Jubiläumssitzung „Alles onger ene Hoot“ = 88 Jahre

In das schönste Wohnzimmer von Hardterbroich (Pfarrheim) hatte die Karnevalsgesellschaft zu ihrer Jubiläumssitzung eingeladen. Die motivierten Gäste hatten Sehnsucht nach Karnevalsnormalität, was man ihnen auch ansah.
von RS-Redakteurin Marlene Katz

Mönchengladbach – Unter den Klängen der Musikkameraden Mönchengladbach zogen die Garden der Gesellschaft sowie der Vorstand ein. Sitzungspräsident Guido Ferfers begrüßte die Anwesenden und war froh, wieder in so viele fröhliche Gesichter sehen zu können. Er begrüßte im Einzelnen die Ehrengäste sowie die Schützen, die die Gesellschaft sehr unterstützen. Sein besonderer Gruß ging an das Königshaus der Bruderschaft.

Ein Augenschmaus für die Zuschauer waren die Tänze der Garde. Es begann mit den Vorführungen der Solomariechen Joelina und Lea Marie. Dann folgte der Tanz der kleinen Garde, in der auch ein einzelner Junge mittanzte. Auch die Großen zeigten mit viel Energie, dass sie es in der Pandemiezeit das Tanzen nicht verlernt hatten.

Ein besonderes Lob erhielt der einzige Junge, der es mit all den „Weibern“ aushalten musste. Trotz allem wird er aber weiter als Tänzer aktiv bleiben. Nach diesem Auftritt dankte Ferfers ganz besonders Petra Beckers für die Choreografie sowie Heike Rick als Trainerin, Daniela Assmann und Sarah Gülzow für die Betreuung.

Bei dieser Gelegenheit führte Ferfers eine Rakete bzw. ein Sonderkommando ein, welches bei sehr guten Auftritten von Interpreten als Dankeschön verwendet werden soll. Stufe 1 ist Klatschen, Stufe 2 ist auf den Boden trampeln und Stufe 3 ist, sich 3 x auf die Mütze schlagen mit den Worten Hoot, Hoot, Hoot.

Dann wurde es spannend. Die Musikkameraden spielten das bereits im letzten Jahr proklamierte Kinderprinzenpaar Nicklas und Mia auf die Bühne. Auf dem Weg dorthin verteilten sie kleine Chipstüten sowie Desinfektionsspray an die Gäste. Auf der Bühne trugen sie ihre Begrüßungsrede in Reimform vor und sangen außerdem ein für sie geschriebenes Lied, in dem sie darstellten, dass sie das Amt des Prinzenpaares lieben und sich auf die kommende Session freuen. Sie erhielten hierzu das erste Sonderkommando des Abends. Anschließend baten sie Freunde und Bekannte auf die Bühne zu kommen, um den Orden des Kinderprinzenpaares in Empfang zu nehmen.

Für jedes Mitglied ist es eine Ehre, wenn eine Gesellschaft ein langjähriges Mitglied öffentlich ehrt und das war dann auch bei „Alles onger eine Hoot“ der Fall. Insgesamt wurden fünf Personen für 11 Jahre, 22 Jahre und 33 Jahre geehrt und erhielten hierzu von der Gesellschaft die entsprechende Urkunde.

Auch der Mönchengladbacher Karnevalsverband in Vertretung von Thorsten Neumann hatte es sich nicht nehmen lassen, der Gesellschaft seine Aufwartung zu machen. Dieser führte aus, dass die Gesellschaft ein Familienunternehmen sei und deshalb auch im Wohnzimmer gefeiert werde. Als Dank für die Unterstützung verlieh er zwei MKV-Orden an Michael Ruffer und Michael Leupers.

Als ersten Programmpunkt hatte die Gesellschaft den Bauchredner Gerald verpflichtet. Aus seiner „Mikrowelle“ zauberte er einen Phantasievogel mit dem Namen Emilliio. Von den vielen Zwiegesprächen zwischen den Beiden sei hier eines besonders hervorgehoben. Warum wurde das 9 € Ticket eingeführt. Weil das Tanken so teuer ist und man das Auto stehen lassen soll. Emilliio meinte hierauf, dass seine Tante Alma seit 4 Wochen auf das Autofahren verzichte, aber die Idee kam aus Flensburg. Außerdem führte er aus, dass es mittlerweile auch ein Senioren-Navy gebe, es zeigt nicht nur an, wohin man will, sondern sagt auch, was man da wollte. Auf die Frage, ob Tante Alma ein Verbrenner- oder ein E-Auto habe, erklärte Emilliio, sie will kein E-Auto, denn sie hat Angst bei Durchfall nicht rechtzeitig zu Hause zu sein.

Dann kam noch ein zweiter Phantasievogel hinzu und zwar Richy. Auf die Frage, was man machen könne wenn die Stimme weg ist, meinte Richy mit Kartoffelwasser gurgeln. Aber besser ist es mit Wodka und Orangensaft, denn nach dem Gurgeln braucht man es nicht auszuspucken, sondern kann es runterschlucken. Aber nach drei Mal Gurgeln ist einem sowieso alles egal.

  • Aus dem großen Vortrag sei hier noch eine kleine Episode verzeichnet.
  • Emilliio: Ich möchte so gerne eine Delfintherapie machen
  • Richy: Geh zum Kühlschrank, hole einen Rollmops heraus und streichle ihn
  • Emilliio: Ich brauche aber Seeluft
  • Richy: Dann häng den Hering doch vor den Föhn.

Nach diesem tollen Bühnenauftritt wurden die Drei mit einem Sonderkommando verabschiedet.

Weiter im Programm ging es mit dem designierten Prinzenpaar Stefan und Bianca in Begleitung von Hofmarschall Christian Ernst sowie den Adjutanten Dieter Lichtenhahn und Stefan Neus.

Ferfers begrüßte sie mit den Worten, dass sie lange warten mussten, ehe sie nächste Woche (18. November) in die Kaiser-Friedrich-Halle einziehen und als Prinzenpaar proklamiert werden.

Bianca führte aus, dass sie gespannt ist wie ein Flitzebogen, sie sei zurückhaltend aufgeregt, denn alles ist geregelt. Der nervösere Part ist Stefan. Er hat schlechte Träume und wacht morgens Schweiß gebadet auf.

Stefan gab zu, dass er sehr nervös sei. Auf einer vorherigen Veranstaltung habe er sich versprochen und zwar habe er gesagt, „ich habe meine Haare entbeint“, anstatt „ich habe meine Beine enthaart“. Aber für ihn war es jetzt schon ein tolles Gefühl, am 11.11. auf dem Sonnenhausplatz so viele Menschen zu sehen und sieht der Proklamation mit Freude entgegen.

Nach diesem Auftritt hatte Ferfers die Gelegenheit, noch zwei besondere Ehrungen vorzunehmen und zwar an Norbert Bolten für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Gesellschaft und an Heinz Stahl für 60 Jahre Mitgliedschaft.

Das Singen und Schunkeln sollte an diesem Abend auch nicht zu kurz kommen. Hierfür hatte die Gesellschaft den „Singenden Wirt“ Heinz Hülshoff verpflichtet. Dieser bot ein vielfältiges Programm mit Schlagern und Karnevalsliedern, bei dem die Gäste auch aktiv mitwirken konnten, u.a. mit einer Polonaise, die von der Kinderprinzessin Mia angeführt wurde.

Wer sie nicht kennt, hat etwas verpasst. Ingrid Kühne, bekannt wie ein „bunter Hund“ war ebenfalls von der Gesellschaft verpflichtet worden.

In ihrem von Lachsalven begleiteten Vortrag erzählte sie, wie immer, aus ihrem persönlichen Leben. In diesem Jahr musste ihr Sohn herhalten. Dieser war ausgezogen, weil Mama ihm auf den Sack ging. Aber nur ins Vorderhaus. Dann kam er traurig zu ihr, weil er mit der Freundin Schluss gemacht hatte. Die erste Frage von Kühne war danach, hat sie die Tupperdosen dagelassen. Eine Woche später sah sie ihn dann mit einer Neuen auf dem Hof stehen. Sie musste weiter vom Fenster weg, sonst hätte sie der Sohn ja sehen können. Also ging sie zum Briefkasten und fragte, ob er nichts Besseres gefunden habe.

Kinder bleiben sie ein ganzes Leben lang und so erhielt Kühne nachts um 2.30 Uhr eine WhatsApp von ihrem Sohn mit folgendem Text: Zelt, nass, ja. Ihr Mann wollte wissen, was das heißt, worauf Kühne antwortete: er ist im Schützenzelt, es regnet und ich soll ihn abholen, was sie natürlich auch sofort machte. Ca. eine Stunde später erhielt sie wiederum eine Nachricht von ihrem Sohn: du brauchst mich nicht abzuholen, bin schon zu Hause.

Das war nur eine kurze Wiedergabe ihres tollen Programms, denn man muss sie live erlebt haben um zu verstehen, warum die Besucher nach diesem Auftritt Bauchschmerzen vom Lachen hatten.

Weiter ging es im Programm mit der eigenen Show-Tanz-Gruppe „Surprise & Fantasy“. Die Mädels begannen ihren Tanz als Feuerwehrfrauen inmitten des Publikums und tanzten sich dann auf die Bühne. Er war geprägt von raschen Tanzschritten, Hebefiguren und Pyramiden. Da ein Mädchen erkrankt war, sprang die Trainerin Heike Rick ein und übernahm deren Part. Dieser Auftritt hat nur bestätigt, dass diese Gruppe mit zu den Besten Tanzgruppen im Mönchengladbach Karneval zählt.

Mit der Show von Ruud Koedooder ging es weiter. Bei seiner Parodie bekannter Schlager und Stimmungsliedern ging es Schlag auf Schlag, eine Pointe jagte die nächste. Zu den verschiedensten Musikstücken wechselte er das Outfit und begab sich sehr oft nach unten, um dem Publikum näher zu sein. Als Zugabe sang er ein Lied in seiner Muttersprache (niederländisch) und zwar kam nur das Wort Lalala vor, was alle mitsingen konnten. Auch konnte die Bühne nicht ohne das Sonderkommando verlassen.

Der nächste Höhepunkt des Abends stand an. Bernd Stelter, zu dem man vorab nichts weiter zu sagen braucht, denn er ist ein festes Mitglied im Karneval.

Er war froh die Menschen wieder zu sehen, denn man habe zwei Jahre nichts gehabt und das war fürchterlich. Bei seinen bisherigen Auftritten waren die Säle alle voll, die Leute waren fröhlich und guter Dinge. Soziale Zwecke fallen aus, wenn es keinen Karneval gibt. Auch die Jugend ist in den Tanzgarden wichtig, denn sonst lungern sie am Bahnhof und kiffen.

So ließ er musikalisch das letzte Jahr Revue passieren und zwar über Putin, die Premier-Ministerin von England und über Wendler. Weiter hoffte er, dass die Corona-Zeit bald vorbei sei und der Karneval den Leuten wieder Spaß macht und sie zum Lachen bringt.

Weiter führte er aus, dass er mittlerweile 60 Jahre alt sei und man sich in dem Alter nicht mehr über jeden Scheiß aufrege. Außerdem soll man sich mit Leuten abgeben, die einem gut tun. Das Einzige was morgens beim Aufstehen passiert ist, dass man von Geräuschen umgeben ist, denn früher konnte man Zack aus dem Bett aussteigen. Eines Morgens wurde er wach und es tat nichts weh. Er rollte langsam die Bettdecke nach unten und als er dann seine Füße sah war er sehr glücklich. Es hat ihn so gefreut, dass an den Zehen kein Zettel hing und das war schön.

Wie in jedem Jahr hatte er auch ein neues Lied mitgebracht, und zwar „Du hast nicht vier, drei, zwei, du hast nur ein verdammtes Leben. Keiner von uns kommt hier lebend raus. Also liebe, leide, lache, du kannst heute alles geben. Spart nicht einen Moment für irgendwann später auf!“. Dieser Refrain konnte bereits nach kurzer Zeit vom Publikum mitgesungen werden.

Aber ohne Zugabe durfte Stelter nicht von der Bühne. Er sang das legendere Lied „Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär“, welches zur Freude der Gäste kräftig mitgesungen werden konnte.

Vor einiger Zeit war der Vorstand der Gesellschaft an Surprise ‚& Fantasy herangetreten und hatte sie gebeten, für die Jubiläumssitzung etwas vorzubereiten. Alle waren gespannt, denn keiner wusste, was jetzt kam. Aber die Mädels hatten sich große Mühe gemacht und stellten in einer Playback-Show ihre Erlebnisse von Malle, über den Wilden Westen bis hin zum Partyland vor. Die Zwischenansagen zu den einzelnen Darbietungen hatte Petra Beckers übernommen, die in jeder Beziehung ein Allround-Talent ist.

Christian Pape, ebenfalls nicht aus dem Karneval wegzudenken, erzählte eine seiner Anekdoten. So hatte er z.B. eine Pizza bestellt und als er sie öffnete, hatte er nur Rand zu Rand. Daraufhin rief er bei der Pizzeria an und beschwerte sich, worauf der Pizzamann seinem Kollegen zurief, da hat schon wieder einer den Karton falsch aufgemacht.

Musikalisch machte er dann zusammen mit seinem Begleiter am Key-Board, dem „Mann im Pullunder“ (Dr. Stefan Bimmermann), eine Reise durch verschiedene Sitzungen innerhalb Deutschlands und die Besucher konnten jeweils am Ende des Satzes das entsprechende Wort einsetzen.

Weiter führte er einen spektakulären Tanz mit seinem Mann im Pullunder auf und zwar den Holzschuh-Tanz. Vor allem war die Mimik der Beiden geradezu toll.

Am Schluss seines Vortrages wurde er etwas ernst und bat alle Gäste oft zu lachen, denn aus dem Lachen ziehen wir Kraft und durch Achtsamkeit werden Menschenleben gerettet. Auch ging sein Appell an die Jüngeren, ehret die Alten, denn sie waren wie Du und Du wirst später sein wie sie jetzt. Natürlich kam auch Christian Pape nicht ohne das Sonderkommando von der Bühne.

Als letzter Programmpunkt traten die Fetzer auf. Diese Gruppe hatte sich 1975 unter dem Namen „De Schweeß-Fööß“ gegründet. Leider mussten sie auf Intervention einer anderen Kölner Band ihren Namen ändern und so wurde daraus die „Fetzer“. Bis heute sind noch zwei Gründungsmitglieder dabei.

Sie spielten viele Lieder aus ihrem großen Repertoire und auch das wohl bekannteste „Wenn ich träum in der Nacht“, welches von vielen anderen Interpreten ebenfalls nachgesungen wurde. Auch ihr Song „Die längste Theke der Welt“ kam beim Publikum besonders an, denn das ist ein alter Karnevalsschlager, der früher bei keiner Sitzung fehlen durfte. Als Zugabe rockten sie noch einmal die 50-er Jahre mit einem Song von Elvis Presley.

Mit dieser Schlussnummer endete die Jubiläumssitzung der KG Alles onger ene Hoot, die vom Präsidenten Guido Ferfers souverän geleitet wurde mit Unterstützung seiner Assistentin und Ehefrau Monika.

Hajo Brenneis als Vorsitzender der Gesellschaft dankte abschließend allen Gästen für die tolle Stimmung, an der sie nicht unbeteiligt waren.