Borkum: Faszinierende Natur und malerische Fischerhäuser auf der größten Ostfriesischen Insel

Ein Urlaub in der #Nordsee ist immer wieder eine gute Alternative. Wer traumhafte Strände und eine kilometerlange Dünenlandschaft sucht, dem bietet sich auf der Insel #Borkum eine besondere Reichhaltigkeit an Fauna und Flora. Natur pur, die zurecht von der #UNESCO als Weltnaturerbe ernannt wurde.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und RS-Redakteur Leo Dillikrath

Reisen/Deutschland – Bereits bei der Anreise in Eemshaven beginnt das Urlaubsfeeling auf der Fähre nach Borkum. Viel Sonne begleitet die Überfahrt und die erste Seeluft weht ins Gesicht, um die Ohren, sogar die Nase nimmt den Salzgehalt der Luft wahr. Wenn dann langsam Land in Sicht kommt, dominieren die Leuchttürme mit Eindrücken, die man nie mehr vergisst.

Auf den letzten Metern vor dem Anlegen im Hafen fällt der Blick in das Wasser der Nordsee. Viel zu häufig wird vergessen, dass die Nordsee eines der produktivsten Gewässer der Welt ist und in jedem Liter Wasser Millionen winzige Lebewesen beheimatet sind. Sie bilden gemeinsam mit einer facettenreichen Vielfalt verschiedener Algen die Lebensgrundlage für kleine Fische und große Meeressäuger. Teile der westlichsten und mit rund 31 Quadratkilometern größten Ostfriesischen Insel gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Borkum selbst ist nicht autofrei, weshalb nicht wenige Besucher die Autofähre nutzen. Dennoch wurden im Inselort viele autofreie Zonen geschaffen, teilweise dürfen Straßen nur für die An- und Abreise genutzt werden. Fußgänger und Radfahrer haben auf Borkum fast immer Vorfahrt.

Wer ohne eigenes Fahrzeug in den Urlaub fährt kann die Anreise mit dem Flugzeug, der Fähre oder dem Katamaran wählen. Vom Hafen aus geht es dann mit dem Fahrrad, dem Bus, Kutsche oder der Borkumer Kleinbahn ins Zentrum. Die nostalgischen Waggons haben ihre spartanische Ausstattung erhalten, aber genau das macht ihren Charme aus. Die Fahrt dauert gut 15 Minuten und ist im Fährpreis bereits enthalten. Wenige Kilometer und dann hat ein jeder seine Wohnung erreicht.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Langeweile kommt auf dieser Insel nicht auf, bietet sich doch eine Vielfalt von Sportmöglichkeiten an. Strandsegeln, Surfen, Tandem-Fahren sowie Schnupperkurse jeglicher Art. Auch Reiter finden auf Borkum ihren Platz, neben Kutschfahrten, Schiffstouren und Wattwanderungen, mit oder ohne erfahrenen Führer für einen erlebnisreichen Tag.
Radfahrer haben hier das Glück, dass sie eigentlich überall fahren dürfen und so das gewünschte Ziel sportlich erreichen. Radwege rund um die Insel bieten sich an um die Natur zu genießen, zu bestaunen, zu fotografieren oder gar zu malen, schließlich sind die Eindrücke von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt überwältigend.

Längst haben Film und Fernsehen das kleine Dorf Ostland für sich entdeckt. Bekannt und beliebt, lohnt es sich hier einen kulinarischen Besuch einzulegen und dabei die Aussicht über die Steerenk-Klipp-Düne mit einem faszinierenden Rundumblick über die Nordseeinsel zu bewundern. Auf den Weiden und im Marschland kann man die Hochlandrinder, Schafe und Gänse beobachten. Passenderweise lässt sich die Düne mit dem Fahrrad erkunden, sodass stetig ein Stopp eingelegt werden kann. Der Weg führt vorbei an kleinen Wäldern mit Moorbirken und Schwarzerlen, auf den Wiesen locken Weißwangengans, Ohrenlerche, Brandseeschwalbe, Sumpfrohreule oder Goldregenpfeife.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Wenn der Tourismus sich in die Orte zurückzieht oder das Wetter für weniger Besuche sorgt, dann erobert die Tierwelt die häufig menschenleeren Strände zurück. Gerade dann werden die Aufenthalte zu einem unvergesslichen Erlebnis, bei denen Enten sich nicht in ihrem Schlaf stören lassen, Rehe angstfrei in der Nähe grasen oder Fasanen ihrem Nachwuchs zeigen, wo sie denn das beste Gericht für ihre eigene Speisekarte auf der Insel finden.

So sehr auf der einen Seite das Grün überwiegt, so verändert stellt sich die Küstenlandschaft mit kilometerlangen Dünen dar. Wären das Rauschen der Wellen und das Rufen der Möwen nicht, könnte der Besucher ein wenig das Gefühl erhalten in einer kühlen Wüste zu stehen, in welcher der Wind kunstvolle Motive in den Sand zeichnet. Die Dünen bieten eine bezaubernde Kulisse bei entspannenden Wanderungen und Radtouren bis hin zu den Muschelfeldern im Wattenmeer.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Dieses übrigens ist Teil des großen Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Hier dürfen nur die ausgewiesenen Wege betreten werden und vor Spaziergängen im Watt ohne Führer strengstens gewarnt wird. Als weiteres Naturschutzgebiet ist die Greune Stee ausgewiesen, das große Wäldchen südöstlich von Borkum, welches so zahlreich den verschiedenen Vogelarten eine Heimat bietet. Sehenswert auch das Naturschutzgebiet Tüskendörsee. Der Zwischendurch-See liegt an der Stelle, an der Borkum vor dem Deichbau überflutet und so geteilt wurde.

Nicht vergessen werden darf bei dieser Aufstellung die Ronde Plate, das Wattgebiet in der Nähe des Yachthafens mit seinen beeindruckenden Salzwiesen oder die Waterdelle, ein flacher See, nordöstlich von Borkum, in der Nähe von Ostland. Im Sommer trocknet der Bereich aus, wodurch sich ein vielfältiges Miteinander von Pflanzen und Tieren entfalten konnte. Auf der Suche nach einer faszinierenden Vegetation und seltenen Vogelarten lockt zudem der Osten von Borkum. Mit dem Fahrrad hervorragend zu erreichen ist hier meist wenig los und romantische Spaziergänge bis zum südlichen Deich bieten sich an, bevor dann die Reihe der Naturschutzgebiete natürlich mit der bekannten Seehundbank am Hohen Riff endet. Nördlich von Borkum und von der Uferpromenade aus ist der Hotspot der Fotografen sichtbar. Eindrucksvoll kann hier beobachtet werden, wie die Tiere zu ihren tiefen Tauchgängen aufbrechen oder die Heuler ungeduldig auf den nahrhaften Nachschub warten.

Wenn morgens die Sonne auf geht, versammeln sich die ersten Frühsportler am Strand. Der frische Sauerstoff und die Atemgymnastik sorgen für das richtige Feeling um die Seele baumeln zu lassen. Nicht verwunderlich, dass Borkum als Kurort bekannt ist. Daneben lockt ein Kletterpark mit Meerblick die kleinen Gäste, die dann auf dem Minigolfplatz ihr Können beweisen können bevor das kühle Nass des großen Schwimmbads am Meer lockt. Mit ein wenig Glück für die Gäste steigt die Wassertemperatur der Nordsee im Sommer sogar über 25 Grad an und bringt Mittelmeerfeeling zu den Ostfriesischen Inseln.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Hungrig vom Sport und der frischen Seeluft ist danach eine Pause an einer der vielen Milchbuden ein Muss. Bereits seit über 100 Jahren wird den Badegästen die Borkumer Dickmilch angeboten, die traditionell mit Keksen genossen wird. Oder wie wäre es mit einem Kuchen? Genügend Cafés gibt es auf der ganzen Insel, so steht der Kaffeezeit nichts im Wege, bis dann am Abend das Promenadendeck mit seinen zahlreichen Restaurants am Stand lockt. Hier kann der Tag mit der Musik im Pavillon langsam und gemütlich ausklingen, während die Abendsonne ein unvergessliches Lichtspektrum am Himmel zaubert, welches sich im Meer widerspiegelt.

Und wenn dann der nächste Tag beginnt, dann steht natürlich eine Fahrt mit der Bimmelbahn oder ein Besuch im Aquarium an. Oder wäre etwas Geschichte im Heimatmuseum eher interessant? Die Möglichkeiten sind vielfältig, weshalb wir uns für zunächst für die Panoramasauna entschieden haben. Von ihr aus können die schwitzenden Besucher direkt auf den Strand schauen und dabei vorbeiziehende Möwen ebenso beobachten wie die Seehunde, die die Sonne genießen oder Kaninchen, die zwischen den Dünen Schutz suchen.

Neben der 90 Grad-Aufgusssauna bietet die Reflexzonenmassage nach der langen Radtour des gestrigen Tages die richtige Entspannung, die sich im Strömungskreisel der Außenbecken langsam wieder in Kraft verwandelt. Schließlich will der „Neue Leuchtturm“ mit seiner 60 Meter hohen Aussichtsplattform erklommen werden. Sechs Monate dauert die Bauzeit vor über 130 Jahren. Nachts weist er den Schiffen den Weg, tagsüber bietet er nach 308 Stufen einen grandiosen 360-Grad-Rundblick über die Insel.

Erbaut wurde der Leuchtturm an der Westseite Borkums 1879 und ist übrigens der westlichste in ganz Deutschland (Strandstraße, 26757 Borkum). Geöffnet ist er vom 15. Juli – 31. Oktober 2021, montags 11.00 – 16.00 Uhr / dienstags – donnerstags 11.00 – 15.00 Uhr / freitags – sonntags sowie feiertags 11.00 – 16.00 Uhr. Ab dem 1. November verändern sich die Öffnungszeiten auf mittwochs, samstags und sonntags von 14.00 – 16.00 Uhr. Letzter Einlass ist immer 30 Minuten vor Schließung. Aktuell (2021) kostet der Eintritt 3 Euro für Erwachsene und für Kinder von 4 – 14 Jahren 2 Euro.

Wo es einen neuen Leuchtturm gibt, da existiert meist auch ein alter … in diesem Fall sogar das älteste Bauwerk aller Ostfriesischen Inseln. Bei archäologischen Grabungen kam zutage, dass hier im 14. Jahrhundert eine kleine Kirche gestanden hat. Die Stadt Emden ersetzte 1576 den Kirchturm durch einen 40 Meter hohen Leuchtturm, an den ein Walfänger-Friedhof angrenzt. 1879 brannte der Leuchtturm aus, ist aber heute noch zu besichtigen (Wilhelm-Bakker-Straße, 26757 Borkum) und bietet ebenso wie der elektrische Leuchtturm ein fantastisches Fotomotiv. Der 1890 erbaute elektrische Leuchtturm zählt mit seinem rot-weißen Anstrich mittlerweile zu den perfekten Urlaubsmotiven der Insel. In Betrieb ist er allerdings seit einigen Jahren nicht mehr. Er ragt mit seinen 27 Metern auf der Randdüne südlich des Ortskerns von Borkum in die Höhe und ist vom Stadtzentrum aus mit einem 15-minütigen Fußmarsch zu erreichen (Süderstraße, 26757 Borkum).

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Rot-weiße Romantik bietet zudem das Feuerschiff Borkumriff, eigentlich ein schwimmender Leuchtturm. Das Schiff liegt seit seiner „Pensionierung“ am 15. Juli 1988 im Borkumer Hafen und wies zuvor mit einem Leuchtfeuer den Schiffen den Weg in die Ems. Heute ist die Borkumriff Museumsschiff, Informationszentrum und als Nationalparkschiff übrigens immer noch fahrbereit. Zwischen den Einsätzen kann man das Schiff besichtigen, bei den Führungen geben die Mitglieder der alten Besatzung Einblicke in die Arbeit als schwimmendes Leuchtfeuer (Am Neuen Hafen, 26757 Borkum).

Zu unseren Tipps und Ausflugszielen, von denen es auf Borkum wesentlich mehr gibt, als in einem Bericht aufgeführt werden kann, ist der Walkinnladenzaun, ein weltweit einmaliger Walknochenzaun. Er erinnert an die Geschichte der Insel und entführt zurück in das 17., aber vor allem 18. Jahrhundert, in denen die Bewohner als Arbeitsmigranten auf Walfang in das arktische Eismeer fuhren. Der Walfang führte, trotz seiner enormen Risiken, zu einem großen Reichtum, der der Insel zugutekam. War der Fang erfolgreich, durften die Walfänger die Knochen mit nach Hause nehmen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Auf der damals noch nicht so bewaldeten Insel waren diese Knochen willkommenes Baumaterial und wurden als Schutz vor den Winden als Zäune eingesetzt. In der Nähe des Alten Leuchtturms befinden sich die beiden einzigen noch verbliebenen Zäune aus Kieferknochen von Grönlandwalen. Ergänzt werden die Zäune von einem Wal-Pfad, welcher aus neun verschiedenen Schildern besteht, die auf ganz Borkum verteilt sind. Start ist am Nordkaper-Wal auf der oberen Promenade, der im Sommer immer werktags täglich um 11 Uhr morgens sein Wasser über die Promenade pustet. Wer dann einmal die tatsächliche Länge eines Wals erfassen möchte, der besucht das Heimatmuseum Dykhus mit seinem Pottwal-Skelett. Das 15 Meter lange und 35 Tonnen schwere Tier war 1998 an der Schleswig-Holsteinischen Küste gestrandet.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Von Borkum verabschieden wir uns nun am nordwestlichsten Punkt Deutschlands, der durch einen grün-weiß gestreiften Pfeiler gekennzeichnet ist. Ein wenig Informationen zur deutschen Geschichte und den wechselnden Herrschaftsverhältnissen auf der Nordseeinsel lehren die angebrachten Tafeln … eigentlich gäbe es noch so viel mehr und deshalb kommen wir bestimmt wieder. Wer bis dahin noch Tipps für eine Reise sucht, der wird übrigens bestimmt fündig auf der Webseite inlandstourismus.de. (nb/ld)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

 

2 Kommentare

  1. Ein toller Bericht über den sehr wahrscheinlich schönsten Sandhaufen Deutschlands oder Europas oder der ganzen Welt!

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