne feiern goldenes Jubiläum

50 Jahre begleiten die Dölker Möhne schon das jecke Winterbrauchtum mit närrischer Leidenschaft. Ein Jubiläum, welches es verdient ins Rampenlicht gestellt zu werden. Nun, nachdem die 5. Jahreszeit eine Pause einlegt, und das Sommerbrauchtum in den Startlöchern steht, kamen die Dölker Möhne am vergangen Samstag im Pecados am Hühnermarkt zusammen, um gemeinsam zu feiern und fünf Jahrzehnte Revue passieren zu lassen.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming

Dölke – Was 1975 mit einer Idee begann, die ebenso schlicht wie wirkungsvoll war, hat sich über fünf Jahrzehnte zu einer festen Größe im rheinischen Straßenkarneval entwickelt – getragen von einem Selbstverständnis, das bis heute unverändert gilt: Der Frohsinn hat Maß zu halten, „et muss fein sein“. Die Feier selbst spiegelte jene Mischung aus Rückblick und lebendiger Gegenwart wider, die die Gemeinschaft seit jeher prägt. Zwischen Erinnerungen an frühe Jahre und dem Blick auf aktuelle Aktivitäten wurde deutlich, wie stark die Dölker Möhne das karnevalistische Leben in Dülken mitgeformt haben. Längst ist aus der einst kleinen Gruppe eine Gemeinschaft von mehr als 100 Frauen geworden, deren Altersunterschiede kaum größer sein könnten und deren Zusammenhalt doch als bemerkenswert gilt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Der Ursprung dieser Entwicklung liegt in der Mitte der 1970er Jahre. Burga Fraipont, damals Verkäuferin im Lebensmittelgeschäft Küppers an der Venloer Straße, setzte mit der Gründung einer einheitlich gekleideten Möhneschar einen Impuls, der rasch über den lokalen Rahmen hinaus Wirkung entfaltete. Bereits im Karneval des Jahres 1976 zogen die Frauen erstmals durch Geschäfte, Banken und öffentliche Einrichtungen. Ausgestattet mit Schere und Spülbürste, griffen sie humorvoll in den Alltag ein, kürzten Krawatten und sorgten für heitere Irritationen; stets mit einem Gespür für die Grenze zwischen Ausgelassenheit und Respekt.

Diese Haltung sollte das Selbstverständnis der Dölker Möhne nachhaltig prägen. Während andernorts der närrische Überschwang bisweilen ins Derbe kippte, blieb in Dülken der Anspruch an ein „feines“ Miteinander leitend. Mit dem Beginn der 1980er Jahre trat neben die närrische Aktivität ein wachsendes soziales Engagement. In Zusammenarbeit mit Maria Landwehr, einst Prinzessin der Narrenherrlichkeit Dülken, entstand die Idee, am Karnevalssamstag Spenden für karitative Zwecke zu sammeln. Diese Initiative hat sich bis in die Gegenwart fortgesetzt und gehört inzwischen ebenso selbstverständlich zum Jahreslauf wie die Teilnahme am Rosenmontagszug. Begleitet wird die Aktion traditionell vom sogenannten Möhnenspeck, dessen Bereitstellung durch die Metzgerei Brues unterstützt wird.

Ursprünglich bestand die Kleidung der Gruppe aus schwarzen Gewändern, kombiniert mit einem weißen Beffchen und einem bunten Hut. Eine erste sichtbare Veränderung ergab sich, als Maria Landwehrs zur Prinzessin gewählt wurde: Zu diesem Anlass schafften sich die Frauen einheitliche violette Schürzen an, die fortan auch an Altweiber von einigen weiterhin getragen wurden. Im Jahr 1988 kamen anlässlich eines Rosenmontagszugs zusätzlich pinkfarbene Muffs und Hüte hinzu; in diesem Outfit nahmen die Dölker Möhnen sogar in einer Kutsche am Zug teil. Dieses Erscheinungsbild blieb jedoch auf bestimmte Anlässe wie den Karnevalssamstag beschränkt. Parallel dazu entwickelte sich allmählich eine neue farbliche Ausrichtung, bei der schwarze Kleidung mit gelben Elementen kombiniert wurde, bis sich um etwa 1990 schließlich ein einheitliches Auftreten in den Stadtfarben Schwarz-Gelb etablierte.

Eine erste sichtbare Veränderung ergab sich, als Maria Landwehrs zur Prinzessin gewählt wurde: Zu diesem Anlass schafften sich die Frauen einheitliche violette Schürzen an, die fortan auch an Altweiber von einigen weiterhin getragen wurden. Foto: Privatsammlung Karl Giesen

Im Laufe der Jahrzehnte wandelten sich zahlreiche Details des Vereinslebens, ohne dass dessen Kern angetastet worden wäre. Veranstaltungen wurden neu konzipiert, Treffpunkte verlagert, Formate modernisiert. Aus der einstigen Herbstwanderung entwickelte sich der Altmöhnenkaffee, aus einer einzelnen Sammelaktion wurden mehrere soziale Projekte. Technische Neuerungen hielten Einzug, etwa als die mobile Musikanlage „Tante Käthe“ den früheren „Disco Rudi“ ablöste. Auch der Abschluss des Altweibertages verlagerte sich: Statt im Kolpinghaus findet er heute im Bürgerhaus statt.

Gleichwohl bleibt der Altweiberdonnerstag selbst der zentrale Bezugspunkt. Schon in den frühen Morgenstunden brechen die Möhnen auf, ziehen durch die Straßen, besuchen Geschäfte und Institutionen, begleiten den tradtionellen Rathaussturm und auch die beliebte Juxparade auf der Lange Straße soll hier auf keinen Fall vergessen werden. Es ist ein Tag, an dem sich das Selbstverständnis der Gruppe in verdichteter Form zeigt: als Verbindung aus Brauchtumspflege, Geselligkeit und lokalem Engagement. Begegnungen stehen im Mittelpunkt, spontane Gespräche ebenso wie ritualisierte Abläufe, die sich über Jahrzehnte verfestigt haben.

Spendensammlung der Dölker Möhne gemeinsam mit den jecken Tollitäten am Karnevalssamstag 2026. Foto: Jens Gütgens

Geprägt wurde die Entwicklung des Vereins maßgeblich von drei Frauen. Auf die Gründerin Burga Fraipont, die über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg die Geschicke leitete, folgte Ille Förster, die den inneren Zusammenhalt über weitere zwanzig Jahre hinweg sicherte. Seit nunmehr einem Jahrzehnt steht Andrea Stollenwerk an der Spitze der Dölker Möhne, unterstützt von Vizeovermöhn Rosi Quarde und einem Vorstand, der die organisatorische Arbeit trägt und zugleich neue Impulse setzt. Dass sich unter den Mitgliedern Frauen verschiedener Generationen zusammenfinden, gehört zu den auffälligsten Merkmalen des Vereins. Hier begegnen sich Lebensentwürfe und Erfahrungen, die teils ein Jahrhundert umspannen. Die Älteren geben Traditionen weiter, die Jüngeren bringen neue Ideen ein.

Auch sprachlich verweist die Bezeichnung „Möhne“ auf eine lange Geschichte. Der Begriff leitet sich vom westmitteldeutschen Wort „Muhme“ ab, das ursprünglich eine weibliche Verwandte mütterlicherseits bezeichnete. Erst im Zuge der Entwicklung organisierter karnevalistischer Strukturen gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Bedeutung hin zu einer Bezeichnung für Mitglieder von Frauenvereinigungen im Karneval. Im rheinischen Brauchtum nimmt die Weiberfastnacht seit jeher eine herausgehobene Stellung ein. Als Höhepunkt des närrischen Treibens ist sie zugleich Bühne für eine Vielzahl regionaler Ausprägungen. Auch in Dülken zeigt sich an diesem Tag die besondere Rolle der Möhnen: Sie sind es, die den öffentlichen Raum erobern, den Alltag unterbrechen und das Gemeinschaftsgefühl sichtbar machen.

Die Feier im Pecados war somit mehr als ein festlicher Anlass, denn es ist ein Jubiläum, welches in der jecken Dölker Historie einen ganz besonderen Platz findet. Was wäre die jecke Zeit in der Stadt mit dem Stripke nur ohne die Dölker Möhne, darauf rufen wir von ganzem Herzen und voller Dank: dreemoal Gloria tibi Dülken! (sk)

Overmöhn Andrea Stollenwerk warf einen Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming