Ach ne, watt war dat schön, als sich am vergangenen Samstag das Gemeinschaftszentrum „Das Westend“ in einen brodelnden Narren-Hexenkessel verwandelte: Das Kappenfest der KG Stadtmitte 1936 e.V. zog Mitglieder, Familien und Jecken aus der ganzen Region an und entlud in einem atemlosen Programm pure Karnevalsenergie.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Martin Häming
Mönchengladbach – Auch in dieser Session hatte die Karnevalsgesellschaft Stadtmitte 1936 wieder ein abwechslungsreiches Programm auf dem Plan für ihr beliebtes Kappenfest stehen. Schlag auf Schlag wechselten sich sie närrischen Tollitäten ab, ein Farbenmeer aus Orden, Mützen und kraftvollen Rufen ergoss sich über die gut gelaunte Schar, die im Westend Platz genommen hatte.

Das erste Scheinwerferlicht nach dem Einzug der Gesellschaft fiel dabei auf die Kindergarde der KG Stadtmitte, an die sich die Tanz- und Funkengarde anschloss. Was schon beim jecken Nachwuchs fantastisch aussah, spiegelte sich bei den Großen in präziser Schrittfolge wieder. Doch was wäre ein solcher Abend ohne die Anerkennung für verdiente Karnevalisten. Ernst Braun wurde für 70 Jahre Vereinszugehörigkeit mit einer Urkunde geehrt. Die Ehrung war nicht nur Formalakt, sondern eine spürbar emotionale Widmung — Hände wurden gereicht, Augen wurden feucht, und das Publikum antwortete mit langanhaltendem Applaus, der dem Jubilar eine Bühne voller Respekt schenkte.

Mit ihm sollte der Moment verdienter Ehrungen allerdings nicht enden. Victor Schreiner, Wilfried Lewandowsky und Thomas Jurischka erhielten die hohe Auszeichnung eines Ehrensenators.
Besondere Aufmerksamkeit galt an diesem Abend der Auszeichnung von Victor Schreiner, der für sein jahrzehntelanges Wirken im Karneval eine der höchsten Ehrungen erhielt. Ihm wurde der „Narr von Europa in Gold“ durch die Föderation Europäischer Narren Deutschland e.V. (FEN) verliehen. Die Auszeichnung überreichte der Deutschlandpräsident der FEN, Christian Schreiner, persönlich. Die Föderation, die ihren Ursprung im Jahr 1975 ausgerechnet in Mönchengladbach hat, war an diesem Abend zu Gast bei Freunden: Seit rund 20 Jahren verbindet sie eine enge Beziehung zur KG Stadtmitte. Victor Schreiner, FEN-Mitglied und Präsidiumsrepräsentant, wurde damit für über 40 Jahre aktives karnevalistisches Engagement geehrt.

Es folgte ein Wechsel zur marschierenden Eleganz: Die Prinzengarde Willich betrat die Tanzfläche, die unter dem Kommando von Michael Liedtke eine klassische Gardevorführung mit nach Gladbach gebracht hatte: stramme Linien, federnde Schritte, präzise Salutbewegungen. Die Musik trieb sie an, und die Kommandos saßen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1972 prägt die Prinzengarde den Willicher Karneval mit Haltung, Herz und unverwechselbarem Profil.
Wo die blau-weißen Uniformen erscheinen, ist Verlässlichkeit garantiert: im Auftreten, im Brauchtum und im kameradschaftlichen Miteinander. Mit Stolz und Disziplin begleitet die Garde das jeweils amtierende Willicher Prinzenpaar, steht ihm zur Seite, schützt, repräsentiert und verleiht dem närrischen Regiment den würdigen Rahmen. Diese Aufgabe ist Ehre und Verpflichtung zugleich – getragen von Gardisten, die wissen, was es heißt, Tradition nicht nur zu zeigen, sondern zu leben.

Unter den Gästen auch das 79. Prinzenpaar des Karnevalsvereins Weiterstadt, Prinz Holger I. und seine Lieblichkeit Prinzessin Corinna I., die gemeinsam mit ihrem Kronrat Frank Otto und Dani Otto, dem Hauptmann der Stadtgarde Weiterstadt, angereist waren. Und ja, auch im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg regiert aktuell die 5. Jahreszeit. Darauf ein dreemoal: „KVW – Allen wohl und Niemand weh!“

Dann erklang Kinderlachen auf besondere Art: Das Kinder-Prinzenpaar der Stadt Mönchengladbach 2025/26 — Prinz Luis I. (Ewerhardy) und Prinzessin Annick I. (Homann) — betrat die Bühne, flankiert von Hofmarschall Hajo Hering und Adjutant Nicklas Fondermann. Die „Kleinen“ sind dabei allerdings schon ganz große Profis auf der Bühne und längst alte Hasen am Mikrofon.

Sie sollten natürlich nicht die einzigen närrischen Regenten bleiben und so schloss sich auch das Bardenberger Dreigestirn mit Prinz Anke I. Bauer Petra II. und Jungrau Maxi I. an. Sie begleitete die 1. Bardenberger Prinzengarde 1981 e. V., die unter dem Kommando von Ingo Pfennings das nächste Highlight des Abends mit ihrem Tanz setze.

Apropos Höhepunkte, zu denen gehörte natürlich unangefochten auch das Prinzenpaar der Stadt Mönchengladbach 2025/26: Prinz Marc I. (Thönes) und Prinzessin Niersia Janine (Thönes), begleitet von Hofmarschall Rolf Gaden, Adjutant des Prinzen Stefan Neus und Adjutant der Prinzessin Michael Böhm. Auch sie ließen sich ihren Auftritt am Mikrofon nicht entgehen und so folgte nach einem Interview ein Ständchen für ihr närrisches Volk.
Schunkelstimmung garantiert, die sich nahtlos in den anschließenden Auftritt einreihte, als „KWIEN – de Stäänefleejer vum Rhing“ die Zuhörer mit auf eine musikalische Reise nahmen. Die Band, 2019/2020 aus erfahrenen Musikern formiert, brachte kölsche Mundart, handgemachte Musik und eine ansteckende Spielfreude auf die Bühne. Ein bunter Strauß, der sofort Fußwippen und Mitsummen auslöste … übrigens für den guten Zweck, denn KWIEN sammelt für die Kinder-Krebs-Hilfe, weshalb ein strahlendes Mariechen mit Sammelbüchse durch die Reihen zog.

Den Schlusspunkt setzte das Männerballett der KG Torfmöps 68 Schiefbahn e. V. — ein tänzerischer Sturmangriff auf die Lachmuskeln: maskuline Over-the-top-Kostüme, choreografische Gags, synchronisierte Späße und eine Prise Slapstick. Das Männerballett spielte die volle Bandbreite des karnevalistischen Humors aus, und als die letzte Figur landete, jubelte der Saal.
So endete ein Abend, der alle Facetten des rheinischen Karnevals zeigte: Tradition, junge Energie, musische Vielfalt, Herzensprojekte und eine Gemeinschaft, die sich in jedem Auftritt neu erfand. Applaus, Gelächter, singende Kehlen und die unverkennbare, warme Wucht des Fastelovends hallten noch lange nach, als sich die Türen des Westends schlossen und die Narren in die kalte Nacht entließen. (cs)





