Ein ungewöhnliches Fahrzeug sorgte am Dienstagmorgen in Dülken für Aufmerksamkeit: Per Sattelzug wurde eine sogenannte Aktiv-Arche auf das Gelände der Katholischen Tageseinrichtung für Kinder Am Marienheim geliefert und dort mit einem Kran millimetergenau an ihren vorgesehenen Platz gesetzt.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Leo Dillikrath
Viersen-Dülken – Schon die Anlieferung war für Kinder und Mitarbeitende ein Ereignis. Der Bleichpfad wurde gesperrt und während der Lkw auf dem Gelände rangierte und die Helfer die Hebevorrichtung vorbereiteten, wurde das neue Spielgerät Schritt für Schritt an seinen Platz gebracht. Das mehrere Meter große Spiel- und Bewegungsgerät ist ein Geschenk der Stiftung Kinderförderung von Playmobil und ergänzt künftig das Außengelände der Einrichtung um einen neuen Ort für Bewegung, Rollenspiel und motorische Förderung.

Die Aktiv-Arche misst rund vier Meter in der Breite und etwa sechs Meter in der Länge; ihr Gewicht von ungefähr zwei Tonnen macht deutlich, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Kletterelement handelt, sondern um eine aufwendige Konstruktion, die speziell für Krippenkinder entwickelt wurde. Krabbeln, klettern, balancieren, sich verstecken, den Körper ausprobieren: Das alles soll auf dem hölzern anmutenden Schiff möglich sein, ohne dass die Sicherheit aus dem Blick gerät.
In der Einrichtung am Bleichpfad wird die neue Arche als mehr verstanden als als zusätzliche Attraktion. Die Kita Am Marienheim gehört zum Verbund-Familienzentrum „MUC“, in dem drei Kindertageseinrichtungen zusammenarbeiten. Am Marienheim nimmt dabei eine besondere Stellung ein, weil die Einrichtung als einzige im Verbund den Status einer PlusKita trägt. Damit verbunden ist ein besonderer Auftrag: Kinder und Familien, die auf Unterstützung, Begleitung und verlässliche Strukturen angewiesen sind, sollen hier nicht nur betreut, sondern möglichst umfassend gestärkt werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Sprachförderung, zugleich versteht sich die Kita für viele Familien als erste Adresse bei Fragen des Alltags.

Die neue Aktiv-Arche fügt sich daher in einen pädagogischen Rahmen ein, der weit über das bloße Spielen hinausgeht. In der Kindertagesstätte werden derzeit 67 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren betreut. Gearbeitet wird nach einem teiloffenen Konzept, das den Kindern Möglichkeiten zur Mitbestimmung eröffnet und ihnen erlaubt, ihren Tagesablauf mitzugestalten. Die Arche erweitert nun das Spektrum der Bewegungsangebote auf dem Außengelände. Gerade für die jüngsten Kinder sind solche Räume von Bedeutung, weil dort grundlegende Erfahrungen mit Körperkoordination, Raumgefühl und sozialen Abläufen gemacht werden. Beim Klettern und Balancieren lernen sie, Kräfte einzuschätzen, kleine Risiken zu bewältigen und die eigenen Fähigkeiten realistisch wahrzunehmen. Das schafft Selbstvertrauen, das wiederum in anderen Situationen des Kita-Alltags wirksam wird.
Dass die Bewegungsförderung in der heutigen Zeit an Bedeutung gewonnen hat, ist in der Kita Am Marienheim keine abstrakte pädagogische Formel, sondern tägliche Erfahrung. Viele Familien leben in engem städtischem Umfeld, nicht wenige ohne Garten oder direkten Zugang zu sicheren Spielflächen. Hinzu kommt, dass Freizeit- und Vereinsangebote außerhalb der Einrichtung für manche Kinder und Eltern schwer zu erreichen sind. Für Stephanie Hüben, Leiterin der Kita, ist das Außengelände deshalb mehr als ein Ort für Pausen zwischen den Bildungsangeboten. Es sei, sagte sie, für viele Familien ein Raum der Orientierung und ein wichtiger Strukturgeber. Gerade Kinder mit besonderem Förderbedarf profitierten davon, wenn Bewegung nicht vom Zufall abhänge, sondern fest in den Alltag eingebunden sei. Die neue Arche schaffe dafür zusätzliche Möglichkeiten und erweitere den geschützten Rahmen, in dem sich Kinder erproben könnten.

Auch räumlich verändert die Lieferung das Bild der Einrichtung. Damit das Spielgerät seinen Platz erhalten konnte, wird der Zaun des Geländes derzeit nach außen versetzt. Auf diese Weise wächst die nutzbare Spielfläche, und das neue Element erhält den Raum, den es für die vorgesehenen Bewegungsabläufe braucht. Der Umbau ist zugleich ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert die Einrichtung dem Projekt beimisst: Die Aktiv-Arche ist nicht einfach aufgestellt worden, sondern wird in die bestehende Struktur eingebettet und damit dauerhaft Teil des pädagogischen Konzepts.
Bei der Stiftung Kinderförderung von Playmobil steht genau dieser Gedanke im Vordergrund. Die Stiftung, 1995 von Horst Brandstätter gegründet, fördert Projekte, die Kinder und Jugendlichen eine gesunde körperliche, geistige und seelische Entwicklung ermöglichen sollen. Ihre Arbeit konzentriert sich auf Bildung und Erziehung, Gesundheit und Schutz, Bewegung und Aktivität sowie Kreativität und Kultur. Vorstand Florian Löffler betonte in diesem Zusammenhang, Kinder bräuchten Räume, in denen sie sich frei bewegen und Dinge ausprobieren könnten. Die Aktiv-Arche verbinde Bewegung mit Fantasie und sozialem Miteinander und leiste damit einen Beitrag zur Entwicklung der Kinder, nicht nur körperlich, sondern auch im Umgang mit anderen.
Dass das Symbol des Schiffes gerade in einer katholischen Einrichtung besondere Resonanz findet, ist kein Zufall. Auch die symbolische Ebene spielt für die katholische Einrichtung eine Rolle: Die Arche gilt als Zeichen von Gemeinschaft und Vertrauen. Sie steht für Halt, für das gemeinsame Unterwegssein und für Schutz in unsicheren Zeiten – und sie soll nicht alleine bleiben, denn schließlich gehören zu einer Arche auch die passenden Tiere. Die Freude über die Lieferung war entsprechend groß, zumal das neue Angebot die pädagogische Arbeit nicht ergänzt, sondern sichtbar erweitert: um einen Ort, an dem Kinder Erfahrungen sammeln, Beziehungen knüpfen und Bewegungsfreude unmittelbar mit Erkundung verbinden können. (sk)





