Europaschützen zu Gast in Mönchengladbach

Nach 2017 hatte das Europäische Schützenpräsidium beschlossen, wieder Schützen aus ganz Europa nach Mönchengladbach einzuladen. Pandemie bedingt war das nach zwei Jahren die erste Tagung und die Freude bei den Schützen war überwältigend viele Freunde und Bekannte wieder zu sehen.
Text von RS-Redakteurin Marlene Katz

Europakönigspaar Leo und Irma Niessen mit Präsident Prinz Charles-Louis de Merode. v.re.: Bruderrat

Mönchengladbach – Nach der Sitzung des Präsidiums hatte Oberbürgermeister Felix Heinrichs zu einem Empfang in die City-Kirche eingeladen. Luftballons, die in den Farben blau und gelb angestrahlt wurden, zeigten schon beim Eintritt die Solidarität mit der Ukraine.

Horst Thoren als Vize-Präsident der EGS und Bezirksbundesmeister der hier ansässigen Bruderschaften begrüßte das Europakönigspaar Leo und Irma Niessen, den Präsidenten der EGS, Prinz Charles-Louis de Merode, einen ganz besonderen Gast und zwar den ukrainischen Schützenbruder Viktor Fedosiuk sowie ca. 250 Schützenbrüder und –aus ganz Europa. Außerdem natürlich den Gastgeber Oberbürgermeister Felix Heinrichs sowie die Bürgermeister aus Dormagen, Erik Lierenfeld, und Tiefgraben, Johann Dittlbacher, wo 2024 in seiner Nachbargemeinde Mondsee das nächste Europaschützenfest stattfinden wird.

Prinz de Merode, Peter-Olaf Hoffmann, Viktor Fedosiuk, Horst Thoren

Heinrichs freute sich, bedeutsame Persönlichkeiten des europäischen Schützenbrauchtums begrüßen zu können. Er ging auf die Kirche ein, in welcher der Empfang stattfand und erklärte, dass diese früher St. Maria Himmelfahrt geheißen hätte und das älteste Bauwerk in Mönchengladbach sei. In dieser Kirche trifft man Tradition und Modernes. Weiter führte er aus, dass Prinz de Merode für das Schützenbrauchtum in Europa stehe und es eine Ehre für Mönchengladbach sei, dass diese Tagung hier stattfinde. Außerdem stellte er fest, dass jede Tradition nur so gut ist, wenn sie lebendig bleibt und das Treffen hier in Mönchengladbach zeigt die gelebte Solidarität. Er versprach, dass alle Ukrainer hier ein neues Zuhause finden werden. Er schloss mit den Worten: Friede auf Erden, denn das ist das Leitwort für heute und lasst uns gemeinsam ein Europa bilden und Solidarität zu zeigen.

Prinz de Merode dankte dem Oberbürgermeister für den Empfang und erklärte, dass sie gerne wieder nach Mönchengladbach gekommen waren. Er nahm Bezug auf den Krieg in der Ukraine, der vor der Haustür steht und schon viele unschuldige Opfer gekostet hat. Er bat, liebt eure Feinde und betet zu Gott, dass er seinen Segen gebe über Gerechte und Ungerechte.

Dann erfolgte eine Podiumsdiskussion zwischen Dorothee Krings sowie der ukrainischen Generalkonsulin Iryna Shum und dem polnischen Generalkonsul Jakub Wawrzyniak.

Shum erklärte, dass viele Geflüchtete so schnell wie möglich wieder nach Haus wollen und es auch zum Teil in den Westen der Ukraine geschafft haben. Weiter führte sie aus, dass täglich ca. 30 Krankenwagen zerstört würden und auch die Häuser, die die Leute aufgebaut hatten, nicht mehr vorhanden sind. Aus Spendengeldern kaufe sie alte Fahrzeuge, die sie dann zur Verfügung stellt. Die Ukraine erhalte von allen Seiten Unterstützung wie Waffenlieferungen und schmerzhafte Sanktionen. Sie hofft auf das Ende des Einflusses von Putin und dass die Bewohner Russlands verstehen, dass so etwas nicht gut gehe.

Wawrzyniak erklärte, dass alle in Polen Solidarität in ihren Herzen haben. Etwas was von Herzen kommt, denn sie verbindet Geschichte und Angst gegenüber Russland. Darum ist es so, dass die Menschen so handeln. Alles entwickelt sich in natürlicher Weise. In vielen Städten Polens hat sich die Einwohnerzahl erhöht. Wäsche und Medikamente werden auch für die Flüchtlinge in Polen benötigt. Man sollte nicht nachlassen und nicht zum Alltag einkehren lassen. Auch dort kann man helfen, auch in finanzieller Hinsicht.

Generalkonsulin Iryna Shum mit Generalsekretär Peter-Olaf Hoffmann

Anschließend überreichte EGS-Generalsekretär Peter-Olaf Hoffmann einen Scheck über 10.000 Euro für Soforthilfe an Shum. Außerdem erhielten Shum und Wawrzyniak das goldene Verdienstkreuz der EGS für ihre Engagements.

Dann bedankte sich Schützenbruder Viktor Fedosiuk für die Hilfe der Schützen auf ukrainisch, was von Andrzej Wegner aus Polen übersetzt wurde. Weiter schilderte in kurzen Worten was zurzeit in der Ukraine passiert. Als Dank für die bisherige Unterstützung überreichte er drei gemalte Ikonen an Hoffmann, de Merode und Thoren. Diese Ikonen waren auf Munitionskistenbretter von einem ukrainischen Kosaken gemalt worden.

Weiter wurden silberne Verdienstkreuze an Erik Lierenfeld und Martin Vogt verliehen, die von Dormagen aus schon viele Transporte in die Ukraine überführt haben. So wurde auch noch in der Nacht ein gespendeter Transporter für eine Klinik nach Krakau gefahren, begleitet von einem Bus mit Hilfsgütern, der auf der Rückfahrt Flüchtlinge mit nach Deutschland nehmen wird.

Nach diesem Empfang begaben sich die Gäste zum ehrwürdigen Münster, wo die Hl Messe mit Investitur neuer Ritter stattfand.

Unter den Klängen des Liedes „Tochter Zion“ zogen die Standarten, Fahnen, die bisherigen Europakönige, der Oberbürgermeister, die noch zu ernennenden Ritter, das Europakönigspaar Leo und Irma Niessen sowie Charles-Louis Prinz de Merode in die Kirche ein. Letztere nahmen auf der Empore unter dem Kreuz Platz.

Die Hl. Messe wurde zelebriert von Manfred Riethdorf, Probst Dr. Peter Blättler, Bezirkspräses Johannes van der VorstHermann-Josef Schagen.

Thoren begrüßte die Besucher mit den Worten: fröhliche Weihnachten. Er verwies dabei auf die Krippe, die vor dem Altar aufgebaut war und meinte, was kann friedlicher sein als die Krippe. Alle wünschen sich den Frieden und daher dienen die Krippe und der Engel als Friedensbotschaft. Sie stellt auch die Verbundenheit der EGS-Schützen und der Ritterschaft mit der Ukraine dar und wir wollen alle für den Frieden beten. Wir wollen die Menschen nicht vergessen und auch nicht im Stich lassen. Das Münster ist ein guter Ort um Gott um Hilfe zu bitten und die neuen Ritter es als Aufgabe sehen, für den Frieden einzutreten.

Meldung des Großen Zapfenstreichs durch den Komandierenden Offizier Jürgen Zimmermanns an den Europakönig

In seiner Predigt erzählte Blättler eine Geschichte über einen Herrscher, der seinen Feldherrn beauftragte, alle Feinde zu vernichten. Als er lange nichts von seinem Feldherrn gehört hatte, beauftragte er die Kundschafter nach ihm zu suchen. Sie fanden den Feldherrn an einem Tisch zusammen mit den Menschen aus Feindesland. Seine Antwort war, wir haben die Feinde vernichtet, dafür jetzt aber Freunde gewonnen.

Europakönigspaar mit seinen Adjutanten: Heinz-Josef Katz (D) Fred van Hal (NL) und Zbigniew Lemiech (PL)

Weiter nahm er Bezug auf die Krippe und den Friedensengel. Auch führte er aus, dass am heutigen Freitag in der orthodoxen Kirche der Karfreitag gefeiert würde und das kommende Wochenende dann bei diesen das Osterfest sei. Papst Franziskus habe Putin gebeten, zumindest an diesem Wochenende die Waffen schweigen zu lassen. Aber die christliche Hoffnung und Zuversicht ist, dass der Friede wieder eintritt.

Dann erfolgte die Investitur, d.h. verdiente Schützenbrüder werden als Ritter in den Bund des Hl. Sebastianus in Europa aufgenommen. Zuvor müssen sie einige Fragen mit „ja, wir sind bereit“ beantworten. Der Ritterschlag erfolgte durch Prinz de Merode.
Ausrichtung der Ritterschaft:  Pro deo – pro europae christianae uniate – pro vita

Mitglied im Bruderrat und Präsident in Venn, Ritter Jürgen Zimmermanns

Insgesamt wurden 21 Ritter neu aufgenommen, u.a. Oberbürgermeister Felix Heinrichs und MdL Jochen Klenner und Bruderratsmitglied Jürgen Zimmermanns. Außerdem erhielt Bundesschützenmeister Emil Vogt das Ritterkreuz zum Justizdonaten und Sven Wottrich das Ritterkreuz zum Magistralritter.

Beim Empfang wurde den Gästen jeweils eine Kerze übergeben, die während der Messe als Friedensgruße angezündet wurde.

Nach dieser Messe fand auf dem Münstervorplatz die Gratulationskur für die neuen Ritter sowie der Zapfenstreich statt. Gespielt wurde dieser vom Tambourcorps „Mit Vereinten Kräften“ Wickrath und dem  Bundesschützen-Musikkorps Kleinenbroich. Kommandant war Jürgen Zimmermanns. Eröffnet wurde der Zapfenstreich mit der Europahymne.

Da sich an diesem Wochenende viele Schützen aus Europa in Mönchengladbach befanden, hatte Horst Thoren es sich überlegt, das Fest am Dicken Turm um eine Woche nach vorne zu verschieben.

Unter den Klängen des Tambourcorps Neuwerk zogen das Europakönigspaar Leo und Irma Niessen, Prinz de Merode, Horst Thoren, Europakönig 2015 – 2017 Josef Lohninger (re) sowie weitere Schützen zum Dicken Turm. Dort hatten sich auch schon die Könige der hiesigen Bruderschaften nebst Gefolge versammelt.

Thoren begrüßte die Gäste mit den Worten: was kann es schöneres geben, als bei strahlendem Sonnenschein aufzuziehen und zu wissen, wie Schützengemeinsamkeit ist. Alle Schützen haben ein Freundschaftsversprechen abgegeben und zwar Hilfsbereitschaft und Frohgemut, denn wer schlecht ist, kann auch nichts Gutes tun.

Weiter fuhr er fort, dass einer einen direkten Draht nach oben hat und darum das schöne Wetter. Gemeint war unser Bezirkspräses Johannes van der Vorst. Für alles, was er bisher getan hat, sei es in Rom oder in unserer Heimat, sollte er geehrt werden, denn er ist unser Freund.

Aus der Hand von Prinz de Merode erhielt er das Silberne Verdienstkreuz der EGS und zu seinen Ehren brachte das Tambourcorps Neuwerk ihm ein Ständchen dar, bei dem Europakönig Leo Niessen als Tambourmajor aktiv war.

Bevor das Foto mit allen Königen des Bezirksverbandes geschossen wurde, spielten die Alphornbläser Korschenbroich auf.

Das Fest am Dicken Turm endete mit einem gemütlichen Beisammensein und als Abschluss der Auftritt der Band „Echt Lekker“.