Feinarbeit am Dach bringt Boisheimer Klempner ins Rampenlicht

Wenn feines Blech auf handwerkliche Leidenschaft trifft, entstehen Arbeiten, die weit über reine Funktion hinausgehen. Genau das zeigt derzeit ein außergewöhnliches Meisterstück aus Boisheim, das bundesweit für Aufmerksamkeit sorgt.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Viersen-Boisheim – Kai Plätzmüller, angehender Klempnermeister aus dem Stadtteil, hat es mit seiner Arbeit bis ins Finale des renommierten Leserwettbewerbs „Meisterstück des Jahres“ geschafft – einem der wichtigsten Wettbewerbe für das Bau- und Metallhandwerk in Deutschland. Ausrichter des Wettbewerbs ist die Fachzeitschrift Baumetall, die seit vielen Jahren herausragende Leistungen im Handwerk sichtbar macht. Jährlich werden dort die besten Meisterstücke des Klempnerhandwerks in drei Kategorien ausgezeichnet. Schon die Nominierung für das Finale gilt in Fachkreisen als besondere Anerkennung – denn bewertet werden nicht nur saubere Ausführung und technische Präzision, sondern auch Planung, Kreativität und gestalterischer Anspruch.

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Für die Region ist diese Finalteilnahme aus mehreren Gründen bemerkenswert. Denn das Klempnerhandwerk führt hierzulande häufig ein Schattendasein – nicht aus Mangel an Bedeutung, sondern eher aus Unkenntnis. Viele Menschen verbinden den Begriff „Klempner“ automatisch mit Sanitärinstallationen. Tatsächlich aber liegt das Tätigkeitsfeld ganz woanders: Klempner arbeiten mit Feinblech und sind Spezialisten für alles, was Dach und Gebäudehülle schützt und prägt. Dazu zählen Dachrinnen, Fallrohre, Kamin- und Attikabekleidungen, Fassadenverkleidungen, komplexe Entwässerungssysteme und sogar vollständig aus Metall gefertigte Dächer.

Wie prägend diese Arbeiten für das Erscheinungsbild von Gebäuden sein können, lässt sich auch in der Region beobachten. Ein markantes Beispiel ist die Turmspitze der Herz-Jesu-Kirche in Dülken. Ihre Kupfereindeckung zeigt eindrucksvoll, dass Blech seit Jahrhunderten nicht nur ein funktionales Baumaterial ist, sondern auch gestalterische Qualität besitzt. Solche Bauwerke beweisen, wie langlebig und zugleich ästhetisch Metallarbeiten sein können – ein Wissen, das im modernen Bauwesen aktuell eine Renaissance erlebt.

Dabei ist das Gewerk regional unterschiedlich benannt. Während im Westen Deutschlands meist vom „Klempner“ gesprochen wird, heißen dieselben Fachleute andernorts Spengler, Flaschner oder Blechner. Diese Vielfalt an Bezeichnungen spiegelt die lange Tradition des Handwerks wider, sorgt aber auch dafür, dass das Berufsbild nicht immer klar wahrgenommen wird. Hinzu kommt, dass viele typische Klempnerarbeiten in dieser Region historisch von Dachdeckern mit ausgeführt wurden. Die Folge: Die Weiterbildung zum Klempnermeister ist hier vergleichsweise selten – umso bemerkenswerter ist der Weg, den Kai Plätzmüller eingeschlagen hat.

Den fachpraktischen Teil seiner Meisterausbildung hat der Boisheimer bereits erfolgreich abgeschlossen. Derzeit absolviert er noch den kaufmännischen Abschnitt der Meisterschule. Sein eingereichtes Meisterstück entstand im Rahmen dieser Ausbildung und vereint genau jene Aspekte, die modernes Handwerk heute auszeichnen: präzise Planung, hohe technische Anforderungen und ein klares gestalterisches Konzept.

Im Mittelpunkt des Werkstücks steht eine kunstvoll ausgearbeitete Erweiterung der Dachrinne am Ablaufpunkt. Was zunächst unscheinbar klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als detailreiche Verbindung von Tradition und moderner Technik. Klassische handwerkliche Elemente wurden bewusst aufgegriffen und mit einer zeitgemäßen, funktionalen Lösung für die Dachentwässerung kombiniert. Das Ergebnis ist nicht nur technisch durchdacht, sondern macht auch sichtbar, welches gestalterische Potenzial im Klempnerhandwerk steckt.

Gerade dieser Aspekt gewinnt derzeit wieder an Bedeutung. Immer mehr Bauherrinnen und Bauherren sowie Architektinnen und Architekten entdecken Blech als hochwertigen Baustoff neu. Richtig verarbeitet ist es äußerst langlebig, widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse und vielseitig einsetzbar – sowohl in Form als auch Farbe. Gleichzeitig verleiht es Gebäuden eine zeitlose Wertigkeit, die mit kaum einem anderen Material vergleichbar ist. Plätzmüllers Meisterstück greift diesen Zeitgeist auf, ohne die handwerklichen Wurzeln zu verleugnen. Es zeigt, dass traditionelle Techniken und moderne Architektur keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bereichern können. Genau diese Verbindung dürfte auch die Jury und die Leserschaft des Wettbewerbs überzeugt haben.

Die Entscheidung über die Platzierungen fällt am 24. Februar. Dann werden im Rahmen der Fachmesse Dach & Holz die besten Arbeiten feierlich geehrt. In jeder der drei Kategorien werden die jeweils drei besten Meisterstücke ausgezeichnet. Als Preis winkt der „Goldene Hammer“ – eine begehrte Auszeichnung im Bau- und Metallhandwerk. Unabhängig vom Ausgang steht für den Boisheimer Handwerker bereits fest: Die Finalteilnahme ist ein starkes Signal – für ihn persönlich, für das Klempnerhandwerk und für eine Branche, die zeigt, dass traditionelles Können und moderne Gestaltung heute aktueller sind denn je. (sk)

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