Die Industrieumsätze haben sich im Kreis Viersen und in der gesamten Region Mittlerer Niederrhein im dritten Quartal 2025 nur schwach entwickelt. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein auf Basis von Daten von IT.NRW.
Kreis Viersen – „Diese Zahlen sind deutliche Zeichen einer bereits stattfindenden Deindustrialisierung“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Insbesondere energieintensive Branchen melden erneut rückläufige Umsatzzahlen. Die IHK begrüßt daher den von der Bundesregierung beschlossenen Industriestrompreis.
Im Kreis Viersen sind die Industrieumsätze im dritten Quartal um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken. In der Gesamtregion Mittlerer Niederrhein waren die Industrieumsätze um 6,8 Prozent geringer als im Vorjahresquartal. „Zuletzt hatten sich die Zahlen auf niedrigem Niveau stabilisiert. Aber die Daten vom dritten Quartal zeigen, dass noch keine nachhaltige Trendwende in Sicht ist. Es geht tendenziell eher weiter abwärts als aufwärts“, sagt Steinmetz. Der Rückgang betrifft das Aus- und Inland: Der Exportumsatz sank in der Region im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,6 Prozent, im Kreis Viersen um 8,2 Prozent. Der Inlandsumsatz sank in der Region um 6,9 Prozent, im Kreis Viersen stieg er um 3,4 Prozent. Der Mittlere Niederrhein schneidet diesmal schlechter ab als das Bundesland: Nordrhein-Westfalen verzeichnete ein Umsatzminus von 1,8 Prozent.
In einigen Branchen in der Region ist die Lage besonders schwierig. In der chemischen Industrie sind die Gesamtumsätze im dritten Quartal um 15,2 Prozent, die Auslandsumsätze sogar um 18 Prozent, gesunken. „Die chemische Industrie ist die gesamte Region von großer Bedeutung, sie hat immerhin einen Anteil von fast 30 Prozent an den gesamten Industrieumsätzen im IHK-Bezirk. Ein erneut so deutliches Umsatzminus macht uns große Sorgen“, so Steinmetz. Auch weitere energieintensive Branchen wie die Metallerzeugung und -bearbeitung melden einen Umsatzrückgang von 12,7 Prozent. Etwas besser sieht die Lage bei den Herstellern von Nahrungs- und Futtermitteln aus, hier gab es ein Umsatzplus von 3,9 Prozent. Im Maschinenbau gab es ein Plus von 7,8 Prozent, die Hersteller von Metallerzeugnissen meldeten ein Plus von 14,8 Prozent.
Vor diesem Hintergrund begrüßt Steinmetz die Beschlüsse des Koalitionsausschusses. Der geplante Deutschlandfonds könne helfen, Unternehmensinvestitionen wieder zu steigern. „Richtig ausgestaltet, kann diese Maßnahme auch unsere Industrie stärken.“ Den geplanten Industriestrompreis sieht er mit gemischten Gefühlen: „Subventionen sind differenziert zu betrachten, aber eine Strompreisentlastung für die besonders gefährdete energieintensive Industrie ist grundsätzlich zu begrüßen.“ Gleichzeitig betont der Hauptgeschäftsführer, dass diese Subvention, auch wenn das Bundeswirtschaftsministerium hier beihilferechtlich eine Menge rausgeholt hat, nur einigen wenigen Unternehmen helfe und insgesamt nicht ausreiche: „Es braucht auf dem Energiemarkt bessere Rahmenbedingungen, damit der Strompreis für alle Unternehmen sinken kann.“ (opm)


