Gott ein Stück näher sein – Erinnerungen an die Pest am Rande des Gereonsplatzes

Auf einem zweistufigen Sockel ragt das Pestkreuz sechseinhalb Meter in die Höhe. Es ist Dank und Erinnerung zugleich.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Sternenkonstellationen mit bösen Voraussagen oder Brunnenvergiftungen galten im Mittelalter als Ursachen der Pest. Die Medizin lag Anfang des 17. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen, als die Seuche alleine in Viersen innerhalb von zwei Jahren rund 2.000 Einwohner das Leben kostete. Machtlos stand man der Krankheit gegenüber, die meist durch Rattenflöhe auf den Menschen übertragen wurde.

In ihrer Not wandten sich die Menschen dem Glauben zu und beteten zu ausgewählten Pestheiligen. So soll nicht nur der Heilige Rochus wundersam von der Pest geheilt worden sein, ebenfalls der Heilige Sebastian war nach einer Pfeilattacke nun vor der Ansteckung geschützt.

Doch die Pest machte keinen Halt vor Gläubigen und so befiel die Krankheit alle Priester der Stadt, die der Seuche erlagen. Hilflos, ohne geistlichen Beistand, wandte man sich an das Kloster in Sonsbeck, welches drei Priester entsandten. Erneut verstarben zwei von ihnen, der Dritte erkrankte und … überlebte ebenso wie mittlerweile abgeordneten Priester des Minoriten-Klosters aus Venlo.

Diese drei überlebenden Geistlichen errichteten als Dank auf dem damaligen Viersener Neumarkt, der heute als Gereonsplatz bekannt ist, ein hölzernes Pestkreuz und riefen ab 1620 zur jährlichen Prozession. Während der französischen Herrschaft von 1798 bis 1815 wurde nicht nur die Prozession verboten, auch das Kreuz wurde entfernt. 1857 folgte ein neues Kreuz: 500 Taler kostete das neugotische, 6,50 Meter hohe Kreuz auf dem zweistufigen Sockel, entworfen durch den Kölner Dombaumeister Vincenz Statz. Abgebildet ist die für das Mittelalter bekannte Darstellung des leidenden Jesus, dessen Wunden der Geißelung zum Symbol für die Pestbeulen der Erkrankten wurden. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt es den heutigen bronzenen Christus-Korpus und fand seinen Platz am Rande des Gereonsplatzes, nachdem das ursprüngliche Haus aus verkehrstechnischen Gründen weichen musste. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel